Volkswagen Sparprogramm : Volkswagen: Unerwarteter Durchbruch beim Sparprogramm – doch ein Werk bleibt offen
Das Volkswagen-Werk Osnabrück bleibt ein Schlüsselstandort im VW-Umbau. Während der Konzern seine Überkapazitäten schneller abbaut als erwartet, wird weiter nach einer Anschlusslösung gesucht.
- © Haakon Kleine/VolkswagenVolkswagen kommt beim Abbau seiner Überkapazitäten in Deutschland offenbar schneller voran als erwartet. Doch der Umbau hat eine heikle offene Flanke: Während mehrere Werke bereits Produktionslinien verlieren, bleibt die Zukunft des Standorts Osnabrück ungeklärt. Nun rückt mit Xpeng ein chinesischer Elektroautohersteller als möglicher Interessent für europäische Produktionskapazitäten in den Fokus.
Nach Angaben von VW-Markenchef Thomas Schäfer ist der im Tarifkompromiss von Ende 2024 vereinbarte Kapazitätsabbau weitgehend umgesetzt. Offen bleibt vor allem die Zukunft des Werks Osnabrück, für das weiterhin nach einer Anschlusslösung gesucht wird.
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Ende 2024 hatten sich Volkswagen und die IG Metall nach einem zugespitzten Tarifkonflikt auf ein umfassendes Spar- und Restrukturierungspaket geeinigt. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen wurden dabei abgewendet. Gleichzeitig sieht die Vereinbarung vor, bis 2030 rund 35.000 Stellen abzubauen und die Produktionskapazität in Deutschland um mehr als 700.000 Fahrzeuge zu reduzieren. Ziel ist eine jährliche Entlastung der Arbeitskosten um rund 1,5 Milliarden Euro. Auch IG Metall und Betriebsrat betonen weiterhin, dass die deutschen Standorte auf Basis dieser Vereinbarung erhalten bleiben sollen.
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VW-Werke verlieren Linien: So tief greift der Umbau in Deutschland
Der Kapazitätsabbau erfolgte nach bisherigen Angaben vor allem über weniger Produktionslinien und Schichten, nicht über komplette Fabrikschließungen. In Zwickau und Emden wurde die Fertigung demnach jeweils von zwei Linien auf eine Linie reduziert. In Wolfsburg produziert VW nur noch auf zwei statt zuvor vier Linien. In Dresden ist die Fahrzeugproduktion in der Gläsernen Manufaktur beendet; dort soll künftig ein Innovationscampus entstehen.
Der frei werdende Platz im Stammwerk Wolfsburg könnte für das Projekt „Gamechanger“ genutzt werden. Dahinter steht ein neues Produktionskonzept, mit dem Volkswagen künftige Modelle schneller und effizienter bauen will. Als Bestandteil gilt unter anderem der Einsatz von Großgussverfahren, häufig auch Megacasting genannt. Dabei werden größere Karosseriestrukturen aus wenigen großen Gussteilen gefertigt, statt viele Einzelteile zusammenzufügen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die kommende Elektroplattform SSP. Nach bisherigen Aussagen von Schäfer sollen zunächst Premiummarken des Konzerns wie Audi und Porsche Fahrzeuge auf SSP-Basis bringen, bevor die Marke Volkswagen folgt. Der elektrische Golf wird deshalb nicht schon 2028 erwartet. Schäfer sagte auf der „Future of the Car“-Konferenz der Financial Times, Volkswagen brauche 2028 noch keinen elektrischen Golf; der Marktstart verschiebt sich damit auf das Ende des Jahrzehnts.
VW-Werk Osnabrück: Xpeng rückt als mögliche Schlüsselchance in den Fokus
Besonders unklar bleibt die Lage in Osnabrück. Dort läuft die bisherige Fahrzeugproduktion aus, eine dauerhafte Nachfolgenutzung ist noch nicht gesichert. VW-Chef Oliver Blume hatte zuletzt auch Gespräche mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie ins Spiel gebracht. Eine Entscheidung über die Zukunft des Standorts soll Medienberichten zufolge noch 2026 fallen.
Parallel rückt Xpeng als möglicher Interessent für europäische Produktionskapazitäten in den Fokus. Der chinesische Elektroautohersteller spricht laut Financial Times und Reuters mit Volkswagen und weiteren Herstellern über ein Werk in Europa. Xpeng lässt derzeit Modelle beim Auftragsfertiger Magna Steyr in Österreich bauen; diese Kapazitäten stoßen laut Bericht an Grenzen. Xpeng-Manager Elvis Cheng bestätigte Gespräche mit Volkswagen über einen möglichen europäischen Standort, nannte Osnabrück aber nicht ausdrücklich.
Für Volkswagen wäre eine externe Nutzung nicht ausgelasteter Werke ein möglicher Weg, Überkapazitäten abzubauen, ohne Standorte vollständig aufzugeben. Für Xpeng wäre europäische Fertigung ein möglicher Hebel für weiteres Wachstum; das Unternehmen prüft laut Berichten Optionen in Europa. Ob daraus tatsächlich eine Lösung für Osnabrück entsteht, ist jedoch offen – und wird zu einer der entscheidenden Fragen im nächsten Schritt des VW-Umbaus.
VW-Werke unter Druck: Warum freie Flächen zum neuen Problem werden
Der schnellere Abbau von Überkapazitäten zeigt, wie stark Volkswagen seine Produktion in Deutschland an eine schwächere Nachfrage anpasst. Für die Branche ist das ein deutliches Signal: Die großen Hersteller wollen zentrale Standorte möglichst erhalten, müssen ihre Werke aber zugleich schlanker aufstellen. Das betrifft nicht nur einzelne Modelle, sondern ganze Linien, Schichten und Flächen. Dadurch verändert sich die Rolle klassischer Autowerke: Sie sind nicht mehr automatisch voll ausgelastete Produktionszentren, sondern werden zunehmend zu Standorten, für die neue Nutzungskonzepte gefunden werden müssen.
Gerade deshalb rücken externe Partner und alternative Produktionsmodelle stärker in den Fokus. Eine Nutzung freier Kapazitäten könnte helfen, Standorte zu stabilisieren, ohne an überholten Strukturen festzuhalten. Zugleich bleibt offen, wie realistisch ein solcher Weg im konkreten Fall ist: VW-Chef Oliver Blume hat aktuelle Gespräche mit chinesischen Herstellern zuletzt ausdrücklich verneint. Damit bleibt Osnabrück vorerst ein Beispiel dafür, wie groß der Druck im deutschen Produktionsnetz ist – und wie schwierig es wird, industrielle Substanz zu sichern, wenn die Nachfrage dauerhaft unter den vorhandenen Kapazitäten liegt.