Metalltechnische Industrie : Metalltechnische Industrie: Normalisierung in weiter Ferne

Am Montag wurde die Herbstlohnrunde eingeläutet. Die Gewerkschaften der Metallindustrie gehen mit der Forderung von einem Gehaltsplus von 10,6 Prozent in die Verhandlungen. Weiters auf der Wunschliste der Gewerkschaften: 1.000 Euro Mindestgehalt für Lehranfänger, ein Zuschlag für Samstagsarbeit, die Anhebung des Überstundenzuschlages für die 10. Arbeitsstunde und eine leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche.
Wenig überraschend wurden diese Forderungen von der Arbeitgeberseite abgelehnt. Rund ein Drittel der 1200 Unternehmen der Metallindustrie würden derzeit keine Gewinne machen, sagt Arbeitgebervertreter Christian Knill. Er wünscht sich eine starke Betonung von „Einmalzahlungen“ in der Herbstlohnrunde. Diese sind seit einigen Jahren bis zu einer Summe von 3000 Euro steuerbefreit. Es wäre, so Knill „ein Schwachsinn“ dieses Vehikel nicht zu nützen.
Viertel der Industriebetriebe schließt Komplettstopp nicht aus

Trübe Konjukturprognose
Eine Blitzumfrage des Fachverbands für Metalltechnische Industrie in Österreich bildet eine nicht allzu positive Konjunkturprognose ab.
Neben einem realen Wachstum von 5 % für 2022 rechnen die Unternehmen mit einem Einbruch der Nachfrage im Herbst. Die Margen leiden heuer besonders, doch auf der Kostenseite sollte sich die preisliche Lage bei Industriemetallen wieder etwas bessern. Bereits im Herbst rechnet der Großteil der Unternehmen mit einem Einbruch der Nachfrage, denn schon jetzt können 60% der Befragten einen Nachfragerückgang erkennen.
Laut Konjunkturtest ist die solide Auftragslage, in erster Linie im Maschinenbau, immer noch eine gute Basis für die Produktion der nächsten Monate. Mittelfristig sind die Aussichten allerdings negativ und bereits 55 % gehen von einem geringeren Gewinn aus, als noch vor der Covid-Krise. Das ist auch bei der durchschnittlichen Ebit-Erwartung zu erkennen, die heuer bei nur 2,2%, statt 5,7% - wie vor der Krise – liegt. Eine Normalisierung der Lage liegt bei 85% der Unternehmen noch in weiter Ferne und wird für die meisten noch über 6 Monate dauern.
Stimmungsbild auf der AMB Stuttgart
Auch Factory-Chefredakteurin Cornelia Groiss hat sich ein Bild von der aktuellen Stimmung gemacht und war auf der Internationalen Ausstellung für Metallbearbeitung in Stuttgart. Dort konnte sie mit einigen Branchenvertretern über die aktuellen Hürden und Ausblicke sprechen.
Michael Steinkogler, COO bei Linsinger Maschinenbau, erzählt davon, dass das Unternehmen derzeit noch stark von Lieferschwierigkeiten betroffen sei. Die Strategie für dieses Problem sei vor allem der direkte Dialog mit dem Kunden und das Ausarbeiten von passenden Lösungen. Sie würden versuchen Einkaufssynergien zu schaffen, um speziell an Mangelware zu kommen. Eine konkrete Prognose zu geben sei aktuell schwierig, da die Störungen in der Weltwirtschaft in immer kürzeren Intervallen auftreten.

Bei dem Hersteller von Bohr- und Fräswerkzeugen, Alpen Maykestag, sei vor allem der Fachkräftemangel ein großes Thema, so der Vertriebsleiter Martin Steinhäusler. Mit eigene Marketingkampagnen die über Facebook aber auch klassische Zeitungsinserate gespielt werden, versuche man Personal zu finden. Die Lieferzeiten gehen dank der gedeckten Vormaterialien derzeit wieder Richtung Normalniveau. Die Energiekrise geht auch an diesem Unternehmen nicht spurlos vorbei. Man brauche zwar kein Gas, aber dafür sehr viel Strom, so Steinhäusler. Was das künftig heißen wird, sei noch nicht vorauszusagen.

Auch der CTO des Oberösterreichischen Maschinenbauers Fill, Alois Wiesinger, spricht die Fachkräftemangel Thematik an. Er gehe davon aus, dass dich in den nächsten 5 Jahre nicht viel ändern würde. Sie versuchen im Unternehmen diesem Trend aber entgegenzuwirken und haben auch heuer wieder 28 Lehrlinge aus verschiedenen Fachbereichen aufgekommen. Auch die Lieferkettenproblematik bleibt vor allem bei Elektronik, Halbleiterschaltungstechnik und Steuerungen mit Lieferzeiten von 20-40 Wochen bestehen. Erste positive Meldungen von Lieferanten scheinen aber doch langsam Entspannung zu bringen. Die hohen Energiepreise treffen das Unternehmen dank zahlreicher Photovoltaikanlagen nicht so stark, allerdings würden die Gehälter wegen der hohen Preise demnächst angepasst werden müssen.
Sehen Sie hier den ganzen Beitrag der INDUSTRIEMAGAZIN NEWS zur Konjunkturprognose der Metallindustrie:
