Hyundai Staplermarkt Europa : Hyundai greift Europas Staplermarkt an: Der Plan hinter der Europa-Offensive

Hyundai-Stapler auf Hafen
© Hyundai Material Handling

Europa rückt bei Hyundai Material Handling deutlich stärker in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Der südkoreanische Hersteller will sein Händlernetz massiv ausbauen, zahlreiche neue Elektrostapler auf den Markt bringen und seine Lieferfähigkeit weiter verbessern. Innerhalb der kommenden fünf Jahre strebt das Unternehmen einen Marktanteil von vier bis fünf Prozent im europäischen Markt für Gegengewichtsstapler an.

Verantwortlich für die Neuausrichtung ist seit Anfang 2026 Dongjoon „DJ“ Lee. Der frühere Leiter des globalen Vertriebs übernahm die Verantwortung für das Europageschäft und soll die Expansion des Herstellers beschleunigen. „Mit der Gründung von HD Hyundai XiteSolution wurde der Bereich Industrial Vehicles strategisch neu aufgestellt, um global unabhängiger und wettbewerbsfähiger agieren zu können“, erklärt Lee. „Unser Ziel ist es, Hyundai Material Handling in Europa als Premiumanbieter mit hoher vertikaler Integration und besonders kurzen Lieferzeiten zu etablieren.“

Europa wird strategischer Kernmarkt

Die personelle Veränderung steht im Zusammenhang mit einer umfassenden Neuorganisation des Konzerns. Bereits 2023 bündelte die HD Hyundai Group ihre Aktivitäten im Bereich Bau- und Flurfördertechnik unter dem Dach von HD Hyundai XiteSolution. Die Zwischenholding vereint HD Hyundai Construction Equipment und HD Hyundai Infracore und soll Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebssynergien innerhalb des Konzerns stärken.

Dass nun ein langjähriger Manager aus der Konzernzentrale direkt die europäische Organisation übernimmt, zeigt die wachsende Bedeutung des Marktes. Lee verfügt über mehr als 25 Jahre internationale Führungserfahrung innerhalb der Hyundai-Gruppe und soll insbesondere den Vertrieb in Europa beschleunigen.

„Unser Ziel ist es, Hyundai Material Handling in Europa als Premiumanbieter mit hoher vertikaler Integration und besonders kurzen Lieferzeiten zu etablieren", sagt der neue Leiter des Europa-Geschäfts, Dongjoon „DJ“ Lee.

- © Hyundai Material Handling

Elektrifizierung steht im Mittelpunkt

Ein Schwerpunkt der Strategie ist der Ausbau elektrisch angetriebener Flurförderzeuge: Nachdem Hyundai bereits die Hochvolt-B-X-Serie im Tragfähigkeitsbereich zwischen vier und neun Tonnen eingeführt hat, folgt im September 2026 die nächste Ausbaustufe. Dann sollen erstmals vollelektrische Schwerlaststapler mit Tragfähigkeiten zwischen zehn und 18 Tonnen vorgestellt werden.

Auch im kleineren Segment erweitert Hyundai sein Portfolio. Für November kündigt das Unternehmen eine neue dreirädrige Elektrostapler-Baureihe mit Tragfähigkeiten von 1,5 bis zwei Tonnen an. Bis 2028 soll die komplette Elektrobaureihe zwischen 1,5 und fünf Tonnen umfassend modernisiert werden.

Damit folgt Hyundai einem Branchentrend. Während Diesel- und LPG-Stapler in vielen Anwendungen weiterhin eine wichtige Rolle spielen, wächst insbesondere in Europa die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Flurförderzeugen. Gründe dafür sind strengere Emissionsvorgaben, niedrigere Betriebskosten sowie Nachhaltigkeitsziele vieler Industrie- und Logistikunternehmen.

Händlernetz wächst deutlich

Parallel investiert Hyundai in den Ausbau seiner europäischen Vertriebsstruktur. Allein im ersten Quartal 2026 schloss das Unternehmen neun neue Händlerverträge in Frankreich, Italien und den baltischen Staaten ab. Bis Ende des Jahres sollen weitere 20 Vertriebspartner hinzukommen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Deutschland, Spanien und Großbritannien.

„Kompetente und wirtschaftlich stabile Vertriebspartner sind ein entscheidender Erfolgsfaktor“, sagt Lee. Ein weiteres Verkaufsargument sieht Hyundai in den Lieferzeiten. Nach Auftragseingang sollen Fahrzeuge innerhalb von rund dreieinhalb bis fünf Monaten nach Europa geliefert werden. Zusätzlich hält das Unternehmen ausgewählte Modelle in einem europäischen Zentrallager vor, wodurch einzelne Geräte kurzfristig verfügbar sein sollen.

Lieferketten werden zum Wettbewerbsvorteil

Neben dem Produktausbau hebt Hyundai vor allem seine hohe Fertigungstiefe hervor. Innerhalb der HD Hyundai Group stammen zahlreiche zentrale Komponenten wie Motoren, Getriebe oder Hydrauliksysteme aus dem eigenen Konzern. Gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Lieferengpässen und unterbrochenen Lieferketten sieht Hyundai darin einen wichtigen Wettbewerbsvorteil.

Produziert werden die Flurförderzeuge weiterhin überwiegend im südkoreanischen Ulsan. Dort verfügt Hyundai über eine jährliche Produktionskapazität von rund 25.000 Fahrzeugen. Weitere Produktionskapazitäten bestehen in Gunsan sowie in China.

Service und Finanzierung werden ausgebaut

Neben Produkten und Vertrieb investiert Hyundai auch in Serviceleistungen. So soll die Ersatzteilverfügbarkeit auf 97 Prozent steigen. Gleichzeitig baut der Hersteller Finanzierungsangebote sowohl für Händler als auch Endkunden aus.

Auch die Garantiebedingungen gehören zur Wachstumsstrategie. Für in Korea produzierte Modelle gilt eine dreijährige Garantie beziehungsweise 4.000 Betriebsstunden auf Ersatzteile. Für die Antriebsbatterien gewährt Hyundai fünf Jahre beziehungsweise 10.000 Betriebsstunden und garantiert nach fünf Jahren noch mindestens 85 Prozent Restkapazität.

Marktanteil deutlich steigern

Mit der Kombination aus Elektrifizierung, kürzeren Lieferzeiten, stärkerem Händlernetz und hoher Fertigungstiefe verfolgt Hyundai ehrgeizige Ziele. Innerhalb der kommenden fünf Jahre soll der Marktanteil im europäischen Markt für Gegengewichtsstapler auf vier bis fünf Prozent steigen. Europa entwickelt sich damit zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte innerhalb der globalen Strategie des Unternehmens.

Europas Staplermarkt elektrifiziert sich zunehmend

Hyundai folgt dabei einem Branchentrend und steht mit der Elektrifizierung des Produktportfolios nicht allein. Nahezu alle großen Hersteller investieren derzeit in neue Elektrostapler, Lithium-Ionen-Technologien sowie automatisierte Lagerlösungen. Während Jungheinrich zuletzt neue KI-Funktionen und Automatisierungslösungen präsentierte, bauen auch Toyota Material Handling und die KION-Gruppe ihre elektrischen Produktlinien kontinuierlich aus.

Vor diesem Hintergrund dürfte sich der Wettbewerb künftig weniger über klassische Verbrenner entscheiden als über Software, Energieversorgung, Automatisierung und digitale Services.