Investitionen Verlagerung : Industrie-Investitionen: Deutschland mit gemischten Signalen, Österreich weiter unter Druck
In Deutschland haben die Unternehmen ihre Investitionspläne für 2026 zuletzt leicht angehoben. Laut ifo Institut stiegen die Investitionserwartungen im März auf +0,2 Punkte, nach -3,1 Punkten im Dezember 2025. Ausschlaggebend ist vor allem eine verbesserte Auftragslage in Teilen der Industrie. Gleichzeitig belasten steigende Energiekosten im Zuge des Iran-Krieges sowie eine erhöhte Unsicherheit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Besonders in der Industrie zeigt sich eine gewisse Belebung. Der Saldo der Investitionserwartungen verbesserte sich von -6,9 Punkten im Dezember auf +0,1 Punkte im März. Vor allem nicht-energieintensive Branchen planen häufiger Investitionsausweitungen. Hier stieg der Wert von -6,4 auf +2,0 Punkte.
Deutliche Zuwächse verzeichnen zentrale Industriezweige: Im Maschinenbau verbesserten sich die Erwartungen von -8,6 auf +2,1 Punkte, im Fahrzeugbau von +2,9 auf +14,8 Punkte. Energieintensive Branchen bleiben hingegen zurück. Der Saldo lag hier im März bei -9,0 Punkten. In der Chemie verschlechterten sich die Erwartungen weiter leicht.
Auch bei Forschung und Entwicklung planen viele Unternehmen wieder höhere Ausgaben. Der entsprechende Saldo im Verarbeitenden Gewerbe drehte von -4,1 auf +1,2 Punkte. Zusätzlich gewinnen Investitionen in Software an Bedeutung, unter anderem im Zusammenhang mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Außerhalb der Industrie bleibt das Bild uneinheitlich. Im Handel verharren die Investitionserwartungen mit -9,6 Punkten auf niedrigem Niveau. Dienstleistungsunternehmen zeigen sich hingegen etwas zuversichtlicher, hier stieg der Saldo von +1,1 auf +2,8 Punkte.
Mehr Investitionen im Ausland
Parallel dazu investieren deutsche Industrieunternehmen verstärkt außerhalb des eigenen Standorts. Laut einer Sonderauswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) planen 43 Prozent der Industriebetriebe im Jahr 2026 Investitionen im Ausland – ein Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
Ein zentraler Treiber ist der Kostendruck. 41 Prozent der Unternehmen nennen Kosteneinsparungen als Hauptmotiv für Auslandsinvestitionen. Das entspricht einem Anstieg um sechs Prozentpunkte und dem höchsten Wert seit 2003. Als Gründe werden steigende Kosten, strukturelle Probleme und eine schwache Konjunktur am Standort Deutschland genannt.
Bei den Zielregionen zeigen sich Verschiebungen. Nordamerika verliert an Bedeutung: Der Anteil der Unternehmen mit Investitionsplänen dort sank von 48 auf 44 Prozent. Gleichzeitig nimmt das Engagement in Asien wieder zu. In China stieg der Anteil von 31 auf 34 Prozent, in der Region Asien/Pazifik (ohne China) von 21 auf 26 Prozent.
Die Eurozone bleibt mit 64 Prozent die wichtigste Zielregion für Auslandsinvestitionen. Ausschlaggebend sind laut DIHK stabile Rahmenbedingungen, der Binnenmarkt und die gemeinsame Währung.
Industrieproduktion stagniert
Die aktuelle Investitionsentwicklung trifft auf eine insgesamt angespannte Lage der deutschen Industrie. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für 2026 nicht mehr mit einem Wachstum der Industrieproduktion. Stattdessen wird eine Stagnation erwartet. Zuvor war noch ein Anstieg von einem Prozent prognostiziert worden.
Als Gründe werden ein schwacher Jahresstart sowie die Auswirkungen des Iran-Krieges genannt. Zudem besteht das Risiko eines erneuten Rückgangs der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Seit 2022 ist die Industrieproduktion in Deutschland laut BDI jedes Jahr gesunken.
Die Kapazitätsauslastung liegt aktuell bei rund 78 Prozent und damit deutlich unter früheren Niveaus. Neben geopolitischen Unsicherheiten nennt der Verband vor allem strukturelle Probleme als Belastungsfaktoren. Dazu zählen hohe Kosten, Steuern und bürokratische Anforderungen.
Der BDI fordert von der Bundesregierung ein umfassendes Reformpaket, das bis zum Sommer vorgelegt werden soll und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärkt.
Österreich: Schwaches Wachstum bremst Investitionen
In Österreich bleibt die wirtschaftliche Entwicklung verhalten. Laut Prognosen von WIFO und IHS wird für 2026 nur ein geringes Wachstum erwartet. Das IHS rechnet mit 0,5 Prozent, das WIFO – abhängig von der Entwicklung bei Rohöl- und Erdgaspreisen – mit 0,2 bis 1,1 Prozent.
Diese Rahmenbedingungen erschweren Investitionen für viele Unternehmen. Zu den zentralen Belastungsfaktoren zählen hohe Energiepreise, steigende Lohnstückkosten, zunehmender internationaler Wettbewerb sowie Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt.
Besonders betroffen ist die Industrie. Viele Betriebe stehen unter wirtschaftlichem Druck, während Investitionen weiterhin eine wichtige Rolle für Beschäftigung und Standortentwicklung spielen.
Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) fordert daher Entlastungen, insbesondere bei den Lohnnebenkosten. Ziel ist es, Unternehmen mehr finanziellen Spielraum für Investitionen zu verschaffen.