Energieversorgung Österreich : Erdöl in Österreich: Wirtschaftliche Bedeutung, Förderung und Perspektiven

Ein Mitarbeiter dreht am Hahn in einer Erdöl-Raffinerie. Viele Betriebe bereiten sich auf die Umrüstung auf Heizöl vor, sollte der Gaslieferstopp kommen.
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Erdöl ist seit der industriellen Revolution eine der wichtigsten Ressourcen der modernen Weltwirtschaft. Es treibt Fahrzeuge an, ist Grundlage für die chemische Industrie und spielt eine entscheidende Rolle bei der Energieversorgung. Auch in Österreich hat Erdöl eine besondere Bedeutung, wenn auch das Land nicht als großer Erdölproduzent bekannt ist. Mit seiner überschaubaren, aber strategisch wichtigen Produktion trägt es zur heimischen Energiesicherheit bei und beschäftigt tausende Menschen in der Öl- und Gasindustrie.

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Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Erdöl in Österreich in all ihren Facetten. Von der historischen Entwicklung über die Fördertechnologien, die wirtschaftliche Bedeutung, Umweltauswirkungen bis hin zur Zukunft der Branche in Zeiten der Energiewende – wir beantworten alle wichtigen Fragen rund um das Thema. Dabei wird auch die geopolitische und gesellschaftliche Bedeutung von Erdöl berücksichtigt, um ein umfassendes Bild zu zeichnen.

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1. Die Geschichte der Erdölindustrie in Österreich

1.1 Frühe Anfänge der Erdölentdeckung

Die Geschichte der Erdölförderung in Österreich begann früher, als viele annehmen. Bereits im 19. Jahrhundert wurde im Wiener Becken Erdöl entdeckt. Die erste dokumentierte Förderung fand 1860 statt, in einer Zeit, in der Erdöl weltweit erst langsam an Bedeutung gewann. Mit der zunehmenden Industrialisierung und der Entwicklung von Anwendungen wie Petroleum für Beleuchtungszwecke wuchs jedoch auch in Österreich das Interesse an dieser Ressource.

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In den 1930er-Jahren folgte ein Meilenstein für die österreichische Erdölindustrie: In Zistersdorf, Niederösterreich, wurde eines der größten heimischen Erdölvorkommen entdeckt. Dieser Fund machte das Wiener Becken zu einer Schlüsselregion für die österreichische Ölproduktion. Während der Zweite Weltkrieg der Branche einen kurzfristigen Aufschwung brachte, wurde nach dem Krieg die nationale Kontrolle über die Erdölressourcen intensiviert.

1.2 Die Nachkriegszeit und die Gründung der OMV

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bedeutung der Eigenversorgung mit Rohstoffen besonders deutlich. Österreich übernahm die Kontrolle über die Erdölförderung und gründete 1956 die OMV AG, die heute zu den führenden Energieunternehmen Europas zählt. Die OMV wurde zum Herzstück der österreichischen Erdöl- und Gasindustrie und ist bis heute der zentrale Akteur in der heimischen Förderung und Verarbeitung.

In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Erdölindustrie in Österreich mehrere Phasen des Wachstums und der Konsolidierung. Die globale Ölkrise der 1970er-Jahre machte die Abhängigkeit von Erdölimporten deutlich und führte zu verstärkten Investitionen in die heimische Produktion.

1.3 Die Ölkrise der 1970er-Jahre und ihre Auswirkungen auf die Erdölindustrie in Österreich

Die globale Ölkrise der 1970er-Jahre war ein Wendepunkt für die Erdölindustrie, nicht nur weltweit, sondern auch in Österreich. Ausgelöst durch das Ölembargo der OPEC-Staaten (Organisation erdölexportierender Länder) im Jahr 1973 kam es zu einer massiven Verknappung von Erdöl, die weltweit Wirtschaftskrisen und Energieknappheit zur Folge hatte. Auch Österreich, das damals bereits einen Großteil seines Erdöls importierte, war von den steigenden Preisen und Versorgungsunsicherheiten betroffen.

Diese Krise verdeutlichte die Abhängigkeit von Erdölimporten und führte in Österreich zu einer Neubewertung der Energiepolitik. Einer der zentralen Ansätze war die verstärkte Förderung der heimischen Erdölvorkommen, um die Importabhängigkeit zu verringern. Unternehmen wie die OMV investierten erheblich in die Erschließung neuer Lagerstätten, vor allem im Wiener Becken und im steirischen Raum. Gleichzeitig wurden auch staatliche Anreize geschaffen, um die Energieeffizienz zu steigern und alternative Energiequellen zu fördern.

In den 1980er- und 1990er-Jahren war die österreichische Erdölindustrie von Stabilisierung und Modernisierung geprägt. Die OMV wuchs zu einem der führenden Energieunternehmen Europas heran und investierte in moderne Fördermethoden sowie in die Raffinerie in Schwechat, die zu einem Schlüsselstandort für die Verarbeitung von Rohöl wurde. Gleichzeitig begann Österreich, zunehmend auf erneuerbare Energien wie Wasserkraft zu setzen, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen langfristig zu reduzieren.

