KTM Insolvenz : KTM kurz vor dem Aus – jetzt rettet Bajaj die Kultmarke mit Millionen-Deal

Der langjährige KTM-Chef Stefan Pierer scheidet nach Abschluss des Sanierungsverfahrens im Juni aus dem Vorstand der Mutter Pierer Mobility aus.
- © Philip PlatzerDie drohende Insolvenz der KTM AG ist vorerst abgewendet. Der Miteigentümer Bajaj Auto International Holdings B.V. stellt 450 Millionen Euro als Darlehen zur Verfügung, um die im Sanierungsverfahren festgelegte Gläubigerquote zu bedienen und einen Konkurs der KTM AG sowie ihrer Töchter KTM Components GmbH und KTM Forschungs & Entwicklungs GmbH zu verhindern. Dies gab das Unternehmen offiziell in einer Presseaussendung am Donnerstag bekannt.
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Zusätzlich fließen weitere 150 Millionen Euro von der Muttergesellschaft Pierer Mobility. Damit stehen insgesamt 600 Millionen Euro zur Verfügung – mehr als die benötigten 525 Millionen Euro zur Abdeckung der Barquote von 30 Prozent im Rahmen der drei Sanierungspläne. Hinzu kommen Gerichts- und Verfahrenskosten. Damit ist der Fortbestand des traditionsreichen Motorradherstellers gesichert.
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Bajaj strebt vollständige Kontrolle über Pierer Bajaj an
Im Gegenzug übernimmt Bajaj die Mehrheit an der Holdinggesellschaft Pierer Bajaj, welche derzeit 74,18 Prozent der Pierer Mobility AG hält. Aktuell ist die Pierer Industrie AG von Stefan Pierer mit 50,1 Prozent an Pierer Bajaj beteiligt, während Bajaj Auto International Holdings B.V. 49,9 Prozent hält. Mit der geplanten Übernahme – vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen – wird Bajaj künftig alleiniger Mehrheitseigentümer und erhält damit maßgeblichen Einfluss auf die KTM-Muttergesellschaft.
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Eine entsprechende Garantievereinbarung und ein Aktienverpfändungsvertrag wurden laut Ad-hoc-Mitteilung vom Mittwoch zwischen der Pierer Mobility AG und Bajaj unterzeichnet.
CEO Neumeister: "Die Geschichte von KTM fortschreiben"
KTM-CEO Gottfried Neumeister zeigte sich dankbar: „Heute haben wir die Chance bekommen, die Geschichte von KTM fortzuschreiben.“ Die bestehenden Standorte, insbesondere das Werk in Mattighofen/Munderfing, sollen laut Neumeister weiterhin „die Basis für unseren zukünftigen Erfolg“ bilden. In seiner Stellungnahme äußerte er „tiefe Dankbarkeit und Demut“ gegenüber allen Unterstützern dieser „zweiten Chance“, und würdigte explizit Stefan Pierer, der „den Grundstein für eine der bekanntesten Motorradmarken der Welt gelegt“ habe.
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Stefan Pierer zieht sich aus Vorstand der Pierer Mobility zurück
Im Zuge der Restrukturierung wird Stefan Pierer nach Abschluss des Sanierungsverfahrens im Juni 2025 aus dem Vorstand der Pierer Mobility ausscheiden. Als Nachfolgerin wird Verena Schneglberger-Grossmann, seit 2015 in der Unternehmensgruppe tätig, in den Vorstand berufen. Sie soll CEO Neumeister künftig verstärken.
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Bereits Anfang der Woche hatte KTM bestätigt, dass man verbindliche Finanzierungszusagen zur Erfüllung der Barquote im Insolvenzverfahren erhalten habe. Auch wenn Details zunächst zurückgehalten wurden, galt Bajaj als sicherer Kapitalgeber. Diese Nachricht sorgte für spürbare Erleichterung in der Region Innviertel sowie für ein Plus beim Aktienkurs von Pierer Mobility.
Frist für Gläubigerquote läuft am Freitag ab
Die Insolvenz der KTM AG wurde Ende November 2024 bekannt. Im Rahmen eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung meldeten 1.250 Lieferanten, Banken und 2.600 Mitarbeiter Forderungen in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro an. Der mehrheitlich angenommene Sanierungsplan vom 25. Februar sieht eine 30-Prozent-Barquote vor. Diese muss bis Freitag, 23. Mai 2025, um 24 Uhr beim Sanierungsverwalter Peter Vogl eingezahlt sein, andernfalls droht ein definitiver Konkurs.
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Ein Investor war deshalb zwingend notwendig. Bereits im Dezember hatte die Pierer Mobility AG die Citigroup mit der Investorensuche beauftragt – Bajaj galt früh als aussichtsreichste Option. Das indische Familienunternehmen hatte bereits während des Produktionsstillstands von Dezember bis März finanzielle Mittel bereitgestellt, um die Fortführung des Werks zu sichern. Aufgrund von Lieferkettenproblemen wurde die Produktion im Mai erneut gedrosselt. Eine Wiederaufnahme ist für den 28. Juli 2025 geplant.