Trumps Handelskonflikt mit China : Maschinenbauer und Trump: "Diversifikation ist das Gebot der Stunde"

Donald Trump mit Elon Musk beim Start der Megarakete Starship von SpaceX zu einem Testflug von der Starbase in Boca Chica, Texas am 19. November.
- © Brandon Bell / AP / picturedesk.comAktive Mitgliedschaft erforderlich
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Donald Trump mit Elon Musk beim Start der Megarakete Starship von SpaceX zu einem Testflug von der Starbase in Boca Chica, Texas am 19. November.
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Europa sieht gebannt in den Westen: Wird Trump, der die EU im Wahlkampf als "Mini-China, das die USA nur ausnutzen wolle" bezeichnete, mit Strafzöllen ernst machen? Wird es China wirklich mit pauschalen Zöllen von 60 Prozent treffen - und plant die neue US-Administration "gigantische Vergeltungsmaßnahmen" für den allzu China-freundlichen Kurs Europas, wie die amerikanische Handelskammer es als ausgemacht sieht? Melanie Vogelbach, Bereichsleiterin Internationale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaftsrecht bei der DIHK, weiß um die Verflechtung Deutschlands mit USA und China: Mehr als 5000 deutsche Unternehmen seien in China tätig, knapp 6000 in den USA. "Unsere Lieferketten sind aufs engste über beide Regionen hinweg miteinander verflochten", sagt sie.
Dem Druck auf Europa, sich für eine Seite entscheiden zu müssen, müsse man standhalten: "Ohne China zu wirtschaften ist keine Option", sagt sie. Es brauche aber eine China-plus-1- oder -plus-2-Strategie. Was den Aufbau separater Kreisläufe bedinge, ein schmerzhafter, kostenintensiver Prozess. "Diversifikation von Lieferketten ist dennoch das Gebot der Stunde", sagt sie, weshalb sie sich auch einen Abbau von Bürokratie in Europa wünsche. Ihre Hoffnung: "Dass die EU-Kommission abgewogen und smart auf Drohszenarien reagiert".
Und abschreckende Pläne für Abwehrzölle in der Schublade hat. Dort sollen sie im Idealfall auch verbleiben. "Ein Hochschaukeln einer eskalierenden Zollspirale ist für beide Seiten ein Minusgeschäft", sagt sie.

New England, genauer Torrington in Connecticut, ist Michael Wittmann ans Herz gewachsen. "Wir sind dort historisch gewachsen", so der Geschäftsführer von Wittmann Technology. Und als die Industrie vom Nordosten der USA, in den Mittleren Westen und in den letzten zwei Jahrzehnten verstärkt in den Südosten weggezogen ist, "sind wir New England treu geblieben", sagt Wittmann. Auch deshalb: Gut ausgebildetes technisches Personal ist in dieser Region der USA einfacher verfügbar. Produziert werden in unserem US Produktionswerk Automatisierungssysteme, auch als Gesamtanlagen mit unseren Spritzgießmaschinen. Außerdem erfolgt hier die Auslegung und Ergänzung von Schüttguttechnikanlagen für Kunststoffverarbeiter in den USA, also eine Anpassung der Produkte, die in Europa und unserem kanadischen Produktionswerk assembliert und importiert werden. USA als größten Markt noch vor Deutschland, dahinter auf Rang Drei Mexiko, wo man zuletzt beständig gewachsen sei: Für den Spritzgießmaschinenbauer hätten protektionistische Tendenzen in der Region Folgen. "Wir werden uns in den nächsten Monaten die Zolltarifnummern vermehrt ansehen, die unter ein zukünftiges Einfuhrzollregime fallen, wenngleich wir das für CBAM schon tun müssen", sagt der Geschäftsführer.
An den worst case glaubt Wittmann freilich nicht, denn Trump hat, auch wenn er das Freihandelsabkommen Nafta einmal als den "schlechtesten Deal aller Zeiten" nannte, seinen Sanktus zur Neuauflage des Abkommens 2019 gegeben. "Wenn es zu einem Bruch des Handelsabkommens käme, müssten wir stärker in die lokale Wertschöpfung in den USA oder Kanada switchen", sagt Wittmann. Aber er hält den Fall für unwahrscheinlich. "Sollte es tatsächlich zu Handelsbeschränkungen zwischen Mexiko und den USA kommen,dann würde das auch die USA sehr wohl spüren", sagt Wittmann. Der größte Widerpart protektionistischer Tendenzen sei immer noch die Vollbeschäftigung in den USA. "Wollen die USA tatsächlich mehr im eigenen Land machen, müssen sie sich die Frage gefallen lassen, mit wem, also mit welchen Personalreserven das gelingen soll", sagt der Wittmann-Chef. Was er indes beobachtet: Dass Nearshoring in Mexiko als Folge de Decouplings China und den USA zunimmt. "Produktionskapazitäten für die Erzeugung von Haushaltsgeräten oder Power Tools gehen von China nach Mexiko", sagt er. Selbst Automobilteile, die bisher teils über den Pazifik geschickt wurden, werden jetzt lokaler produziert. An seiner Globalisierungsstrategie will Wittmann festhalten. "Wir bespielen weiterhin den globalen Markt, ansonsten kommen wir nicht auf das notwendige Volumen für innovative Produkte", sagt er. Europas Reglementierungswut sieht er in dem Zusammenhang skeptisch: "Jeder Tag, an dem aus Europa kein neuer Eingriff kommt, ist ein guter Tag", sagt er.

