Die bunten Geschäfte des Herrn Shklarek

Diskret und im Hintergrund fädelte Alon Shklarek internationale Unternehmenskäufe in Milliardenhöhe ein – und investierte Millionen seiner Erträge in die heimische Industrie. Was macht Alon Shklarek erfolgreich? (Dieser Artikel der Jubiläumsserie 20 Jahre INDUSTRIEMAGAZIN erschien in der Ausgabe vom April 2009)

Moshe Shklarek ist Buntmetallhändler – und ein recht bodenständiger Mensch. Die Pläne seines Sohnes, sich als Unternehmensberater durchs Leben zu schlagen, kann Moshe Shklarek überhaupt nicht nachvollziehen: „Alon, ich verkaufe die Erdkruste, davon kann man rechtschaffen leben – aber was willst Du verkaufen? Nichts als Luft in Dosen.“

 Der mangelnde Sinn für die Berufswahl des Sohnes mag durchaus mit der persönlichen Lebenserfahrung von Moshe Shklarek zu tun haben: Greifbares materielles Vermögen hat so manchem seiner Elterngeneration in den 30er Jahren das Leben gerettet.

 Doch die väterliche Sorge kann Alon Shklarek nicht von seinen Plänen abbringen. An einem freundlichen Frühlingstag des Jahres 1992 besteigt Alon Shklarek seine weiße Ente, Baujahr 1986 – und fährt damit in Richtung Süden, in die Fabrik eines Fertiggerichteherstellers. Dort orderte er einige hundert blecherne Gefäße – Ausschussware mit kaum sichtbaren Mängeln. Mit ihnen will er seine ersten Kunden an Land ziehen. Wenige Tage später gehen hunderte der Gefäße per Post durch die Republik – versehen  mit der doch recht ironischen Frage „Beratung von ASP Consulting – nur Luft in Dosen?“.

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 Unbeschriebenes Blatt. Siebzehn Jahre später – an einem ähnlich freundlichen Frühlingsmorgen – kredenzt Alon Shklarek Mangostückchen und Macadamianüsse und sinkt auf seiner ledernen Besprechungscouch nieder. „Mögen Sie Kaffee? Cappuccino? Caffè Latte? Mit Sojamilch oder low fat?“ erkundigt sich Shklarek freundlich und outet sich sogleich als „wohl größter Fan der Kaffeehauskette Starbucks in Wien“. Keine Frage, der Mann, der seine Sekretärin hier fast ein wenig unsicher um Caffè Latte mit Sojamilch bittet, wirkt weitaus jünger als die 41 Lebensjahre, die er just an jenem Frühlingstag vollendet.

 Doch der Blick von der Besprechungscouch aus dem Bürofenster, auf den noblen Wiener Graben, die Pestsäule und den Stephansdom, signalisiert anderes: Der Sohn eines kleinen österreichischen Metallhändlers und einer Religionslehrerin hat es geschafft. Als diskreter Berater im Hintergrund begleitet Shklarek Unternehmenstransaktionen mit Volumina weit über der Milliarden-Euro-Grenze. Auch deshalb ist seine ASP Consulting („das P stand für Partner, weil ich bei der Gründung dachte, das klingt nach mehr“) in Österreich ein relativ unbeschriebenes Blatt. Zu seinen Kunden zählen mit ABB, Daimler, Johnson oder Japan Tobacco die wirklich Großen der weltweiten Industrie.

