Hormus Schifffahrt : Waffenruhe in der Straße von Hormus: Öffnung geplant – Reeder bleiben vorsichtig
Der Iran hat einer von US-Präsident Donald Trump angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe zugestimmt, wie die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim bekannt gab. Außenminister Abbas Araqchi kündigte im Zuge dessen an, die für den globalen Ölhandel zentrale Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen. Trump hatte dies zur Bedingung für die Feuerpause gemacht.
Araqchi erklärte, dass der Schiffsverkehr in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen wieder ermöglicht werden soll.
Trump hatte zuvor erklärt, für zwei Wochen auf Angriffe gegen den Iran zu verzichten, wenn Teheran die blockierte Meerenge öffnet. Es handle sich um eine beidseitige Waffenruhe, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
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Ultimaten und Drohungen im Hintergrund
Trump hatte dem Iran mehrfach Ultimaten gestellt und diese wiederholt verlängert. Neben der Öffnung der Straße von Hormus forderte er auch Zugeständnisse beim iranischen Atomprogramm. Kurz vor Ablauf der Frist drohte Trump erneut mit massiven Angriffen auf Infrastruktur wie Brücken und Kraftwerke. In einem weiteren Statement sprach er sogar von der möglichen „Auslöschung“ der iranischen Zivilisation.
Die Straße von Hormus ist für die globale Energieversorgung von zentraler Bedeutung: Rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports passiert diese Meerenge.
"Ein Vorschlag taucht immer wieder auf: Warum umgeht man die Straße von Hormus nicht, indem man Öl per Lkw durch den Oman transportiert? Das ist leider nicht praxistauglich. Ein Supertanker transportiert rund zwei Millionen Barrel Öl. Ein Lkw etwa zweihundert. Ein einzelner Tanker entspricht also rund 10.000 Lkw. Auf die Golfregion bezogen, hieße das: Zehntausende Lkw täglich, über Grenzen hinweg, durch Wüsten und über Infrastruktur, die dafür nie ausgelegt wurde.
Hinzu kommen die Kosten: Pipelines und Schiffe transportieren ein Barrel für etwa 1 bis 2 US-Dollar. Beim Lkw-Transport liegen die Kosten zwischen 9 und 30 US-Dollar. Wer diesen Weg geht, umgeht keinen Engpass, er importiert Inflation. Die einzigen Alternativen sind daher wenig spektakulär, kostspielig und vorgefertigt.
Die Vereinigten Arabischen Emirate leiten bereits heute Teile ihrer Exporte leise über Fudschaira um. Saudi-Arabien treibt seine Ost-West-Infrastruktur voran, nicht nur für Exportzwecke, sondern auch mit dem Ziel, als Transitsystem zwischen den Meeren zu fungieren. Dabei handelt es sich nicht um kurzfristige Umleitungen, sondern um strategische Krisenpläne, die über Jahre entwickelt wurden", sagt dazu Supplychain-Experte René Petri, Deutschlandchef bei Proxima.
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Reedereien ändern Routen noch nicht
Trotz der angekündigten Waffenruhe reagieren Reedereien bislang nicht mit einer schnellen Rückkehr zur Passage durch Hormus.
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Der dänische Logistikkonzern A.P. Møller-Maersk erklärte laut Reuters, dass aktuell keine Änderungen vorgenommen werden. Entscheidungen über mögliche Durchfahrten würden weiterhin auf Basis laufender Risikobewertungen und behördlicher Empfehlungen getroffen.
Stattdessen nutzt Maersk alternative Routen über Häfen in Saudi-Arabien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Konflikt hatte zuvor zu Buchungsstopps und Treibstoffzuschlägen geführt.
Auch Hapag-Lloyd äußerte sich vorsichtig. Eine Wiederaufnahme des Verkehrs sei grundsätzlich denkbar, eine Normalisierung des Netzwerks werde jedoch selbst bei stabiler Lage sechs bis acht Wochen dauern. CEO Rolf Habben Jansen bezeichnete die Situation als „volatil“ und verwies auf weiterhin notwendige Sicherheitsgarantien.
Die Zusatzkosten der Krise bezifferte er auf 50 bis 60 Millionen US-Dollar pro Woche. Rund 1.000 Schiffe sitzen weiterhin in der Region fest, darunter auch Einheiten von Hapag-Lloyd.
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Branche sieht Lage weiter als „unvorhersehbar“
Auch der norwegische Reederverband (NSA), der rund 130 Unternehmen mit etwa 1.500 Schiffen vertritt, sieht derzeit keine Grundlage für eine Wiederaufnahme der Hormus-Passagen. „Wir nehmen die Signale eines Waffenstillstands zur Kenntnis, aber die Situation in der Straße von Hormus bleibt ungelöst und unvorhersehbar“, erklärte CEO Knut Arild Hareide.
Es sei weiterhin unklar, unter welchen Bedingungen ein sicherer Transit möglich sei. Reeder würden die Lage weiter beobachten und erst bei klaren Sicherheitsbedingungen wieder durch die Meerenge fahren.
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Keine klaren Regeln für die Durchfahrt
Zwar hat der Iran angekündigt, eine sichere Passage in Abstimmung mit den Streitkräften zu ermöglichen, ein konkreter operativer Rahmen liegt jedoch nicht vor. Unklar ist insbesondere, wie die Koordination praktisch erfolgen soll und welche Einschränkungen gelten werden.
Laut Reuters hat der Iran zudem einen Zehn-Punkte-Plan als Grundlage für Verhandlungen vorgelegt. Dieser enthält unter anderem Vorschläge zur Organisation des Schiffsverkehrs durch Hormus, etwa ein formelles Transitprotokoll und eine Rolle Irans bei der Steuerung der Passage.
Berichten zufolge wird auch diskutiert, dass Iran und Oman künftig Gebühren für die Durchfahrt erheben könnten. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
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Zwischenfälle und Unsicherheit bleiben bestehen
Ein jüngster Zwischenfall unterstreicht die anhaltenden Risiken: Im Persischen Golf wurde ein Containerschiff nahe der iranischen Insel Kish durch ein Projektil beschädigt. Die Besatzung blieb unverletzt, das Schiff wurde jedoch oberhalb der Wasserlinie getroffen.
Branchenanalyst Lars Jensen erklärte, dass sich die Bewegungsmuster der Schiffe bislang nicht verändert hätten. Aus Risikosicht sei derzeit eher zu beobachten, dass Reeder versuchen, Schiffe aus dem Persischen Golf herauszubewegen, statt neue Verkehre hinein zu planen.
Auch die Diskussion über mögliche Gebühren oder neue Transitregeln sei bislang nicht durch offizielle Stellen bestätigt worden.
UN-Sicherheitsrat scheitert mit Initiative
Parallel dazu ist eine internationale Initiative zur Sicherung der Schifffahrt gescheitert. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich nicht auf eine Resolution einigen, die eine bessere Absicherung der Handelsrouten in der Straße von Hormus vorsah. China und Russland legten ein Veto ein. Der Entwurf hatte unter anderem eine stärkere internationale Koordination sowie Schutzmaßnahmen für Handelsschiffe vorgesehen.
Bahrain kritisierte nach der Abstimmung, dass das Scheitern der Resolution ein falsches Signal sende. Die USA erklärten, die Straße von Hormus sei zu wichtig, um als politisches Druckmittel genutzt zu werden.