Netz-Infrastruktur : Glasfaserausbau: Telekomanbieter machen Gewinn, rufen aber nach Fördermitteln

Glasfaserausbau

Glasfasernutzung muss man mehr fördern, sagt die IT-Wirtschaft

- © Johnssson - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Wikimedia

Schlecht war das vergangene Jahr für die heimischer Netzbetreiber wahrlich nicht: A1 steigerte den operativen Gewinn in Österreich um 6,7 Prozent auf 441 Mio. Euro, Magenta erhöhte sein Betriebsergebnis vor Sondereffekten um 9,5 Prozent auf 543 Mio. Euro, einzig Drei musste leichte Einbußen hinnehmen, schrieb aber dennoch immer noch einen Betriebsgewinn von 192 Mio. Euro, nach 194 Mio. Euro im Jahr 2020.

Nun fordert die Branche aber 3 Milliarden Euro bis 2024 wie die Internetoffensive Österreich IOÖ, der Branchenverband der führenden Unternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien erklärt. Die 1,4 Mrd. Euro, die die Bundesregierung in den nächsten zwei Jahren in den Breitbandausbau steckt, wollen die Telekomprovider anders nutzen. Das Geld sollte nicht in "nicht rentablen Ausbaugebieten" investiert werden.

Die IOÖ erwartetbei den jährlichen IT-Investitionen aller österreichischen Unternehmen einen starken Anstieg von derzeit 13 Milliarden Euro auf 20 Milliarden Euro bis 2030, das entspricht einer Steigerung von 50 Prozent in den kommenden acht Jahren. Der öffentliche Sektor müsse, sagen die Branchenvertreter, daher darauf vorbereitet werden, sich den gestiegenen Anforderungen eines modernen Staates zu stellen.

Die IOÖ rät der Bundesregierung, nach den kürzlichen Umstellungen der Ressorts und Wechsel der zuständigen Bundesminister:innen, zu einem „Digitalisierungs-Kassasturz“ aller laufenden IT-Aktivitäten des Bundes, um für die kommenden Jahre ein effizientes und abgestimmtes Investitionskonzept zur Digitalisierung erarbeiten zu können. Ebenso sollen sämtliche Gesetzesvorhaben im Digitalisierungsbereich Teil dieses Kassasturzes sein, um sicherzustellen, dass sie in das Ziel, Österreich zu einer führenden Digitalisierungsnation in Europa zu machen, entsprechend einzahlen.

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Keine Förderung von Regelbetrieb

Bei den von der Branche gewünschten Investitionen gehe es nicht um eine Finanzierung des laufenden Betriebs betonen die IÖT-Vertreter. „Es geht hier nicht um die Finanzierung des IT-Regelbetriebs, sondern um neue, zusätzliche Digitalisierungsmaßnahmen, um mit den rasanten Entwicklungen der digitalen Möglichkeiten mithalten zu können“, betont daher die IÖT-Präsidentin Neumann.

A1-Chef Marcus Grausam sagte außerdem, dass die Nachfrage nach Glasfaser-Anschlüssen gefördert werden muss. Denn derzeit sei Glasfaser vielerorts verfügbar, würde von den Kundinnen und Kunden aber nicht angenommen. Ein Dorn im Auge ist der Branche auch das Nutzerverhalten. 80 Prozent der Netzkapazitäten würden für Streaming und Cloudservices verwendet, die Anbieter Netflix, Amazon Prime und Co., aber die Infrastruktur kostenlos nutzen. Als Interessensvertretung fordern sie daher eine Gigabit-Abgabe.

„Österreich muss in Europa die Stimme für eine Gigabit-Abgabe großer internationaler Cloud- und Streaminganbieter erheben. Die laufenden Netzwerkinvestitionen trägt derzeit der heimische Telekommunikationssektor und die privaten Haushalte über ihre Internettarife, während die großen bandbreitenhungrigen Streaming-Plattformen die Infrastruktur kostenlos nützen und kaum zur heimischen Wertschöpfung beitragen. Daher setzen wir uns für eine „Fair-Share-Abgabe“ ein, für die sich Österreich bei den europäischen Institutionen stark machen soll“, so Andreas Bierwirth, Vizepräsident der IOÖ und CEO von Magenta Telekom. Ohne diese Abgabe nach dem Verursacherprinzip degradieren wir uns in Europa mittelfristig zum reinen Bereitsteller von Infrastruktur, während die Wertschöpfung der Telekomwirtschaft aus Europa abfließt – das sei nicht nachhaltig, sagt Bierwirth.

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A1-Chef Grausam: Glasfaser von Kunden nicht angenommen.

Digitalboom wegen Corona nicht flächendeckend

Als Gewinner der Corona-Krise will sich die Branche trotz satter Gewinne jedenfalls nicht sehen. Die durch die Covid-Krise hervorgerufene Digitalisierungswelle hat die KMU in Österreich kaum erreicht: Die Zahl der vollständig digitalisierten Kleinbetriebe stagniert laut Digitalisierungsindex seit Pandemiebeginn, Großbetriebe hingegen haben sich von 43 % auf 54 % verbessert. Das bedeutet einen massiven Nachteil kleiner Unternehmen, die schon vor der Pandemie die Chancen der Digitalisierung großteils nicht effektiv genutzt haben. Berücksichtigt werden für die Bewertung des Digitalisierungsgrads der Unternehmen IT-Ausstattung, Vernetzung, Online-Präsenz, Online-Vertrieb und Arbeitsweise. erfolgreich

Bei eCommerce beispielsweise hatten 2017 insgesamt 22 % der Einzelhandelsbetriebe einen Online-Shop, Ende 2020 waren es 25 %, also nur um 3 Prozentpunkte mehr.

Auch die Zahl der Online Shopper vor und nach der Pandemie hat sich nicht erhöht und stagnierte bei rund 54%. Trotzdem waren Investitionen in Online-Shops außerordentlich erfolgreich, da der Brutto-Jahresumsatz des österreichischen Einzelhandels von 3,9 Mrd. Euro im Jahr 2019 um 10 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2020 gestiegen ist, eine ähnliche Entwicklung hat auch 2021 genommen. Die bedeutet, dass einige wenige digitalisierte Unternehmen in der Pandemie durch eCommerce profitieren konnten, aber der Großteil der Unternehmen diese Wachstumschance nicht wahrgenommen.

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Andreas Bierwirth T-Mobile Austria
Magenta-CEO Bierwirth: Amazon und Co sollen für Infrastruktur-Nutzung zahlen - © T-Mobile Austria GmbH