Das sind Österreichs beste Seminaranbieter 2021

Ein Panel aus 300 Personalentscheidern und 300 Arbeitnehmern mit Seminarerfahrung im Jahr 2020 haben insgesamt 94 Anbieter von Fortbildungsangeboten bewertet. Wessen Angebote begeistern die Marktteilnehmer? Und wie bewerten HR-Experten und Teilnehmer die pandemiebedingte Fernlehre?

Außergewöhnliche Zeiten, außergewöhnliche Ergebnisse. Zu dieser Kurzformel lässt sich die Wertung unseres aktuellen Seminaranbieter- Rankings verdichten. Das Pandemiejahr 2020/21 hat die Ranking-Tabellen ziemlich durcheinandergewirbelt. Viele Vorjahressieger schaffen es heuer nicht einmal unter die ersten drei, dafür tauchen neue Namen auf. Und auch so manches Comeback gilt es zu vermelden – etwa in der umfassendsten Kategorie, jener der Gesamtanbieter. Hier konnte sich das WIFI, das Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer, wieder an die absolute Spitze zurückkämpfen.

Nicht zuletzt deshalb, weil man – ohne natürlich die Pandemie vorausgeahnt zu haben – darauf bestens vorbereitet war. Denn schon in der Vergangenheit hat das WIFI viel Know-how in die Entwicklungvon Blended-Learning-Formaten investiert, die Präsenzunterricht mit Online-Einheiten verschränken, wie Tatjana Baborek, Institutsleiterin beim WIFI Österreich, betont: „Damit holen wir nun die Kundinnen und Kunden punktgenau dort ab, wo sie stehen, und bieten ihnen flexible Zugänge und Lernmethoden.“

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    Tatjana baborek
    „Mit Blended Learning holen wir die Kundinnen und Kunden dort ab, wo sie stehen, und bieten ihnen flexible Zugänge und Lernmethoden.“

    Tatjana Baborek, Institutsleiterin WIFI Österreich

Nicht nur Baborek sieht Flexibilität als einen der Schlüsselfaktoren, um Kunden dauerhaft zu binden. Auch Florian Karnutsch, Managing Director vom Cambridge Institute, unterstreicht ihre Bedeutung in Krisenzeiten und fügt hinzu: „Die Betreuungsqualität muss auf jeden Fall gleich hoch
sein, egal ob wir einen Kurs online oder face-to-face am Institut durchführen.“

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    Florian karnutsch
    "Die Betreuungsqualität muss auf jeden Fall gleich hoch sein, egal ob wir einen Kurs online oder face-to-face am Institut durchführen."

    Florian Karnutsch, Managing Director Cambride Institute

So funktioniert die Seminaranbieter-Umfrage 2021

Die Untersuchung wurde 2021 von den Markenanalysespezialisten Brandscore.at im Auftrag des INDUSTRIEMAGAZIN durchgeführt. Befragt wurden 300 Personalverantwortliche sowie 300
Mitarbeiter von Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten, die im letzten Jahr eine Fortbildung besucht haben. Die Rangreihung ist wie gewohnt in die Kategorie Gesamtanbieter und acht Einzelkategorien unterteilt. Um eine bessere Lesbarkeit und Aussagekraft der Rankingtabellen zu erreichen, wurden Anbieter, die in der Kategorie Gesamtanbieter angetreten sind, nur in dieser Kategorie (und nicht in Einzelkategorien) gewertet. Grundlage für die Reihung des Rankings
bildete der Imagewert, den ein Seminaranbieter erreichen konnte. Dabei steht eins für das bestmögliche Image, fünf für das schlechtestmögliche.


Superstar Cambridge

Das von Karnutsch geleitete Cambridge-Institute ist einer der ganzen
großen Stars des diesjährigen Rankings. Nicht nur, dass die Sprachspezialisten aus Wien als Einzige den Vorjahressieg in ihrer Disziplin verteidigen konnten, mit einem Imagewert von 1,90 erreichten sie auch die beste Bewertung quer durch alle Kategorien, knapp gefolgt vom WIFI mit 2,00 und Quality Austria mit 2,05.

Die hohe Volatilität, die in den diesjährigen Ergebnissen sichtbar wird, ist, wie Herbert Kling von Brandscore.at betont, Ausdruck eines grundlegenden Trends. Brandscore.at hat, um das INDUSTRIEMAGAZIN-Ranking zu erstellen, 300 HR-Verantwortliche und 300 Mitarbeiter von Unternehmen mit über 50 Personen befragt. „Die Ergebnisse zeigen es ganz deutlich“, sagt Kling. „Ein guter Name allein reicht heute nicht aus, um langfristige Kundenbindung aufzubauen. Er
muss immer wieder durch die drei aus Kundensicht wichtigsten Faktoren bestätigt werden: Praxisrelevanz, gute Trainer und im Berufsalltag gut nutzbare Unterlagen."

Am Ausgang des aktuellen Rankings fällt überdies auf, dass Nähe zu akademischen Institutionen für Seminaranbieter sehr nützlich sein kann. Gleich zwei der Kategoriesieger sind direkte Spin-offs von Hochschulen: die WU Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien, die in der Kategorie Führung und Strategie gewann, sowie das Center of Lifelong Learning der FH Oberösterreich, das den Bereich Produktion und Fertigung für sich entschied.

Den Vorteil einer solchen Nähe zur akademischen Welt erklärt Barbara
Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, folgendermaßen: „Als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Forschung greifen wir Themen am Puls der Zeit auf und passen unser Weiterbildungsangebot exakt an die Bedürfnisse der Unternehmen an. Wir verbinden das Beste aus zwei Welten: Die vermittelten Inhalte sind praxisrelevant, beruhen aber gleichzeitig auch auf dem neuesten Stand der Forschung.“

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    Barbara stoettinger
    „Wir verbinden das Beste aus zwei Welten: Praxisnähe und Nähe zum letzten Stand der Forschung.“

    Barbara Stöttinger, Dekanin WU Executive Academy

Wer flexibel bleibt, gewinnt

Stärker als je zuvor ist in der Pandemie die Fähigkeit, Seminarinhalte auch kurzfristig an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen, für die Anbieter zu einer Überlebensnotwendigkeit geworden.
Denn das Buchungsverhalten hat sich in den letzten Monaten nach einem ganz klaren Muster entwickelt: Gebucht wurde, was dringend nötig war, um mit der Konkurrenz mitzuhalten. Schulungen, die sich ohne größeren Schaden verschieben ließen, wurden hingegen storniert.

Michaela Kreitmayer, Leiterin des Hernstein Instituts für Management und Leadership, dem Zweitplatzierten in der Kategorie Führung und Strategie, bestätigt, dass Kunden derzeit ihre Kurse zunehmend kurzfristig und bedarfsorientiert buchen würden: „Lernen auf Vorrat ist out. Lernen just in time ist heute mehr denn je gefragt.“

Bedarfsorientierung und Geschwindigkeit in der Umsetzung nennt auch der Geschäftsführer der TÜV Austria Akademie, Christian Bayer, als jene Punkte, die Seminarteilnehmer im Moment ganz besonders wünschen. Und er bringt auch gleich ein Beispiel, wie sein Institut auf diese Nachfrage reagiert. „Wir bieten seit dem Spätsommer unter anderem die Ausbildung ‚Pandemievorsorge‘ an. Die Teilnehmer lernen hier konkret, mit welchen Maßnahmen Betriebe weiter sicher arbeiten und damit ihr Geschäft aufrechterhalten können.“

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    Michaela kreitmayer
    „Lernen auf Vorrat ist out. Lernen just in time ist heute mehr denn je gefragt.“

    Michaela Kreitmayer, Leiterin Hernstein Institut für Management und Leadership

Spezialisten am Vormarsch

Der TÜV ist zugleich auch Beleg für eine weitere Tendenz, die unser aktuelles Ranking abbildet – das Vordringen von einstigen Spezialisten in den Gesamtanbietermarkt. Den ersten Platz in der Kategorie Gesamtanbieter hat zwar mit dem WIFI ein seit jeher als Allrounder positioniertes Institut gewonnen, doch auf Platz zwei mit dem Zertifizierungsspezialisten Quality Austria und auf Platz drei mit dem aus der Technik stammenden TÜV folgen Bewerber, die bislang eher als Spezialisten wahrgenommen wurden.