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts stand die Erdölindustrie vor neuen Herausforderungen. Der Klimawandel rückte stärker in den Fokus, und die Forderungen nach einer Reduktion fossiler Brennstoffe wurden lauter. Dies führte zu einer verstärkten Diversifikation der OMV und anderen Akteuren der Branche, die zunehmend in erneuerbare Energien und nachhaltige Technologien investierten. Insbesondere Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe rückten als mögliche Alternativen ins Zentrum der strategischen Ausrichtung.

Heute steht die österreichische Erdölindustrie in einem Spannungsfeld zwischen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und den Anforderungen der Energiewende. Die Lehren aus der Ölkrise der 1970er-Jahre haben jedoch gezeigt, dass Krisen auch Innovation und Wandel anstoßen können. Dieser Wandel ist heute wichtiger denn je, da Österreich bis 2040 klimaneutral werden möchte und dabei auf eine Kombination aus heimischen Ressourcen, erneuerbaren Energien und technologischen Fortschritten setzt.

Unterzeichnung des ersten Erdgas-Importvertrags der ÖMV mit der UdSSR am 1.6.1968 am Otto Wagner Platz

- © Bildarchiv OMV

2. Erdölförderung in Österreich: Regionen und Methoden

2.1 Die wichtigsten Förderregionen

Österreich ist kein Land mit riesigen Erdölvorkommen, dennoch gibt es einige bedeutende Förderregionen, die zur nationalen Versorgung beitragen und strategisch wichtig sind. Diese Fördergebiete konzentrieren sich auf drei Hauptregionen: das Wiener Becken, das steirische Becken und das Molassebecken. Jede Region hat ihre eigenen Besonderheiten, die zur heimischen Erdölindustrie beitragen.

Das Wiener Becken

Das Wiener Becken ist mit Abstand die wichtigste Förderregion in Österreich. Es erstreckt sich über weite Teile Niederösterreichs und reicht bis in das nördliche Burgenland hinein. Hier befinden sich die meisten aktiven Erdölfelder des Landes, darunter Zistersdorf, Matzen und Gaiselberg. Diese Region hat nicht nur historische Bedeutung – die ersten großen Erdölvorkommen wurden hier entdeckt –, sondern liefert auch den Großteil der jährlichen heimischen Erdölproduktion. Moderne Fördertechnologien und eine gut ausgebaute Infrastruktur machen das Wiener Becken zu einem Eckpfeiler der österreichischen Erdölindustrie.

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Das steirische Becken

Im steirischen Becken, das sich im Südosten Österreichs befindet, gibt es ebenfalls Erdölvorkommen, wenngleich in kleinerem Umfang. Diese Region spielt vor allem eine ergänzende Rolle, trägt jedoch zur Diversifizierung der heimischen Förderung bei. Kleinere Erdölfelder in der Steiermark werden weiterhin aktiv genutzt und bieten Potenzial für innovative Technologien, um die Ausbeute zu maximieren.

Das Molassebecken

Das Molassebecken im Westen Österreichs, das bis an die bayerische Grenze reicht, ist die kleinste und am wenigsten bedeutende Förderregion. Hier gibt es nur wenige Förderstätten, die vor allem für den regionalen Bedarf eine Rolle spielen. Die geringe Größe und begrenzte Menge der Vorkommen machen das Molassebecken zu einer eher strategischen Reserve, die in der nationalen Energieversorgung eine untergeordnete Rolle einnimmt.

Bedeutung der geografischen Lage

Die geografische Nähe der Erdölvorkommen zu großen europäischen Märkten und die ausgezeichnete Infrastruktur machen Österreich zu einem interessanten Fall in der europäischen Energieversorgung. Kurze Transportwege und modernisierte Raffinerien wie jene in Schwechat sorgen dafür, dass die heimischen Vorkommen effizient genutzt werden können. Zudem bieten die zentralen Förderregionen Österreichs eine gewisse Energiesicherheit, insbesondere in Zeiten von Lieferengpässen oder geopolitischen Spannungen. Dies unterstreicht die strategische Bedeutung der Förderregionen im nationalen und internationalen Kontext.

2.2 Fördermethoden und Technologien

Die Erdölförderung ist ein hochkomplexer Prozess, der sich stetig weiterentwickelt, um sowohl die Effizienz zu steigern als auch die Umweltauswirkungen zu minimieren. Österreich, das keine großen Erdölreserven wie andere Länder besitzt, setzt auf modernste Fördermethoden, um das Maximum aus seinen vorhandenen Ressourcen zu gewinnen. Die Technologien reichen von klassischen Methoden bis hin zu innovativen Ansätzen, die es ermöglichen, schwer zugängliche oder bereits weitgehend erschöpfte Lagerstätten weiterhin zu nutzen.

