ZKW Stellenabbau Niederösterreich : ZKW-Stellenabbau trifft Niederösterreich: 600 Jobs vor dem Aus
ZKW baut in Niederösterreich 600 Stellen ab
- © Hartwig ZoeglDie ZKW Group setzt ihr laufendes Kostensenkungsprogramm fort. Wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab, sollen bis Ende 2027 rund 25 Prozent der aktuell knapp 10.000 Arbeitsplätze an den weltweit zwölf Standorten abgebaut werden – das entspricht etwa 2.300 Stellen. Betroffen sind auch die Standorte in Wieselburg und Wiener Neustadt. Im Jahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 1,55 Milliarden Euro.
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Als Hauptursache für den Stellenabbau nennt das Unternehmen die anhaltende Krise in der Automobilbranche. „Die Krise der Automobilindustrie ist einer der stärksten Treiber für die aktuelle Situation. Wir müssen jetzt auf den Rückgang bei Umsatz und Aufträgen sowie auf die schwächeren Umsatzprognosen reagieren, um die Zukunft unseres Unternehmens langfristig abzusichern“, erklärt CEO Wonyong Hwang.
Die ZKW Group mit Hauptsitz in Wieselburg (Bezirk Scheibbs) ist ein international tätiger Automobilzulieferer. Das Unternehmen entwickelt und produziert Lichtsysteme und elektronische Komponenten für die Automobilindustrie und zählt in diesem Segment zu den führenden Anbietern. Das Produktportfolio der ZKW Group umfasst Frontscheinwerfer auf LED-, Laser-, Xenon- und Halogenbasis, Nebel- und Tagfahrlichter, elektronische Steuergeräte sowie integrierte Systemlösungen für automatisierte Fahrfunktionen. Besondere Kompetenzen liegen im Bereich von LED-Matrixsystemen und laserbasierten Lichtanwendungen.
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ZKW unter Druck: Massiver Stellenabbau zur Kostensenkung
ZKW reagiere damit auf steigenden Kostendruck, sinkende Erträge und geringere Umsatzerwartungen. „Um die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens zu sichern, sieht sich ZKW gezwungen, die Material- und Personalkosten deutlich zu senken. Deshalb werden im Laufe der nächsten zwei Jahre rund 25 Prozent aller Arbeitsplätze weltweit abgebaut“, heißt es in einer offiziellen Presseaussendung.
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Besonders stark trifft der Personalabbau die österreichischen Standorte. In Wieselburg, dem Sitz des Headquarters sowie der ZKW Lichtsysteme GmbH, sind derzeit rund 2.250 Beschäftigte tätig. Dort sollen bis Ende 2027 etwa 600 Arbeitsplätze wegfallen – rund 100 im Headquarter und rund 500 in der Lichtsysteme-Sparte. Am Standort Wiener Neustadt sind rund 200 Personen beschäftigt, etwa 30 davon sollen betroffen sein.
„Auch an unseren österreichischen Standorten werden Einsparungen auf allen Ebenen nötig sein. Dennoch bilden das Wissen und die Kernkompetenzen aus Österreich die Grundlage für den zukünftigen Erfolg von ZKW. Darum müssen wir auch das Know-how und die Kernkompetenzen unserer erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt sichern und weiterentwickeln“, so Hwang.
Erneuter Einschnitt bei ZKW: Sozialplan soll Mitarbeiter schützen
Bereits 2023 hatte ZKW im Zuge eines ersten Effizienzprogramms rund 600 Arbeitsplätze in Wieselburg abgebaut – damals in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und unter Einbindung eines freiwilligen Sozialplans. Dieser Sozialplan soll auch im aktuellen Prozess weiterhin zur Anwendung kommen. Die entsprechenden Verhandlungen wurden laut Unternehmen erfolgreich abgeschlossen. „Als verantwortungsvoller und einer der größten Arbeitgeber der Region war die Anpassung des Personals an die Marktsituation eine schwierige, aber notwendige Entscheidung, um den Fortbestand des Standorts zu sichern“, erklärt Hermann Seitz, Standortleiter der ZKW Lichtsysteme GmbH in Wieselburg.
ZKW unter Druck: Sparpaket trifft Belegschaft und Projekte
Im Rahmen des Kostensenkungsprogramms werden laut Unternehmensangaben alle geplanten Ausgaben überprüft, um die vorgesehenen Budgetkürzungen umzusetzen. Auch externe Faktoren wie zurückgehende Nachfrage und verschobene Projekte bei den Kunden wirkten sich negativ aus. „Auch unsere Kunden sehen sich mit rückläufiger Nachfrage, verschobenen Projekten und einer strikten Fokussierung auf die Kosten konfrontiert. Deshalb führt am Kostensenkungsprogramm kein Weg vorbei“, betont Hwang.
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Die Belegschaft an den betroffenen Standorten wurde über die aktuelle Lage und den weiteren Fahrplan informiert. „Wir haben ein zukunftsorientiertes Maßnahmenpaket geschnürt. Dieses wird dazu beitragen, das Unternehmensergebnis zu verbessern und die Innovationskraft von ZKW zu erhalten“, so der CEO weiter. „Wir bedauern die mit den Kosteneinsparungen verbundenen Konsequenzen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bedanken uns für ihren persönlichen Einsatz.“
Zahlreiche internationale Automobilhersteller setzen auf Licht- und Elektroniksysteme der ZKW Group. Zum Kundenkreis zählen unter anderem BMW, Daimler, Ford, Geely, General Motors, Hyundai/Kia, Jaguar Land Rover, Stellantis, Renault/Nissan sowie die Volkswagen-Gruppe. Die Lichtsysteme von ZKW leisten nicht nur funktionale Beiträge zur Fahrzeugsicherheit, sondern prägen auch das Designprofil zahlreicher Modelle im internationalen Fahrzeugmarkt.
Vom Metallverarbeiter zum Hightech-Zulieferer: Die Entwicklung der ZKW Group
Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1938 von Karl Zizala in Wien. Der Name „ZKW“ setzt sich aus den Initialen des Gründers sowie dem „W“ für Wien zusammen. Im Jahr 1954 wurde der heutige Hauptstandort in Wieselburg errichtet, der seither das Zentrum der betrieblichen Aktivitäten bildet. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahrzehnten übernahm 1982 die Familie Mommert das Unternehmen und richtete es strategisch neu aus. Die Produktion verlagerte sich von einfachen Metallteilen hin zu technologisch anspruchsvollen Lichtsystemen. Meilensteine in der Produktentwicklung waren unter anderem die Serienfertigung von Pkw-Scheinwerfern ab 1989, Lkw-Scheinwerfern ab 1995, Kurvenlichtsystemen (AFS) ab 2005 sowie der Einsatz von LED- und Lasertechnologien in den Folgejahren.
Die internationale Expansion des Unternehmens begann in den 2000er-Jahren. Heute betreibt ZKW Standorte in mehreren Ländern Europas, Asiens und Nordamerikas, darunter in der Slowakei, Tschechien, China, Indien, Korea, Mexiko und den USA. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Österreich bestehen neben dem Wieselburger Hauptsitz weitere Entwicklungs- und Produktionskapazitäten, etwa in Wiener Neustadt mit Schwerpunkt auf Elektronik- und LED-Technologie.
Seit 2018 gehört ZKW mehrheitlich zur südkoreanischen LG Electronics, ergänzt durch Beteiligungen der LG Corporation. Das Unternehmen ist damit in den global agierenden LG-Konzern eingebunden, bleibt jedoch operativ eigenständig und tritt weiterhin unter eigener Marke auf.