Im Expertentum, das die Breite des Angebots absichert, sieht Melanie Scheiber, Head of Marketing and Public Relations bei Quality Austria, auch den Grund für den Erfolg ihres Instituts: „Wir investieren sehr viel in Forschung und Normungsarbeit, arbeiten selbst dabei aktiv mit. Davon profitieren unsere Teilnehmer.“

Der Druck hin zu noch mehr Professionalisierung als bisher wird auch in den Ergebnissen der Einzelkategorien sichtbar. Früher konkurrierten österreichische Weiterbildungsanbieter mehr oder minder untereinander, durch Corona und den damit verbundenen Digital Shift ist das Geschäft auf einen Schlag global geworden: „Während in Präsenz-Formaten noch die Sympathie für die Person des Trainers eine wichtige Rolle spielt, ist man bei Online-Formaten ganz schnell im direkten Vergleich zu den ganz Großen, wo professionell wie am Filmset produziert wird“, sagt Stefan Sunzenauer, Leiter des Center of Lifelong Learning der FH Oberösterreich, Sieger in der Kategorie Produktion und Fertigung – einer jener Anbieter, die sich im Vergleich zum Vorjahr am stärksten verbessern konnten.

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    Christian bayer
    „Wir bieten seit dem Sommer unter anderem die Ausbildung 'Pandemievorsorge' an.“

    Christian Bayer, Geschäftsführer TÜV Austria Akademie

Explizite Positionierung

Dem Versuch, mit den ganz Großen mitzuhalten, verdankt auch der Sieger in der Kategorie Marketing und Sales seinen Erfolg: das Institut HPS. Im Vorjahr noch auf Platz fünf gereiht, hat HPS heuer offenbar nicht nur von seinem professionellen Webstudio, über das man die Online-Seminare abwickelt, profitiert, sondern auch davon, dass man sich innerhalb des großen Marketing-Sales-Segments noch einmal sehr spezifisch als ein expliziter Rhetorikanbieter positionierte. Schien Ninan, Creative Director von HPS, kommentiert diese Strategie daher auch folgerichtig mit einem überaus griffigen Vergleich: „Wenn Sie Zahnschmerzen haben, gehen Sie nicht zum Allgemeinmediziner, sondern zum Zahnarzt. Wenn Sie Ihre Präsentation und Rhetorik verbessern wollen, kommen Sie zu HPS.“

Dass Spezialisten in Pandemiezeiten an Boden gewinnen, finden auch Christine Viski-Hanka und Elisabeth Smejkal-Hayn von der MANZ Rechtsakademie, Platz eins in der Kategorie Finanzen, Recht und Controlling. Die große Stärke von MANZ, erzählen sie, habe schon immer darin bestanden, dass man durch die Nähe zur universitären Welt und den auf juristische Fragen spezialisierten MANZ-Verlag als Nummer eins für schwierige Rechtsfragen angesehen werde. Das habe der MANZ Rechtsakademie nun sehr genutzt: „Durch die Corona- Pandemie und die dazugehörige Gesetzgebung wurde vielfach juristisches Neuland betreten. Viele Rechtsfragen haben sich erstmals aufgetan – der Bedarf nach Fortbildung war also gerade im Rechtsbereich enorm.“

Starke Konzentration auf ihre Kernkompetenzen kennzeichnet auch die Gewinner der Kategorie Logistik – BMÖ Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich –, der Kategorie Informationstechnologie – ADV Arbeitsgemeinschaft Datenverarbeitung – und der Kategorie Facility Management – Kanzian Engineering & Consulting GmbH. Deren Geschäftsführer Rudolf Kanzian erklärt den Erfolg der Spezialisten im Corona-Jahr vor allem mit deren praxisorientiertem Zugang: „Die fachspezifischen Anbieter haben an Boden gewonnen, weil Kunden konkrete Lösungen zu konkreten Anforderungen wollen. Allgemeine Informationen holen sie sich aus dem Internet.“

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    Schien ninan
    „Wenn Sie Zahnschmerzen haben, gehen Sie nicht zum Allgemeinmediziner. Wenn Sie Ihre Rhetorik verbessern wollen, kommen Sie zu uns."

    Schien Ninan, Creative Director HPS