Primärförderung

Die Primärförderung ist die einfachste Methode, Erdöl aus Lagerstätten zu gewinnen. Hierbei wird das Erdöl durch den natürlichen Druck innerhalb der Lagerstätte an die Oberfläche gedrückt. In Österreich wird diese Methode vor allem bei neuen Lagerstätten angewandt, in denen der Druck noch hoch genug ist, um eine effiziente Förderung zu ermöglichen. Diese Methode ist kostengünstig, hat jedoch den Nachteil, dass nur ein relativ kleiner Anteil des Öls (rund 10–15 %) aus der Lagerstätte gewonnen werden kann.

Sekundärförderung

Sobald der natürliche Druck in der Lagerstätte abnimmt, kommt die Sekundärförderung zum Einsatz. Diese Methode nutzt das Injizieren von Wasser oder Gas, um den Druck in der Lagerstätte künstlich zu erhöhen und so die Ölförderung zu verlängern. In Österreich ist die Sekundärförderung eine gängige Praxis, insbesondere im Wiener Becken, wo viele Felder bereits seit Jahrzehnten in Betrieb sind. Diese Methode ermöglicht es, einen deutlich größeren Anteil des Öls (bis zu 50 %) aus der Lagerstätte zu fördern.

Tertiäre Fördermethoden (Enhanced Oil Recovery)

Die tertiären Methoden, auch als Enhanced Oil Recovery (EOR) bezeichnet, sind die modernsten und aufwändigsten Technologien in der Erdölförderung. Hierbei werden fortschrittliche Techniken wie die Injektion von Chemikalien, CO₂ oder Dampf eingesetzt, um selbst schwer zugängliches oder zähflüssiges Öl aus den Lagerstätten zu gewinnen. In Österreich wird diese Methode zunehmend erforscht und teilweise bereits eingesetzt, um die Effizienz der bestehenden Förderfelder weiter zu erhöhen. Obwohl die Kosten dieser Verfahren höher sind, bieten sie das Potenzial, die Ausbeute der Lagerstätten erheblich zu steigern – eine wichtige Voraussetzung für ein Land mit begrenzten Ressourcen wie Österreich.

Fortschritte in der Fördertechnik

Neben diesen etablierten Methoden investiert die österreichische Erdölindustrie verstärkt in technologische Innovationen, um die Umweltauswirkungen der Förderung zu reduzieren. Automatisierung, Digitalisierung und die Nutzung von Sensorik sind nur einige der Ansätze, die es ermöglichen, Förderprozesse effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Besonders die Optimierung des Wasserverbrauchs und die Verringerung von Methanemissionen stehen im Fokus.

Tiefpumpenförderung der OMV in Österreich 

- © OMV

3. Aktuelle Bedeutung von Erdöl in Österreich

3.1 Wirtschaftliche Bedeutung

Die Erdölindustrie ist ein zentraler Bestandteil der österreichischen Wirtschaft und trägt maßgeblich zur Energieversorgung und Wertschöpfung des Landes bei. Jährlich werden in Österreich rund 900.000 Tonnen Erdölgefördert. Obwohl dies lediglich 10 % des nationalen Verbrauchs abdeckt, schafft die heimische Produktion eine wichtige Basis für die Versorgungssicherheit, insbesondere in Krisenzeiten.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche geht jedoch weit über die Förderung hinaus. Österreich verfügt über eine der modernsten Raffinerien Europas – die Raffinerie Schwechat, die pro Jahr etwa 9,6 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet. Diese Raffinerie produziert eine Vielzahl von Produkten, die essenziell für die österreichische Wirtschaft und das tägliche Leben sind, darunter:

  • Kraftstoffe: Rund 80 % der Produkte der Raffinerie bestehen aus Benzin, Diesel und Kerosin. Diese decken den Bedarf von Privatpersonen, der Transportwirtschaft und des Luftverkehrs.
  • Heizöl: Ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgung, insbesondere in ländlichen Regionen, wo es noch verbreitet für Heizzwecke genutzt wird.
  • Chemische Rohstoffe: Die Raffinerie liefert auch Grundstoffe wie Naphtha und andere Kohlenwasserstoffe, die für die Herstellung von Kunststoffen, pharmazeutischen Produkten und anderen Chemieerzeugnissen genutzt werden.

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Die Branche schafft direkt und indirekt tausende Arbeitsplätze. Allein die OMV beschäftigt in Österreich etwa 4.000 Mitarbeiter, von denen viele in der Produktion, Raffination und im Vertrieb tätig sind. Darüber hinaus profitieren Zulieferer, Dienstleister und der Handel von der Erdölindustrie.

