Roboter : Taktzeitrennen
Die Schweizer ließen sich nicht in die Karten schauen. Ein neuer Industrieroboter, die siebte Generation, sei im Anmarsch – so viel sickerte durch. Doch viel mehr war auch Manfred Gloser, Chef der ABB-Robotersparte in Österreich, bis vor kurzem nicht zu entlocken. Schulterzuckend entschuldigte er die „Informationssperre“. Jetzt ist es offiziell: Mit dem IRB 6700 entstand im schwedischen Västeras die neueste Großroboter-Generation des Roboterriesen. Eine Entwicklung, deren Prototypen Gloser – jetzt darf er es ja sagen – vor Ort in regelmäßigen Abständen inspizieren konnte. Auch die heimische Industrie – speziell der hierzulande prächtig ausentwickelte Gießerei- und Automobilzulieferbereich – gab die Richtung vor: „Entwickler aus dem Norden statteten großen Gießerei- und Automobilzulieferbetrieben Besuche ab und analysierten ihre dort installierten Applikationen“, erzählt Gloser.
Autobauer als Taktgeber
Zum halben Österreicher macht das den neuen Industriehelfer von ABB, der viele hunderte Verbesserungen sein eigen nennt, deshalb noch nicht. „Die Automobilindustrie war der größte Treiber“, sagt der ABB-Mann. Angesichts hervorragender Werte bei der Wiederholgenauigkeit konnten die Autobauer schon bisher nicht über die Schweizer Automaten motzen. Von einem großen LKW-Hersteller wurden den Schweizern nach einem Testmarathon „erst kürzlich hervorragende Werte bescheinigt“, so Gloser.
Doch durch den wachsenden Kostendruck sensibilisiert erwarteten sich Hersteller und Zulieferer fürs neue Modell auch diesmal wieder ein mittelgroßes Lieferantenwunder. Besonders aufs Thema Ausfallsicherheit und Wartungsintervalle kaprizierten sich die Sehnsüchte der Fahrzeugbauer zuletzt merklich. Offenbar mit Erfolg. „Statt einer halbjährlichen Wartung im rauen Gießereibereich ist jetzt nur mehr eine jährliche Wartung erforderlich“, hat Gloser die Leistungsdaten des IRB 6700 längst verinnerlicht. Im Schnitt soll eine solche Inspektion jetzt nur mehr 20 Minuten dauern.
Längere Serviceintervalle
Wie der Hersteller das zuwege bringt? Einerseits durch eine deutlich bessere Zugänglichkeit. Der Roboter kann nun – etwa für einen Ölwechsel – viel leichter auseinander genommen werden. Hilfreich ist dafür wohl auch eine neue 3D-Dokumentationstechnik, basierend auf einem internen „Simstruction“-Tool. Es visualisiert dem Instandhalter recht anschaulich sämtliche Wartungsschritte. Auf Kundenwunsch sind zudem die Kabel und Schläuche im Oberarm des Roboters integriert – also entsprechend gut geschützt. „Auch das verkleinert die Wartungsintensität“, so Gloser. Öl müssten Betriebe nur mehr alle 20.000 Betriebsstunden kontrollieren. Ein Batteriewechsel stünde erst nach vier Jahren, ein Getriebecheck nach acht Jahren an.
Auch beim für Serienfertiger so entscheidenden MTBF-Wert – er gibt die mittlere Betriebsdauer zwischen Roboterausfällen an – legten die Schweizer zu (400.000 Betriebsstunden). Damit setzt der Hersteller aus Entwicklersicht in Richtung Mitbewerb feine Nadelstiche. Aber wohl zu Recht. Gloser: „Die Japaner schlafen ja auch nicht in der Pendeluhr.“
Daniel Pohselt