Mercedes-Benz Gewinneinbruch 2025 : Mercedes-Benz: 49% Gewinn weg – brisanter Comeback-Plan
China-Schwäche, Zölle, Elektro-Strategie: Mercedes kämpft um die Trendwende.
- © Mercedes-Benz AGIm Sindelfinger Kundenzentrum bemühte sich Konzernchef Ola Källenius um Zuversicht. Vor Analysten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Medien gab er sich gelöst, fast optimistisch. Doch hinter der freundlichen Fassade stand eine anspruchsvolle Aufgabe: den massiven Gewinneinbruch des vergangenen Geschäftsjahres zu erklären – und zugleich glaubhaft darzulegen, warum sich das Blatt bald wenden soll.
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Die Kernbotschaft des Vorstandsvorsitzenden ist klar: Mercedes will wieder wachsen. Mittelfristig soll die Pkw-Sparte erneut einen Absatz von rund zwei Millionen Fahrzeugen erreichen. Einen konkreten Zeitpunkt nannte der Konzern nicht. Finanzvorstand Harald Wilhelm stellte lediglich klar, dass dieses Ziel „nicht 2027 zu erwarten“ sei, jedoch vor dem Ende des Jahrzehnts.
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Mercedes: 200.000 Autos fehlen – ambitionierter Plan bis 2026
Im vergangenen Jahr setzte Mercedes etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw ab – ein Minus von neun Prozent im Vergleich zu 2024. Besonders deutlich fiel der Rückgang im wichtigen chinesischen Markt aus, wo die Verkäufe um 19 Prozent einbrachen. Um das angepeilte Ziel zu erreichen, müsste der Stuttgarter Autobauer rund 200.000 Fahrzeuge zusätzlich verkaufen – und läge damit dennoch unter früheren Rekordwerten.
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Den Weg dorthin soll eine umfassende Modelloffensive ebnen. Källenius sprach von einer historischen Produkt- und Technologieinitiative. "Wir sind bereit für das Jahr 2026", sagte Källenius laut Mitteilung. Mit einem klaren Plan und wettbewerbsfähigen Produkten wolle Mercedes die Transformation entschlossen vorantreiben.
Wachstum erhofft sich der Konzern insbesondere im margenstarken Top-End-Segment, zu dem etwa die S- und G-Klasse zählen. Hier soll der Absatz um mehr als 15 Prozent steigen. Gleichzeitig kündigte Källenius für das volumenstärkere Einstiegssegment einen Nachfolger für die auslaufende A-Klasse an.
Strategische Kehrtwende bei Elektroautos nach Fehleinschätzung
Auch selbstkritische Töne waren zu hören. Vertriebsvorstand Mathias Geisen räumte Fehleinschätzungen ein. Man habe überschätzt, wie schnell Kunden vollständig auf Elektrofahrzeuge umsteigen würden. Zudem sei das Design der EQ-Modelle nicht optimal auf die Erwartungen der Kundschaft abgestimmt gewesen. Die Konsequenz: Neue Modelle werden sowohl als Verbrenner als auch als Elektrovarianten angeboten. Zudem orientieren sich die E-Modelle optisch wieder stärker an ihren konventionellen Pendants.
Mercedes-Gewinn stürzt um 49 Prozent ab – dramatische Zahlen
Die wirtschaftlichen Kennzahlen unterstreichen den Ernst der Lage. Das Konzernergebnis sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr um rund 49 Prozent von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro. Der Umsatz verringerte sich um neun Prozent auf 132,2 Milliarden Euro. Besonders drastisch fiel der Rückgang beim operativen Ergebnis (EBIT) aus, das um 57 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro zurückging.
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Belastend wirkten sich unter anderem Zölle, negative Wechselkurseffekte und der intensive Wettbewerb in China aus. Allein durch Zölle entstand ein Mehraufwand von rund einer Milliarde Euro. Einsparungen von mehr als 3,5 Milliarden Euro in der Pkw-Sparte konnten diesen Gegenwind nur teilweise ausgleichen.
Für 2026 rechnet Mercedes mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis soll jedoch deutlich steigen – auch wenn die Profitabilität im Pkw-Geschäft leicht unter dem Wert von 2025 liegen dürfte.
Radikales Sparprogramm bei Mercedes zeigt erste Wirkung
Bereits vor einem Jahr hatte der Konzern ein umfassendes Sparprogramm gestartet. Ziel ist es, die Kostenbasis nachhaltig zu senken. Laut Finanzchef Wilhelm zeigen sich erste Erfolge: Von der geplanten Senkung der Produktionskosten um zehn Prozent bis 2027 – gemessen an 2024 – seien bereits vier Prozent erreicht.
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Zugleich verschiebt Mercedes seine Produktionsschwerpunkte. Das Werk im ungarischen Kecskemét soll von derzeit 200.000 auf 400.000 Einheiten ausgebaut werden und damit zum größten Mercedes-Standort in Europa werden. In den deutschen Werken Sindelfingen, Rastatt und Bremen sind jeweils Produktionskapazitäten von 300.000 Fahrzeugen vorgesehen.
Trotz des Gewinneinbruchs sollen sowohl Beschäftigte als auch Aktionäre am Ergebnis beteiligt werden. Rund 85.000 anspruchsberechtigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland erhalten voraussichtlich bis zu 3.139 Euro. Damit fällt die Prämie erneut geringer aus: 2025 waren es noch bis zu 5.220 Euro, in den beiden Vorjahren sogar bis zu 7.300 Euro. Die Dividende für Aktionärinnen und Aktionäre soll 3,50 Euro je Aktie betragen.
Mercedes-Werk in Mexiko vor Verkauf – chinesische Bieter im Rennen
Während in Europa gespart und umgebaut wird, steht ein internationales Gemeinschaftsprojekt vor dem Aus. Das Werk im mexikanischen Aguascalientes, das gemeinsam mit Nissan Motor betrieben wird, könnte an einen chinesischen Hersteller verkauft werden.
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Zu den Finalisten zählen Insidern zufolge BYD und Geely. Auch der vietnamesische Hersteller VinFast gilt als Interessent. Insgesamt sollen neun Unternehmen Interesse angemeldet haben, darunter auch Chery und Great Wall Motor. Offizielle Stellungnahmen dazu gibt es bislang nicht.
Das 2017 eröffnete Gemeinschaftswerk hatte ursprünglich eine Kapazität von bis zu 230.000 Fahrzeugen und sollte 3.600 Mitarbeiter beschäftigen. Diese Ziele wurden jedoch nie erreicht. Ende 2025 beschlossen Nissan und Mercedes, die Produktion einzustellen. Das Mercedes-Modell GLB wird künftig in Ungarn gefertigt.
Trump-Zölle treffen Mexiko-Strategie von Mercedes-Benz hart
Eine wesentliche Rolle spielen nach Einschätzung von Branchenexperten die Zölle von US-Präsident Donald Trump. Für Exporte aus Mexiko in die USA fallen derzeit Zusatzzölle von 25 Prozent an, für Ausfuhren aus Europa 15 Prozent. "Im Moment ist es billiger, Autos aus Europa und Asien in die USA zu verschiffen als aus Mexiko", sagte Rogelio Garza, Präsident des Branchenverbandes AMIA.
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Vor Einführung der Zölle gingen nahezu drei Viertel der in Mexiko produzierten Fahrzeuge in die USA. 2025 sanken die Ausfuhren nach drei Jahrzehnten kontinuierlichen Wachstums erstmals um knapp drei Prozent. Sollten die Zölle bestehen bleiben, dürfte sich der Rückgang weiter verschärfen.
Chinesische Hersteller verfolgen derweil eine andere Strategie: Von Mexiko aus wollen sie verstärkt den lateinamerikanischen Markt bedienen. Die Stadtverwaltung von Aguascalientes erklärte, die interessierten Unternehmen produzierten Hybrid- und Elektrofahrzeuge für Mexiko und Lateinamerika. Aus Regierungskreisen heißt es jedoch, man beobachte chinesische Investitionen mit Sorge – insbesondere vor dem Hintergrund anstehender Handelsgespräche mit den USA.
So steht Mercedes am Beginn eines tiefgreifenden Umbaus: Zwischen ambitionierten Wachstumszielen, strikter Kostendisziplin und geopolitischen Risiken entscheidet sich, ob der Stuttgarter Traditionskonzern den Weg zurück zu alter Stärke findet.