Ein weiterer Aspekt ist der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Laut Schätzungen trägt die Branche durch Förderungen, Verarbeitung und den Export raffinierter Produkte jährlich mehrere Milliarden Euro zur österreichischen Wirtschaft bei. Die Exporte von Erdölprodukten – insbesondere in benachbarte Länder – verbessern zudem die Handelsbilanz und stärken Österreichs Position als Energie- und Industriehub.

Die Raffinerie Schwechat ist zudem ein wichtiger Innovationsstandort. Hier wird kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investiert, um Prozesse effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Ein Beispiel dafür ist die Reduktion der CO₂-Emissionen, die in den letzten Jahren um mehrere Prozentpunkte gesenkt werden konnten, sowie die Nutzung von Abwärme zur Energieversorgung.

Zusammengefasst ist die Erdölindustrie in Österreich ein starker Wirtschaftsmotor, der nicht nur für Energie, sondern auch für Stabilität und Innovation sorgt. Die wirtschaftlichen Impulse der Branche, gepaart mit strategischen Investitionen in Forschung und Diversifikation, sichern ihren langfristigen Stellenwert in der österreichischen Wirtschaft.

3.2 Die Rolle der OMV

Die OMV AG ist das Herzstück der österreichischen Erdölindustrie. Der Konzern betreibt nicht nur Förderanlagen, sondern auch eine der größten Raffinerien Europas in Schwechat. Zudem investiert die OMV zunehmend in erneuerbare Energien und Wasserstofftechnologie, um sich auf eine kohlenstoffarme Zukunft vorzubereiten.

3.3 Erdölverbrauch und Importabhängigkeit

Der Erdölverbrauch in Österreich spielt eine zentrale Rolle in der nationalen Energieversorgung. Der jährliche Verbrauch liegt bei etwa 11 Millionen Tonnen, wovon der Großteil in der Mobilität, der Industrie und für Heizzwecke verwendet wird. Rund 80 % des gesamten Endverbrauchs entfallen dabei auf den Verkehrssektor, da Benzin, Diesel und Kerosin nach wie vor die wichtigsten Treibstoffe im Land sind. Auch der industrielle Sektor benötigt erhebliche Mengen an Erdöl, insbesondere für die Herstellung chemischer Produkte wie Kunststoffe, Farben und pharmazeutische Erzeugnisse.

Österreich ist stark von Importen abhängig, da nur etwa 10 % des heimischen Erdölbedarfs durch die nationale Förderung gedeckt werden können. Dies bedeutet, dass rund 9 bis 10 Millionen Tonnen Rohöl jährlich importiert werden müssen. Die Hauptlieferanten sind Russland, Kasachstan, der Mittlere Osten und andere EU-Staaten wie Deutschland oder Italien. Die geografische Nähe zu den großen Rohölquellen und den internationalen Pipelines wie der Druschba-Pipeline erleichtert die Versorgung, bringt jedoch auch Risiken mit sich.

Die Importabhängigkeit macht Österreich anfällig für geopolitische Spannungen, Preisvolatilität und globale Lieferkettenprobleme. Dies wurde besonders während der Energiekrise im Zuge des Ukraine-Krieges deutlich, als die Abhängigkeit von russischem Erdöl und Gas die Versorgungssicherheit infrage stellte. In dieser Zeit hat Österreich verstärkt daran gearbeitet, die Energiequellen zu diversifizieren und alternative Versorgungswege auszubauen.

Ein weiteres Problem der Importabhängigkeit sind die Auswirkungen auf die Handelsbilanz. Erdölimporte belasten das Außenhandelsdefizit, während die heimische Produktion nur einen kleinen Beitrag zur Verringerung dieser Abhängigkeit leisten kann. Vor diesem Hintergrund spielen die Raffinerie Schwechat und die OMV eine Schlüsselrolle, da sie durch die Verarbeitung von Rohöl zu höherwertigen Produkten wie Kraftstoffen, Heizöl und chemischen Rohstoffen den wirtschaftlichen Wert steigern und auch Exporterlöse generieren.

Zusammengefasst unterstreichen diese Zahlen die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von Erdölimporten zu verringern. Neben Investitionen in erneuerbare Energien wird auch an Technologien gearbeitet, die die heimische Effizienz steigern und die Importmenge langfristig reduzieren können.

Die fossilen Energieträger waren und sind Grundlage für Wohlstand und Wachstum.
Markus Mitteregger, Generaldirektor der RAG (Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft) in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum der RAG

4. Herausforderungen und Kritik an der Erdölindustrie

4.1 Umweltschäden durch Erdöl

Die Förderung, Verarbeitung und Nutzung von Erdöl ist mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Diese reichen von der Verschmutzung lokaler Ökosysteme bis hin zu globalen Auswirkungen auf das Klima. Die Erdölindustrie in Österreich arbeitet zwar an der Reduktion von Umweltschäden, doch die grundlegenden Risiken bleiben bestehen.