 Doch der Mann, der auf den ersten Blick fast ein wenig bescheiden in seiner Couch sitzt, macht gerade eine Metamorphose durch. Denn die Erträge seines Beratungsunternehmens – branchenüblich sind im M&A-Geschäft Honorare von rund ein Prozent des Transaktionsvolumens – investiert der dreifache Familienvater seit einiger Zeit in Industriebeteiligungen in Österreich und Zentraleuropa. „Mein Beratungsunternehmen soll und wird nicht zu einem 500-Mann-Moloch wachsen“, sagt Alon Shklarek und greift zu seinem Caffè Latte mit Sojamilch, „deshalb liegt es nahe, anderswo wieder ins unternehmerische Risiko zu gehen.“

 Hungerlohn. Fast wäre Alon Shklarek schon bei den ersten Kilometern die Luft ausgegangen – und dabei hat alles so gut begonnen. 500.000 Schilling Kredit, bei einem Eigenkapital von 50.000 Schilling, hatte er der Bank für seine Geschäftsidee abringen können. Vielleicht war es sein überzeugender Vortrag über Total Quality Management, mit dem er die Banker damals, 1992, noch beeindrucken konnte. Doch jetzt, vier Monate nach Eröffnung seines Beratungsunternehmens, ging das Geld zur Neige. Wie lange würde er seine drei Mitarbeiter noch ohne Beratungsaufträge durchfüttern können?

 Wochen nachdem er seine Luft in Dosen verschickte – und unzählige Akquisitionsversuche später – kam er endlich: der Anruf, der sein Leben verändern sollte. Der mittlerweile verstorbene Dietmar Eybl, Eigentümer der Sport-Eybl-Kette, erinnerte sich an sein Mailing – und lud ihn zum Vortrag nach Wels. Es war die Zeit der spektakulären Sportketten-Pleiten. Als Schuh-Schi und Dusika in Konkurs gingen, wollte sich Eybl für die Zukunft rüsten. Und Shklarek sprach von – für damalige Verhältnisse in der Handelsbranche – Unerhörtem: Angelehnt an die TQM-Konzepte der Industrie wollte er dem Sporthändler Qualitätsorientierung und kontinuierliche Verbesserungsprozesse verpassen. „Ich fragte Dietmar Eybl: Wie viel kostet es Sie eigentlich, wenn etwas nicht an seinem Platz ist? Er hatte keine Antwort“, sagt Shklarek.

 Vielleicht war es die Bescheidenheit, die Shklareks Auftreten auch heute noch kennzeichnet, vielleicht aber auch nur seine damals offensichtlich mangelnden Referenzen: Für den Hungerlohn von 480.000 Schilling bekam Shklarek den Zuschlag für das Projekt „Qualität zu Diensten“. Zu viert arbeitete die ASP Consulting fast ein Jahr daran, führte Qualitätsworkshops durch, installierte „Friendly Manager“ und reorganisierte die Prozesse.

 Bescheidenheit. „Ohne das Einkommen meiner Frau, die damals als AUA-Stewardess arbeitete, hätte ich das erste Jahr meiner Selbständigkeit nicht durchgestanden“, sagt Shklarek. Der Wille zum Verzicht zugunsten seines eigenen unternehmerischen Erfolges kennzeichnet auch heute seinen Führungsstil. „Sehen Sie, es gibt im Unternehmen einige Leistungsträger, die weitaus mehr verdienen als ich“, sagt Shklarek, „und damit habe ich wirklich kein Problem.“

 Maskiert als Sanierer? Mit zunehmend prominenteren Referenzen wuchs Shklareks ASP Consulting zu einer veritablen Größe – doch als diese Anfrage in seiner Mailbox landete, dachte Shklarek zuallererst an einen Scherz. Die Berater von Pricewaterhouse- Coopers luden ihn, Alon Shklarek, zur Angebotslegung für die Post-Merger-Restrukturierung bei der Fusion von RJ Reynolds und Japan Tobacco ein. Das Transaktionsvolumen betrug 7,832 Milliarden US-Dollar. „Ich war sicher, dass ich als Zählkandidat anbieten sollte“, sagt Shklarek. Daher vereinbarte er zuallererst ein unverschämt hohes Präsentationshonorar. Dann ließ er sich erste Klasse einfliegen. „Im Vortrag war ich so extrem provokativ, dass ich wohl die meisten der Tabakmanager vor den Kopf gestoßen habe“, sagt Shklarek.

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