Agrana plant Sparmaßnahmen : Agrana unter Druck: Nach Gewinneinbruch Einsparungen von 100 Millionen Euro bis 2027

Dem Endkonsumenten ist die Agrana insbesondere durch die Marke "Wiener Zucker" bekannt.

Die schwache Wirtschaftslage und rückläufige Verkaufspreise haben die Neunmonatsergebnisse des börsenotierten Zucker- und Stärkekonzerns Agrana stark belastet.

- © Agrana

Herausforderungen durch schwache Wirtschaft und sinkende Preise

Die derzeitige wirtschaftliche Lage stellt den Zucker- und Stärkekonzern AGRANA vor große Herausforderungen. Angesichts rückläufiger Verkaufspreise und eines schwierigen Marktumfelds verzeichnete das Unternehmen deutliche Einbußen in seinen Neunmonatsergebnissen des Geschäftsjahres. Trotz gestiegener Absatzmengen sank der Umsatz um 8,1 % auf 2,71 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) brach um 65,8 % auf 51,1 Mio. Euro ein, während das Konzernergebnis einen noch stärkeren Rückgang um 81,4 % auf 14,5 Mio. Euro verzeichnete.

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Konzernchef Stephan Büttner betonte in einer Mitteilung: "Wir sind weiterhin mit einem äußerst herausfordernden Umfeld konfrontiert, das durch die schlechte Wirtschaftslage in Europa, die Rezession in Österreich und Deutschland sowie nach wie vor hohe Volatilitäten im Rohstoff- und Energieeinkauf gekennzeichnet ist."

Die Hauptfaktoren, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben, sind in den Segmenten Stärke und Zucker zu finden, wo sinkende Verkaufspreise zu erheblichen Umsatzeinbußen führten. Im Gegensatz dazu zeigte das Fruchtsegment eine leichte Erholung und trug mit positiven Entwicklungen in Europa und Mexiko zur Stabilisierung der Ergebnisse bei.

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- © Industriemagazin

Agrana setzt auf Sparmaßnahmen

AGRANA reagiert auf die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen mit einem umfassenden Sparprogramm, das bis 2027 jährliche Einsparungen von bis zu 100 Millionen Euro ermöglichen soll. Stephan Büttner, der Vorstandsvorsitzende, erklärte, dass die Maßnahmen notwendig sind, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein zentraler Aspekt der neuen Strategie ist die Reduktion der Holding-Struktur, mit der eine effizientere Organisation geschaffen werden soll. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und Verwaltungsaufwände deutlich zu minimieren. Neben einer schlankeren Organisation plant Agrana auch erhebliche Einsparungen bei Sachkosten. Besonders in Bereichen wie Logistik und Materialbeschaffung werden Kostensenkungen angestrebt, die zu einer nachhaltigen Optimierung der Betriebskosten führen sollen. 

Ein weiterer wichtiger Baustein der Strategie sind Personalmaßnahmen, die möglicherweise Anpassungen in der Mitarbeiterstruktur mit sich bringen könnten. Konkrete Details zu diesen Änderungen wurden noch nicht bekannt gegeben, jedoch soll die gesamte Bandbreite an Einsparpotenzialen ausgeschöpft werden. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage betont Büttner, dass Werksschließungen derzeit nicht vorgesehen sind. Vielmehr konzentrieren sich die Einsparmaßnahmen auf eine Vielzahl kleinerer und größerer Schritte, um die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens zu sichern.

Büttner betonte, dass der Zuckerstandort Österreich nachhaltig abgesichert werden soll, obwohl die Herausforderungen in diesem Segment groß sind.

Stephan Büttner

Besonderes Augenmerk legt Agrana auf die Konzentration auf Kernbereiche. Der Konzern plant, sich verstärkt auf die Veredelung landwirtschaftlicher Rohstoffe zu fokussieren. Das Fruchtsegment gilt dabei als Wachstumsfeld mit hohem Potenzial, das zukünftig stärker ausgebaut werden soll. Diese Neuausrichtung soll nicht nur zur Stabilisierung der Finanzen beitragen, sondern auch die Marktposition in einem schwierigen Umfeld stärken.

