68.000 weniger Industriejobs : Ökonom sieht "klares Zeichen" der Deindustrialisierung Deutschlands

HTW Berlin/Nikolas Fahlbusch

Prof. Dr. Sebastian Dullien ist Professor im Master-Studiengang International and Development Economics an der HTW Berlin und seit 2019 wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung.

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Im Vergleich zum Jahresende 2018 - als mit 5,7 Millionen Beschäftigten der Höchststand erreicht wurde - sind es nun 172.000 oder 3,0 Prozent weniger. Dennoch bleibt im Zehnjahresvergleich ein Plus: Zuletzt arbeiteten 185.000 oder 3,5 Prozent mehr Beschäftigte in der deutschen Industrie als 2014.

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Das IMK sieht in der Entwicklung "ein klares Zeichen einer Deindustrialisierung", wie dessen wissenschaftlicher Direktor Sebastian Dullien sagt. Die deutsche Industrie stehe durch geopolitische Verschiebungen unter Druck. "Sowohl China als auch die USA wollen ihre eigene Industrie stärken", so Dullien. So könnte US-Präsident Donald Trump noch am Mittwoch hohe Zölle auf Importe auch aus Deutschland verkünden. Getroffen werden dürften davon vor allem die Auto- und Maschinenbauer. "Zwei Branchen, die ohnehin derzeit kriseln", warnt Dullien.

Chemische Industrie mit geringem Abbau

Besonders stark ging die Beschäftigung Ende 2024 im Vergleich zum Vorjahr bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen mit minus 3,6 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Deutliche Rückgänge gab es auch bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (-2,9 Prozent) sowie in der Kunststoff- und Automobilindustrie (jeweils -2,4 Prozent).

In der beschäftigungsstärksten Branche, dem Maschinenbau, entsprach der Rückgang mit minus 1,2 Prozent dem Durchschnitt. Eher geringe Beschäftigungsrückgänge verzeichneten die Chemische Industrie und die Metallerzeugung und -bearbeitung (jeweils -0,7 Prozent) sowie die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (-0,4 Prozent). Das Ernährungsgewerbe meldete sogar ein Plus von 1,8 Prozent.