Treibhausgasemissionen

Die Verbrennung von Erdölprodukten wie Benzin, Diesel und Heizöl ist eine der Hauptursachen für den Klimawandel. Ein Liter Benzin setzt bei der Verbrennung etwa 2,3 Kilogramm CO₂ frei, während Diesel auf rund 2,6 Kilogramm CO₂ pro Liter kommt. In Österreich entfallen fast 80 % der CO₂-Emissionen des Verkehrssektors auf Erdölprodukte.

Auch die Raffinerie in Schwechat, die jährlich etwa 9,6 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet, trägt zur CO₂-Bilanz bei. Zwar wurden hier Maßnahmen zur Emissionsreduktion umgesetzt, wie die Nutzung von Abwärme und verbesserte Energieeffizienz, doch die Vermeidung aller Emissionen ist nicht möglich. Förderanlagen können zudem Methan freisetzen, ein Treibhausgas, das 25-mal klimaschädlicher als CO₂ ist.

Gefährdung von Lebensräumen

Ölunfälle stellen eines der größten Umweltrisiken dar. Zwar hat Österreich keine spektakulären Katastrophen wie die Deepwater-Horizon-Explosion 2010 erlebt, doch auch kleinere Lecks in Fördergebieten, wie im Wiener Becken, können erhebliche Schäden anrichten. Gefährdet sind insbesondere Flora und Fauna in empfindlichen Ökosystemen. Ölverschmutzung kann Böden langfristig unfruchtbar machen und Gewässer kontaminieren, was sich auch negativ auf landwirtschaftliche Flächen auswirkt.

Boden- und Grundwasserverschmutzung

Ein oft unterschätztes Problem sind Altlasten durch veraltete oder unsachgemäß stillgelegte Förderanlagen. Rückstände aus früheren Jahrzehnten können bis heute das Grundwasser belasten. Untersuchungen zeigen, dass in Fördergebieten in Niederösterreich vereinzelt erhöhte Kohlenwasserstoffkonzentrationen im Boden festgestellt wurden. Dies stellt nicht nur ein Umweltproblem dar, sondern gefährdet auch die Trinkwasserversorgung.

4.2 Gesellschaftliche Kritik und Klimadebatte

Die gesellschaftliche Wahrnehmung der Erdölindustrie hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Immer mehr Menschen, insbesondere die jüngeren Generationen, betrachten fossile Brennstoffe als Haupthindernis für eine nachhaltige Zukunft. Diese Kritik wird von Bewegungen wie Fridays for Future und Organisationen wie Greenpeace verstärkt, die eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträgern fordern. Die Debatte um die Rolle von Erdöl steht im Mittelpunkt der globalen Klimakrise, da die Verbrennung fossiler Brennstoffe rund 75 % der weltweiten CO₂-Emissionen ausmacht.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die hohe Abhängigkeit von Importen aus politisch instabilen Regionen. Österreich importiert jährlich etwa 9 bis 10 Millionen Tonnen Rohöl, unter anderem aus Russland, Kasachstan und dem Nahen Osten. Diese Abhängigkeit wird von der Bevölkerung zunehmend als Schwäche wahrgenommen, da geopolitische Spannungen die Versorgung gefährden können, wie es etwa im Zuge des Ukraine-Krieges sichtbar wurde.

Auch die Verteilung der Kosten und Gewinne der Erdölindustrie steht unter scharfer Beobachtung. Während die Gewinne bei wenigen großen Unternehmen wie der OMV konzentriert sind, trägt die Allgemeinheit die langfristigen Kosten von Umwelt- und Klimaschäden. Laut Schätzungen belaufen sich die Kosten der Klimaschäden in Europa bereits auf rund 145 Milliarden Euro pro Jahr, verursacht durch Extremwetterereignisse, die durch den Klimawandel verstärkt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Transparenz und der begrenzte Fortschritt bei der Reduktion der CO₂-Bilanz der Branche. Obwohl Unternehmen wie die OMV in Technologien wie Carbon Capture and Storage (CCS) und Wasserstoff investieren, fordern viele Aktivisten stärkere und schnellere Maßnahmen. Die Energiewende wird als eine Notwendigkeit angesehen, die sowohl die Umweltbelastung als auch die soziale Ungerechtigkeit adressieren könnte.

Zusätzlich steht die Frage der Verantwortung im Raum. Aktivistengruppen argumentieren, dass die fossile Industrie nicht nur für ihre Emissionen, sondern auch für die Verzögerung der Energiewende verantwortlich ist. Kampagnen wie die Divestment-Bewegung, die Investitionen in fossile Brennstoffe stoppen will, haben auch in Österreich an Popularität gewonnen.

Zusammenfassend wird die Erdölindustrie zunehmend als Hindernis für eine klimafreundliche Zukunft betrachtet. Gesellschaftliche und politische Forderungen nach einer Dekarbonisierung der Wirtschaft setzen die Branche unter Druck, sich schneller zu verändern und eine nachhaltige Ausrichtung zu entwickeln.

