Handelskonflikt EU-USA : Trumps Autozölle lassen auch US-Hersteller zittern

Washington DC, USA March 24 2022: Donald Trump 2024 presidential nomination supporters car rally through National Mall of Washington streets.

Trumps Autozölle bringen auch die US-Hersteller zum Zittern

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Mit einem politischen Paukenschlag hat Ex-Präsident Donald Trump die globale Autobranche aufgeschreckt: Ab Donnerstag kommender Woche sollen auf alle importierten Fahrzeuge 25 Prozent Zoll erhoben werden – auch auf einzelne Bauteile. Trump will damit die US-Staatsfinanzen stärken und die heimische Produktion ankurbeln. Doch Fachleute warnen: Die Maßnahme dürfte nicht nur ausländische Hersteller treffen, sondern auch die amerikanische Automobilindustrie empfindlich belasten – und vor allem die Verbraucher zur Kasse bitten.

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Die neue Zollregelung stellt eine massive Erhöhung dar: Gegenüber der EU liegt der neue Satz zehnmal höher als bisher. Analysten der Investmentbank Bernstein rechnen mit jährlichen Mehrkosten von bis zu 100 Milliarden Dollar, das entspricht rund 14 Prozent des gesamten Branchenumsatzes. Auf ein einzelnes Fahrzeug heruntergerechnet bedeutet das durchschnittliche Zusatzkosten von 6.700 Dollar – die letztlich bei den Kunden landen dürften.

Besonders hart trifft es Hersteller, die keine eigene Produktion in den USA betreiben – darunter etwa Mitsubishi. Vergleichsweise geringe Auswirkungen erwarten Experten für Unternehmen wie General Motors, Ford, Stellantis, Rivian und Tesla, die in den USA fertigen. Deutsche Autobauer mit US-Werken liegen irgendwo dazwischen. Fakt ist: Noch immer ist fast jedes zweite Auto, das in den USA verkauft wird, ein Import.

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US-Autobauer: Produktion oft in Mexiko

Ein Großteil der US-Automobilproduktion ist in den letzten Jahren nach Mexiko ausgelagert worden – dank günstigerer Produktionsbedingungen und des Freihandelsabkommens USMCA (Nachfolger von NAFTA). Während renditestarke Modelle wie Pick-up-Trucks oder große SUVs weiterhin in den USA vom Band laufen, kommen viele preiswertere Fahrzeuge aus dem Süden.

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Laut dem internationalen Herstellerverband OICA wurden im Jahr 2023 rund 10,6 Millionen Autos in den USA produziert – fast zwei Millionen mehr als im Corona-Jahr 2020, aber noch deutlich unter dem Niveau von 2016, als über zwölf Millionen Fahrzeuge gefertigt wurden.

Analysten der UBS weisen darauf hin, dass es vorerst Ausnahmen für Bauteile geben soll, die im Einklang mit dem USMCA-Abkommen gefertigt wurden. Doch die Berechnung, welche Teile darunterfallen, sei extrem komplex – was die praktische Umsetzung erschwert. Sollten diese Teile doch unter die Zölle fallen, dürfte das Fahrzeugpreise spürbar nach oben treiben und die Nachfrage empfindlich belasten.

Die mächtige Autogewerkschaft UAW begrüßt Trumps Zollpläne ausdrücklich. Sie hofft auf eine Rückverlagerung von Arbeitsplätzen und verweist auf leerstehende oder ausbaufähige Fabriken. Doch trotz aller Symbolik zeigen die Daten des US-Verkehrsministeriums: Die USA waren fast immer Nettoimporteur von Fahrzeugen – nur selten konnten sie ihre eigene Nachfrage vollständig decken.

Zölle gelten auch für Einzelteile – mit weitreichenden Folgen

Besonders brisant: Die Zölle betreffen nicht nur fertige Fahrzeuge, sondern auch importierte Teile. Zwar ist hier eine Übergangsfrist von bis zu einem Monat vorgesehen – langfristig aber sollen auch diese Bauteile verzollt werden. Analyst Daniel Röska von Bernstein betont, dass dadurch selbst Hersteller mit US-Endmontage stark betroffen seien.

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Beispiel Ford: Zwar werden 82 Prozent der in den USA verkauften Fahrzeuge auch dort gebaut, aber nur 30 Prozent der Teile stammen tatsächlich aus den USA. Der Rest kommt meist aus Mexiko, wo sich zahlreiche Zulieferbetriebe angesiedelt haben. Oft wechseln die Teile mehrfach die Grenze, bevor sie im fertigen Auto landen – und fallen damit mehrfach unter die neue Zollregelung. Laut Röska sind die Konzerne damit stärker betroffen, als es der bloße Produktionsort vermuten lässt.

Ford Auto Automobilindustrie
Ford-Chef Farley warnte bereits im Februar vor Zöllen auf Autos oder Autoteile - © Ford

Ford-CEO Jim Farley warnte bereits Anfang Februar vor den geplanten 25 %-Strafzöllen der Trump-Regierung auf Autoimporte aus Mexiko und Kanada. Diese Zölle könnten der US-Autoindustrie Milliardenschäden zufügen und zahlreiche Arbeitsplätze gefährden. Betroffen wären insbesondere US-Hersteller wie Ford und General Motors, die auf grenzüberschreitende Lieferketten angewiesen sind. Farley sieht durch die Zölle eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Herstellern wie Toyota oder Hyundai, die teils lokal produzieren.

Preise erhöhen oder Produktion verlagern?

Noch äußern sich die Autobauer zurückhaltend über konkrete Preisanpassungen. In der Branche heißt es, viele Unternehmen wollten zunächst abwarten, wie sich die Konkurrenz verhalte. Analyst Daniel Schwarz von Stifel erklärt, dass Preissteigerungen modellabhängig durchsetzbar seien. Fahrzeuge mit Alleinstellungsmerkmalen, wie der Porsche 911, hätten bessere Chancen, Preiserhöhungen durchzusetzen. Schwieriger werde es hingegen bei Modellen, die Konkurrenz aus US-Produktion haben – wie der Porsche Cayenne, der mit dem BMW X5 und Mercedes GLE konkurriert, die beide in den USA gebaut werden.

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Eine Alternative zur Preiserhöhung wäre die Verlagerung der Produktion in die USA. Audi-Chef Gernot Döllner kündigte kürzlich an, dass sein Unternehmen noch in diesem Jahr darüber entscheiden wolle. Aktuell laufen Audis Fahrzeuge in Mexiko vom Band. Denkbar wäre ein Ausbau des bestehenden VW-Werks in Chattanooga oder die Nutzung des neuen Standorts in South Carolina, wo Volkswagen aktuell eine Produktionsstätte für die neue Marke Scout errichtet.

Doch die Rückverlagerung ist einfacher gesagt als getan. Viele Werke sind nicht für neue Modelle ausgelegt, betont UBS-Analyst Patrick Hummel. Selbst bei vorhandener Kapazität seien Zusatzinvestitionen nötig, und das koste nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit. Brancheninsider betonen immer wieder, dass eine Produktionsverlagerung meist nur bei einem Modellwechsel wirtschaftlich sinnvoll sei – was wiederum mehrere Jahre in Anspruch nehme.

Die Zeche zahlen Industrie und Kunden

In der Zwischenzeit droht eine Kostenexplosion – sowohl für die Autobauer als auch für die Endkunden. Stefan Hecht von der Unternehmensberatung Advyce bringt es auf den Punkt: „Die Zollkasse wird sich füllen – aber bezahlen werden das am Ende die amerikanischen Unternehmen und die Verbraucher.“ Ob Trumps protektionistischer Kurs die US-Autobranche tatsächlich stärkt, bleibt mehr als fraglich.

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