Produktion in Vitis läuft 2025 aus : Pollmann verlagert Produktion von Vitis an den Hauptsitz Karlstein

Pollmann-Werk Vitis: Produktion läuft bis Ende 2025 aus
- © Kurt HörbstZwischen 2017 und 2020 investierte Pollmann an seinen internationalen Standorten rund 40 Millionen Euro in Produktionsgebäude, Maschinen und Anlagen, um sich für zukünftiges Wachstum zu rüsten. Doch das erhoffte Umsatzwachstum blieb bislang aus. Eine eingehende Analyse ergab, dass die Werke in Karlstein und Tschechien über ausreichend Kapazität verfügen, um das gesamte Produktionsvolumen in Europa zu stemmen – auch ohne den Standort Vitis.
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„Die Bündelung unserer Fertigungskapazitäten an zwei europäischen Standorten ist der einzig wirtschaftlich und strategisch vernünftige Schritt“, erklärt Stefan Pollmann, der seit Februar ebenso als Geschäftsführer in der Holding tätig ist. „Sie verschafft uns mehr Effizienz, kompaktere Strukturen und den nötigen Spielraum für neue Projekte und Partnerschaften.
Nahtlose Integration der Serienproduktion
In Vitis, jenem Werk, das 2021 zur besten Fabrik Österreichs gekürt wurde, werden Türschlossgehäuse gefertigt – verbrennerunabhängige Komponenten, die langfristig ein wesentlicher Bestandteil des Pollmann-Portfolios bleiben. Die 24/7 laufende Serienproduktion wird künftig in die Fertigung in Karlstein integriert, was zu einer besseren Auslastung und kürzeren Wegen führt. „Wir arbeiten bereits an einer Floor-Space-Optimierung und einem neuen Wertstromkonzept, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten“, erklärt COO Robert Stubenberger.
Das Team bleibt dabei unverändert. „Unsere Mitarbeiter:innen in Vitis leisten Tag und Nacht großartige Arbeit. Ihre Kompetenz, ihr Know-how und ihre Einsatzbereitschaft sind für uns unverzichtbar – wir freuen uns darauf, gemeinsam mit ihnen in Karlstein weiterzuarbeiten“, so Stubenberger.
Zukunftsperspektive für Werk Vitis
Parallel dazu prüft Pollmann verschiedene Optionen für die künftige Nutzung des Standortes Vitis – von einem Verkauf bis hin zu Kooperationen mit Industriepartnern, die genau solche Fertigungskapazitäten suchen. Das hochmoderne Werk wurde 2020 eröffnet und 2021 von Fraunhofer Austria sowie dem Industriemagazin zur besten Fabrik Österreichs gekürt. Besonders hervorzuheben ist das vollautomatisierte Hochregallager, das in Branchenkreisen als Benchmark für moderne Logistiklösungen gilt.
„Wir sind stolz auf den Standort Vitis – es ist eine top-ausgestattete, preisgekrönte Fabrik. Auch wenn diese nicht mehr Teil unseres aktiven Produktionsnetzwerks bleibt, soll sie sinnvoll und strategisch genutzt werden“, erklärt Stefan Pollmann.
„Simply:Pollmann“
Die Entscheidung zur Standortverlagerung ist eingebettet in die Transformationsinitiative „Simply:Pollmann“. Dabei werden alle Unternehmensbereiche überprüft, Strukturen hinterfragt und Prozesse neu ausgerichtet. Dies umfasst auch gezielte Personalmaßnahmen. Pollmann beschäftigt derzeit rund 550 Mitarbeiter:innen in Österreich. Im Zuge der Umstrukturierung werden etwa 15 Stellen am Hauptstandort Karlstein, insbesondere bei der Pollmann Werkzeugbau GmbH, abgebaut. Das Unternehmen verfolgt dabei einen verantwortungsbewussten Ansatz, um langfristige Perspektiven für die Belegschaft zu sichern.
Ziel der Neuausrichtung ist, die Organisation widerstandsfähiger, schneller und zukunftsorientierter aufzustellen. „Der Markt verändert sich, und wir verändern uns mit“, so Stefan Pollmann. „Mit Simply:Pollmann stellen wir die Weichen für eine stabile, innovative und nachhaltige Zukunft. Die über 135-jährige Erfolgsgeschichte von Pollmann soll konsequent weitergeführt werden – mit Weitblick, Respekt, Vertrauen und unternehmerischer Verantwortung.“
Neue Zölle: Produktion in Mexiko noch immer günstiger
Wie aber blickt Stefan Pollmann, der den Aufbau des mexikanischen Pollmann-Werks leitete, auf die neuen Zölle der Trump Administration? Zwar wird der Automobilzulieferer nicht direkt von den Einfuhrabgaben betroffen "Ganz egal kann uns das dennoch nicht sein" so Pollmann. Steigende Kosten werden sich entlang der Lieferkette aufteilen „der dadurch entstehende Druck wird uns natürlich auch treffen".
Erste Anfragen nach Preisnachlässen sind schon jetzt am Standort in San Miguel de Allende eingegangen. Auch wenn der Kostendruck bereits vor dem neuen Zollregime hoch war, „wurde unseren Abnehmern nun eine hervorragende Argumentation gegeben die Preisfrage neu aufzurollen“. Mittelfristig werden sich die steigenden Preise jedoch auch in einer sinkenden Nachfrage manifestieren. Von Kunden werde die Situation daher als Risiko eingestuft. So sehr, dass bei der "Neuvergabe von Projekten vorsichtiger agiert" werde.
Die Investitionen in Mexiko bereut Pollmann nicht: „Auch nach den Zöllen kommt uns die Produktion günstiger als eine lokale in den USA“, die Wettbewerbsfähigkeit des Werkes ist also nach wie vor gegeben. Freude kommt angesichts der neuen Zölle dennoch keine auf „Am Ende des Tages erzeugt das Unsicherheit, bindet Ressourcen und kostet Nerven". Insbesondere die Frage wie lange die neuen Zölle nun bestand haben werden, kann niemand beantworten, aber: „Zuviel Furcht bringt auch nichts, das Risiko ist gestiegen, aber auch die Periode Trump wird vorbeigehen“.