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Der Landtechnikhersteller Pöttinger erwirtschaftet rund zwei Drittel seines Umsatzes in Europa und ist unter anderem in den USA mit einer Vertriebsniederlassung präsent. Markus Baldinger, der CTO von Pöttinger und Vorsitzender des VDMA Österreich, erwartet nach der US-Wahl eine "Neuordnung in den transatlantischen Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA", betont aber die Notwendigkeit, diese sehr guten Handelskontakte aufrechtzuerhalten. Er stellt die Frage, ob man stärker lokal fertigen müsse, und regt an, dass Überlegungen von Unternehmen angestellt werden sollten, wie unter den neuen Rahmenbedingungen local content in den USA produziert werden könnte.
Positiv sei, dass Unternehmen, die vor Ort in den USA fertigen, als Amerikaner voll akzeptiert werden. Weiters wäre ein Mercosur-Abkommen für viele Maschinenbauunternehmen hilfreich, um beispielsweise am "Riesenmarkt Brasilien" voranzukommen. Baldinger merkt an, dass in die Anbahnung internationaler Handelsabkommen häufig zu viele Themenfelder und Absichten hineingesteckt werden – man müsse diese deutlich vereinfachen und „abspecken“, um exportorientierten Volkswirtschaften wie Österreich oder Deutschland faire Handelsbedingungen zu bieten.

Als sich Palfinger 2021 vertraglich aus seiner Kreuzbeteiligung mit dem chinesichen Wettbewerber Sany löste, sorgte das für Aufsehen. "Alle gehen nach China, und ihr geht raus", hörte CEO Andreas Klauser nicht nur einmal. Heute generiert der Kran- und Technologiehersteller gerademal drei Prozent vom Umsatz in China. Dagegen in Nordamerika: Stattliche 27 Prozent. Ob das so bleibt? "Trump ist nicht vom Himmel gefallen wie Covid19", sagt Klauser. Dieser sei ein Dealmaker, mit dem Europa "level to level" sprechen könne und das auch von seinem Gegenüber erwartet. Fakt sei aber auch: Globalisierung müsse heute neu gedacht werden. Es geht um Volatilitäten, um modularere Produktentwicklung. Man müsse die Sache viel komplexer denken als "low cost" nach China zu shiften, sagt der Manager. Der Marinebereich, der lateinamerikanische Markt - dort winkt auszugsweise gerade das Neugeschäft. Und in Europa. Genauer: Am Balkan. Palfinger hat in Serbien neu gebaut, in Slowenien plant das Unternehmen die Errichtung einer weiteren Produktionsstätte.
"Das ist Reindustrialisierung im großen Stil. Jedoch mehr in Europa als in Österreich", sagt Klauser. Eine, die ganz nebenher auf die Nachhaltigkeitsstrategie einzahlt. Und die Europa bitter nötig habe. Mit den Arbeitskosten in Mitteleuropa sei man nicht mehr wettbewerbsfähig. "In Sachen Wohlstandsverlust sei ein kritischer Moment erreicht", sagt Klauser. Gemanagt wird bei Palfinger übrigens mit einer globalen Matrixorganisation, der GPO (Globale Palfinger Organisation) die das Unternehmen schneller in der Entscheidungsfindung macht. Der wohl verheißungsvollste Markt derzeit: Indien. "Dort trifft man chinesische Player in den Ausschreibungen", sagt Klauser. Mit local content und wichtigen Partnern wie Plasser & Theurer könne man selbst gegen diese Konkurrenz bestehen.