Klimawandel ist Realität: wer das nicht anerkennt, der kann seine Heimat nicht lieben. Klimaschutz ist eine Menschheitsaufgabe.
Johannes Schmuckenschlager, Abgeordneter der ÖVP, am 26. März 2021

Fridays for Future-Demonstration in St. Pölten 

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5. Zukunft der Erdölindustrie in Österreich

5.1 Der Weg zur Klimaneutralität

Österreich hat sich mit seiner Klimastrategie ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2040 soll das Land klimaneutral werden – ein Vorhaben, das eine drastische Verringerung der fossilen Energiequellen erfordert. Erdöl, das nach wie vor eine zentrale Rolle in der Energieversorgung und der Wirtschaft spielt, steht dabei besonders im Fokus. Das bedeutet, dass die Produktion, der Verbrauch und die Abhängigkeit von Erdöl in den nächsten Jahrzehnten stark reduziert werden müssen.

Die Herausforderung besteht darin, den Übergang von einer auf fossilen Energien basierenden Wirtschaft hin zu einer nachhaltigen, emissionsarmen Energieversorgung zu gestalten. Dieser Wandel betrifft nicht nur die Erdölindustrie selbst, sondern auch die mit ihr verknüpften Sektoren wie Transport, Industrie und Chemie. Österreichs Wirtschaft steht somit vor einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der sowohl Risiken als auch Chancen birgt.

5.2 Strategien der Industrie

Die österreichische Erdölindustrie hat die Zeichen der Zeit erkannt und arbeitet an innovativen Lösungen, um den Herausforderungen der Energiewende gerecht zu werden. Unternehmen wie die OMV spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie investieren verstärkt in nachhaltige Technologien, um den Wandel aktiv mitzugestalten. Zu den wichtigsten Strategien zählen:

  • Investitionen in erneuerbare Energien: Die OMV und andere Akteure setzen zunehmend auf den Ausbau von Wind- und Solarkraft. Gleichzeitig wird in die Forschung und Entwicklung von Wasserstofftechnologien investiert, die als Schlüsseltechnologie für eine klimafreundliche Energiezukunft gilt. Wasserstoff könnte in den kommenden Jahren fossile Energieträger in vielen Anwendungsbereichen ersetzen, insbesondere im Schwerverkehr und in der Industrie.
  • Kohlenstoffreduktion: Um die Emissionen zu verringern, werden in Raffinerien energieeffiziente Prozesse implementiert. Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) werden erforscht, um die verbleibenden Emissionen auf ein Minimum zu reduzieren.
  • Diversifikation der Geschäftsmodelle: Die Erdölunternehmen konzentrieren sich zunehmend auf Bereiche jenseits der fossilen Brennstoffe. Dazu gehört die Petrochemie, die Herstellung von nachhaltigen Kunststoffen und die Produktion von Biokraftstoffen der nächsten Generation.

Durch diese Maßnahmen versucht die Branche, ihre Wettbewerbsfähigkeit auch in einer kohlenstoffarmen Zukunft zu sichern und gleichzeitig die heimische Energieversorgung zu stabilisieren.

5.3 Perspektiven für erneuerbare Energien

Die österreichische Regierung treibt den Ausbau erneuerbarer Energien energisch voran, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Besonders die Wasserkraft, die bereits einen großen Teil des Strombedarfs deckt, spielt in der österreichischen Energielandschaft eine zentrale Rolle. Zusätzlich gewinnen Windkraft und Photovoltaik zunehmend an Bedeutung.

Parallel dazu wird die Elektrifizierung des Verkehrs vorangetrieben. Elektrofahrzeuge und der Ausbau der Ladeinfrastruktur sollen dazu beitragen, den Verbrauch von Benzin und Diesel zu reduzieren. Wasserstoff ist ebenfalls ein vielversprechender Ansatz für emissionsfreie Mobilität, insbesondere in Sektoren, in denen die Elektrifizierung schwierig ist, wie im Schwerlastverkehr und bei industriellen Prozessen.

Auch Biomasse und synthetische Kraftstoffe könnten eine Rolle spielen, insbesondere in der Übergangsphase. Sie ermöglichen es, bestehende Infrastrukturen wie Raffinerien und Tanksysteme weiter zu nutzen, während der Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung voranschreitet.

Windräder in Niederösterreich 

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FAQ's: Wie hoch sind die Erdölreserven in Österreich?

Die Erdölreserven in Österreich sind im internationalen Vergleich begrenzt, spielen jedoch eine wichtige Rolle für die nationale Energieversorgung. Laut Schätzungen reichen die nachgewiesenen Reserven im Wiener und steirischen Becken bei gleichbleibender Förderrate für etwa 20 Jahre. Dies bedeutet, dass Österreich mittelfristig weiterhin auf eigene Erdölressourcen zurückgreifen kann. Die jährliche Produktion beträgt etwa 900.000 Tonnen, was ungefähr 10 % des gesamten Erdölverbrauchs des Landes ausmacht.

Das Wiener Becken, das sich über Niederösterreich und Teile des Burgenlandes erstreckt, ist die wichtigste Förderregion. Daneben gibt es kleinere Vorkommen im steirischen Becken und im westlichen Molassebecken. Diese geografische Konzentration sorgt für relativ kurze Transportwege und reduziert die Umweltauswirkungen im Vergleich zu importiertem Öl.

Ein wichtiger Aspekt der heimischen Reserven ist ihre strategische Bedeutung. Trotz des geringen Anteils am Gesamtverbrauch tragen sie zur Versorgungssicherheit bei, insbesondere in Krisenzeiten. Lokale Förderung reduziert die Abhängigkeit von Erdölimporten aus politisch instabilen Regionen wie dem Nahen Osten oder Russland.

Allerdings stehen diese Reserven auch unter ökologischer und gesellschaftlicher Kritik. Mit den steigenden Anforderungen der Energiewende ist fraglich, ob die volle Ausnutzung der Erdölvorkommen mit den österreichischen Klimazielen vereinbar ist. Viele Experten sehen in der Nutzung der verbleibenden Reserven eine Übergangslösung, bis erneuerbare Energien in ausreichendem Maße verfügbar sind.

FAQ's: Wie trägt die Erdölindustrie zur österreichischen Wirtschaft bei?

Die Erdölindustrie leistet einen bedeutenden Beitrag zur österreichischen Wirtschaft und ist eng mit verschiedenen Sektoren verbunden. Die Branche schafft direkte und indirekte Arbeitsplätze, fördert Innovationen und trägt zur Sicherung der Energieversorgung bei. Insgesamt arbeiten tausende Menschen in der Förderung, Verarbeitung und Distribution von Erdöl und seinen Derivaten.

Ein zentraler Akteur ist die OMV AG, die nicht nur im Bereich der Erdölförderung, sondern auch in der Raffination und Petrochemie tätig ist. Die Raffinerie in Schwechat zählt zu den modernsten in Europa und verarbeitet jährlich Millionen Tonnen Rohöl zu Treibstoffen, Heizöl und chemischen Grundstoffen. Diese Produkte sind essenziell für die Industrie und den täglichen Bedarf, von Mobilität bis hin zur Heizung.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche zeigt sich auch in ihrem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und zu Steuereinnahmen. Insbesondere Exporterlöse aus raffinierten Produkten stärken die Handelsbilanz. Darüber hinaus ist die Industrie ein wichtiger Innovationstreiber: In Österreich werden Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert, insbesondere in den Bereichen Effizienzsteigerung und Emissionsreduktion.

Die Erdölindustrie spielt auch eine Rolle in der Versorgungssicherheit. Durch die heimische Förderung und Verarbeitung können geopolitische Risiken reduziert und die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten minimiert werden. Allerdings stehen diese wirtschaftlichen Vorteile zunehmend im Spannungsfeld der Energiewende und der Notwendigkeit, den fossilen Energieverbrauch zu reduzieren.

FAQ's: Welche Alternativen gibt es zu fossilen Brennstoffen?

Die Alternativen zu fossilen Brennstoffen wie Erdöl gewinnen angesichts der Klimakrise und der Energiewende zunehmend an Bedeutung. Zu den wichtigsten Optionen gehören erneuerbare Energien wie Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie innovative Technologien wie Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe.

Erneuerbare Energien stellen die Grundlage einer nachhaltigen Energieversorgung dar. Wasserkraft hat in Österreich bereits eine zentrale Rolle und deckt einen Großteil des Strombedarfs ab. Wind- und Solarenergie wachsen ebenfalls schnell, wobei Investitionen in neue Anlagen und Technologien den Ausbau beschleunigen. Diese Energieträger sind emissionsfrei und nahezu unerschöpflich, was sie zu idealen Alternativen macht.

Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für eine kohlenstoffarme Zukunft. Grüner Wasserstoff, der aus erneuerbarem Strom durch Elektrolyse gewonnen wird, kann fossile Energieträger in der Industrie, im Verkehr und in der Energieversorgung ersetzen. Österreich investiert massiv in die Wasserstoffforschung und plant den Ausbau entsprechender Infrastruktur.

Synthetische Kraftstoffe und Biokraftstoffe könnten eine Übergangslösung darstellen, insbesondere für Bereiche wie den Luft- und Schwerlastverkehr, in denen die Elektrifizierung derzeit schwierig ist. Diese Kraftstoffe können mit bestehenden Infrastrukturen genutzt werden und sind potenziell klimaneutral, wenn sie aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden.

Der Ausbau der Elektromobilität spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle. Elektroautos und die dafür notwendige Ladeinfrastruktur sollen die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen wie Benzin und Diesel verringern. Österreich fördert diese Entwicklung durch Subventionen und den Ausbau von Ladestationen.

Obwohl diese Alternativen vielversprechend sind, bleiben Herausforderungen wie hohe Investitionskosten, der Aufbau neuer Infrastrukturen und die Speicherung von Energie bestehen. Dennoch ist klar, dass die Zukunft der Energieversorgung in erneuerbaren Energien und innovativen Technologien liegt.

FAQ's: Welche Bedeutung hat Erdöl für die österreichische Industrie?

Erdöl ist seit Jahrzehnten eine unverzichtbare Ressource für die österreichische Industrie und Wirtschaft. Seine Rolle reicht weit über den Energiesektor hinaus und umfasst zahlreiche industrielle Anwendungen, die für das Funktionieren moderner Gesellschaften essenziell sind. In Österreich stellt Erdöl die Grundlage für die Mobilität, die chemische Industrie, die Energieversorgung und viele weitere Bereiche dar, die direkt oder indirekt davon abhängig sind.

Bedeutung für die Mobilität

Erdöl ist der Hauptenergieträger für den Verkehrssektor in Österreich. Rund 80 % des Erdölverbrauchs entfallen auf die Produktion von Kraftstoffen wie Benzin, Diesel und Kerosin. Diese Kraftstoffe treiben Autos, LKWs, Züge und Flugzeuge an und ermöglichen den Transport von Waren und Personen. Die Logistik- und Transportindustrie, ein Schlüsselsektor der österreichischen Wirtschaft, wäre ohne Erdölprodukte nicht denkbar. Besonders im internationalen Warenverkehr und im Luftfrachtsektor ist Kerosin unverzichtbar. Allein der Flughafen Wien-Schwechat, ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für den Güter- und Personenverkehr, verbraucht jährlich große Mengen an Kerosin, das aus der Raffinerie Schwechat stammt.

Petrochemische Industrie

Ein wesentlicher Bereich, in dem Erdöl eine zentrale Rolle spielt, ist die petrochemische Industrie. Erdöl liefert Rohstoffe wie Naphtha, die für die Herstellung von Kunststoffen, Pharmazeutika, Farben, Lacken und Düngemitteln benötigt werden. Diese Produkte sind unverzichtbar für eine Vielzahl von Industrien, darunter Automobilproduktion, Bauwesen und Medizintechnik. Die österreichische Chemieindustrie, die etwa 6 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, ist stark von der Verfügbarkeit petrochemischer Grundstoffe abhängig.

Ein Beispiel für die Bedeutung von Erdöl in der Chemieindustrie ist die Herstellung von Polyethylen, das in Verpackungen, Rohren und Fahrzeugteilen verwendet wird. Die Raffinerie Schwechat liefert viele der dafür notwendigen Grundstoffe, was ihre strategische Bedeutung unterstreicht.

Energieversorgung

Obwohl Erdöl für die Stromerzeugung in Österreich eine untergeordnete Rolle spielt – hier dominieren erneuerbare Energien wie Wasserkraft – ist es nach wie vor ein wichtiger Energieträger für Wärme. Besonders in ländlichen Regionen wird Heizöl als Hauptenergiequelle für die Beheizung von Gebäuden genutzt. Der Anteil von Heizöl an der Energieversorgung geht zwar zurück, liegt aber immer noch bei rund 10 % des Endverbrauchs in privaten Haushalten. Zudem wird Erdöl in der Industrie als Prozessenergie verwendet, etwa in der Stahl- und Zementproduktion.

Industrielle Produktion und Export

Erdöl ist nicht nur ein Rohstoff, sondern ein zentraler Treiber für industrielle Wertschöpfung. Raffinerien wie jene in Schwechat tragen zur Transformation von Rohöl in höherwertige Produkte bei, die nicht nur in Österreich, sondern auch international nachgefragt werden. Über 50 % der in Schwechat produzierten Raffinerieprodukte werden exportiert, was die Bedeutung der Erdölindustrie für den Außenhandel unterstreicht. Diese Exporte stärken die Handelsbilanz und sichern Arbeitsplätze in der heimischen Industrie.

Arbeitsplätze und wirtschaftliche Bedeutung

Die Erdölindustrie schafft in Österreich tausende Arbeitsplätze – direkt in der Förderung, Verarbeitung und Verteilung sowie indirekt in Zuliefer- und Dienstleistungsbranchen. Unternehmen wie die OMV beschäftigen allein in Österreich etwa 4.000 Mitarbeiter, die in der Exploration, der Raffination und der Forschung tätig sind. Durch die enge Verknüpfung mit anderen Industrien entstehen zusätzliche Arbeitsplätze in der Logistik, Chemie und Fertigung. Der wirtschaftliche Beitrag der Branche beläuft sich auf mehrere Milliarden Euro jährlich, was sie zu einem wichtigen Motor der österreichischen Wirtschaft macht.