Wir können jetzt aktuell keine Standortdiskussion führen. Faktum ist, wir müssen uns die Situation sehr genau anschauen. Es geht darum, dass wir den Zuckerstandort Österreich nachhaltig absichern.

Sind AGRANA-Standorte in Österreich gefährdet?

Agrana, einer der führenden Zucker-, Frucht- und Stärkekonzerne, betreibt in Österreich mehrere Produktionsstätten, darunter sechs Standorte in Niederösterreich. Die bekanntesten Zuckerfabriken befinden sich in Tulln und Leopoldsdorf im Marchfeld. Neben diesen Anlagen umfasst das Netzwerk weitere Standorte für die Verarbeitung und Veredelung von landwirtschaftlichen Rohstoffen. Insgesamt beschäftigt Agrana rund 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich.

Trotz der geplanten Sparmaßnahmen, die Einsparungen von bis zu 100 Millionen Euro jährlich ab 2027 vorsehen, sind derzeit keine Werksschließungen in Österreich geplant. Besonders der Standort Leopoldsdorf war in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Spekulationen über mögliche Schließungen. Büttner betonte jedoch, dass aktuell keine Standortdiskussion geführt werde. Stattdessen sollen durch Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen die Produktionsstandorte wirtschaftlich stabilisiert werden. 

Büttner betont: „Wir können jetzt aktuell keine Standortdiskussion führen. Faktum ist, wir müssen uns die Situation sehr genau anschauen. Es geht darum, dass wir den Zuckerstandort Österreich nachhaltig absichern.“

Betain-Produktion von Agrana in Tulln
AGRANA-Standort in Tulln - © Agrana

Segmentanalyse: Zucker, Stärke und Frucht

1. Das Segment Frucht

Das Fruchtsegment, das Produkte wie Fruchtzubereitungen für die Lebensmittelindustrie und Fruchtsaftkonzentrate umfasst, war eines der wenigen Lichtblicke im Bericht. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr von 1,18 Mrd. Euro auf 1,22 Mrd. Euro. Dieser Zuwachs war vor allem auf eine starke Nachfrage in Europa und Mexiko zurückzuführen. Insbesondere der Bereich Fruchtsaftkonzentrate zeigte eine solide Entwicklung, was teilweise auf die gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher zurückzuführen ist. Das EBIT des Segments legte von 50,1 Mio. Euro auf beeindruckende 72,9 Mio. Euro zu.

Die weltweite Nachfrage nach Fruchtzubereitungen wird durch mehrere Trends unterstützt:

  • Gesundheitsbewusstsein: Verbraucher bevorzugen Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen und ohne künstliche Zusätze.
  • Steigende Nachfrage in Schwellenländern: In Ländern wie Mexiko, Indien und China wächst der Markt für verarbeitete Lebensmittel, die Fruchtzubereitungen enthalten.
  • Innovationen im Bereich pflanzlicher Alternativen: Fruchtbasierte Zutaten gewinnen in der veganen und vegetarischen Ernährung weiter an Bedeutung.

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2. Das Segment Stärke

Im Gegensatz dazu kämpfte das Segment Stärke mit erheblichen Schwierigkeiten. Der Umsatz sank von 907,4 Mio. Euro im Vorjahr auf 767,0 Mio. Euro. Hauptursache waren sinkende Verkaufspreise, die durch niedrigere Rohstoff- und Energiepreise ausgelöst wurden. Das operative Ergebnis (EBIT) reduzierte sich auf 28,4 Mio. Euro, was unter anderem auf die temporäre Schließung des Werks in Pischelsdorf nach einem Hochwasser zurückzuführen ist.

Die Stärkeindustrie steht vor mehreren Herausforderungen:

  • Nachfrage nach nachhaltigen Verpackungen: Stärke wird zunehmend in der Produktion biologisch abbaubarer Verpackungen verwendet, jedoch schwanken die Rohstoffpreise stark.
  • Konkurrenz durch alternative Produkte: Synthetische Materialien und günstigere Alternativen setzen den Markt unter Druck.

Dennoch bleibt das Potenzial im Stärkesegment hoch, insbesondere durch den Einsatz von Stärke in der Papierindustrie, in der Biokunststoffherstellung und im Bereich von Textilhilfsmitteln.

3. Das Segment Zucker

Das Zuckergeschäft zeigte die schwächste Performance. Der Umsatz reduzierte sich von 861,5 Mio. Euro auf 717,4 Mio. Euro, während das EBIT von einem Plus von 41,3 Mio. Euro auf ein Minus von 50,2 Mio. Euro fiel. Hauptursachen waren ein Überangebot auf dem EU-Markt, ein erwarteter Anstieg der Zuckerproduktion sowie sinkende Weltmarktpreise.

Ein zusätzlicher Faktor war die schlechte Qualität der Zuckerrüben in der Saison, die zu einem niedrigen Zuckergehalt und damit höheren Herstellungskosten führte. Besonders belastend war die starke Konkurrenz durch Importe aus außereuropäischen Märkten, die zu einem Preisdruck führte.

Globale und regionale Marktbedingungen

Europäischer Markt

Die wirtschaftliche Lage in Europa bleibt angespannt. Die hohe Inflation, die Energiekrise und eine stagnierende Wirtschaft in wichtigen Märkten wie Deutschland und Österreich haben die Konsumfreude der Verbraucher gedämpft. Für Unternehmen wie AGRANA, die stark vom europäischen Markt abhängen, bedeutet dies einen zusätzlichen Druck auf die Margen.

Globale Trends

Auf globaler Ebene beeinflussen mehrere Trends die Zucker- und Stärkebranche:

  • Veränderte Verbrauchergewohnheiten: Der Rückgang des Zuckerkonsums in westlichen Märkten, getrieben durch Gesundheitsbedenken, hat die Nachfrage nachhaltig verändert.
  • Nachhaltigkeitsanforderungen: Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten und Emissionen zu reduzieren.
  • Volatilität auf den Rohstoffmärkten: Die Preise für Rohstoffe wie Zuckerrohr, Mais und Weizen schwanken stark, was Unternehmen wie AGRANA vor große Herausforderungen stellt.

Investitionen und Strategien für die Zukunft

AGRANA hat trotz der schwierigen Marktbedingungen Investitionen in Höhe von rund 120 Mio. Euro angekündigt. Ein bedeutender Teil dieser Mittel – etwa 12 % – soll für Maßnahmen zur Emissionsreduktion im Rahmen der Klimastrategie des Unternehmens verwendet werden.

Digitalisierung und Innovation

Ein weiterer Fokus liegt auf der Digitalisierung der Produktionsprozesse, um Effizienzsteigerungen zu erzielen. Technologien wie KI-gesteuerte Analysen sollen helfen, Produktionsausfälle zu minimieren und die Ressourcennutzung zu optimieren.

Diversifikation

Angesichts der Herausforderungen im Zucker- und Stärkebereich könnte eine Diversifikation des Produktportfolios dazu beitragen, die Abhängigkeit von schwankenden Märkten zu reduzieren. Bereiche wie pflanzliche Proteine oder Biokunststoffe bieten vielversprechende Wachstumsperspektiven.

Zukunftsausblick

Die Prognosen für das Gesamtjahr bleiben verhalten. Wie bereits in der Gewinnwarnung im November angekündigt, erwartet AGRANA einen Rückgang des EBIT um mindestens 50 % auf maximal 75 Mio. Euro. Auch der Umsatz dürfte weiter zurückgehen.

Für die kommenden Jahre plant das Unternehmen jedoch, sich stärker auf nachhaltige und zukunftsfähige Geschäftsfelder zu konzentrieren. Im Rahmen des EU Green Deals wird AGRANA Maßnahmen ergreifen, um die neuen Berichtsanforderungen zu erfüllen und langfristig eine CO₂-neutrale Produktion anzustreben.