Westlich orientiert.
„Go west" lautet auch die Strategie von Rosendahl Nextrom, führend bei Produktionstechnologien für die weltweite Batterie-, Kabel- und Glasfaserindustrie, ein Unternehmen der Knill-Gruppe. Ab 2025 will das Unternehmen in Mexiko für einen Großkunden mit einem Büro Präsenz zeigen. "Wir sind schon mitten im Umbau des Standorts, um von dort aus den Mexikanischen Markt mit Präsenz vor Ort bestens betreuen zu können", sagt Christian Knill. Er hofft, dass Mexiko nach dem USMCA Review 2026 ein sichererer Hafen bleibt. Auch mit dem auf Hochspannungsarmaturen spezialisierten Unternehmen Mosdorfer, dessen Geschäfte Knill leitet, ist ein Schritt gen Amerika geplant: "Wir suchen eine Möglichkeit durch einen Zukauf oder eigene Investition vor Ort", sagt Knill.
Der Heimmarkt Europa habe viele Probleme, sagt der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie. Auch wenn die Knill Gruppe weniger davon betroffen wäre. Die Investitionen in den Energiebereich seien stabil, der Umstieg auf alternative Netze werde vollzogen. Doch insgesamt gilt: "Amerika innoviert, Asien produziert und Europa reguliert", musste eine Delegation des Verbands im Silicon Valley unlängst feststellen. Jetzt kommt es darauf an, ob Trump mit seiner America-first-Strategie ernst mache. "Falls ja, wird das die Situation in Europa nicht erleichtern", sagt Knill. Die USA sei für seine Branche zweitwichtigster Handelspartner, 2023 wuchsen die Ausfuhren um sieben Prozent, auch heuer gebe es wohl kontinuierliches Wachstum. Dass das Handelsabkommen mit den USA nicht existent sei und Mercosur verschleppt wurde, bedauert Knill. "Diese Abkommen würden uns jetzt helfen".

"Unsere Branche ist größenmäßig relativ überschaubar, einen Umsatz in der Höhe von 300 Millionen Euro erzielen wir nur deshalb, weil wir den gesamten Weltmarkt abdecken", sagt Gottfried Brunbauer, CEO des Glasbearbeitungsmaschinenbauers Lisec. In den USA trachten die Niederösterreicher danach, ihre Präsenz - derzeit produziert man hier nicht, sondern unterhält Vertrieb und After Sales - zu verstärken. Man denke über Wertschöpfung im Lande nach. Nicht durch ein Greenfield-Projekt, sondern einen Einstieg in ein gut performendes lokales Unternehmen. "Wenn, dann wollen wir bei einem erfolgreichen Unternehmen einsteigen und nicht bei einem Sanierungsfall", sagt Brunbauer. Zugleich schließt die Strategie der Seitenstettener ein, die Emerging Markets - von Südamerika über Nordafrika, den mittleren Osten und die Tigerstaaten bis Zentral- und Südostasien - besser abzudecken. Diese steuern heute bereits ein Drittel des Geschäftsvolumens bei. Binnen eines halben Jahres wolle das Unternehmen durch eine nennenswerte Investition in Produktionskapazitäten in Südostasien den Kurs auf weiteres Wachstum setzen.
Und Trump? Etwaige Zölle bzw. eine stärkere Abschottung der USA sieht Brunbauer ambivalent. Grundsätzlich nicht begrüßenswert - wie Argentinien zeigte, das lange eine restriktive Devisenpolitik fuhr und Importe nahezu verunmöglichte. Doch wären US-Zölle im Falle des Maschinenbauers aus Niederösterreich nicht allzu kritisch, würden diese doch alle Importeure gleichermaßen treffen. "Im oberen Preissegment, in dem wir tätig sind, gibt es in den USA keinen lokalen Wettbewerber", sagt Brunbauer. Und schon bisher kompensiere man Preisnachteile gegenüber Dritten mit USPs - etwa integrierten Automatisierungslösungen inkl. einer ERP-Branchenlösung.
Massiv Sorgen bereite ihm, wohin sich Europa wirtschaftlich entwickle. "Durch die zunehmend dogmatische Politik auf europäischer Ebene kehrt wieder mehr und mehr Nationalfokus der Einzelstaaten ein, jeder versucht, für sich das Beste herauszuholen. Und das schwächt Europa", sagt Brunbauer.
