Förderungen : Pitchen für den Staat: Start-ups auf der Suche nach Fördergeld

"Wir sind SignD und suchen eine halbe Million Seed-Investment", sagt Bernhard Reiterer, nachdem er fünf Minuten lang seine Geschäftsidee vorgestellt hat. In den ersten drei Jahren will er 170 Mio. Euro Umsatz machen - gegründet ist das Unternehmen freilich noch nicht. Mit "Pitch your Idea" können Entrepreneure nun auch bei der staatlichen Förderbank aws "pitchen", also ihre Idee kurz präsentieren.

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Pitchen kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt so viel wie werfen. Bei Start-ups ist mit einem Pitch eine Kurzpräsentation gemeint, mit der Investoren, Kunden und Unterstützer gewonnen werden sollen. Beim aws haben die Jungunternehmer fünf Minuten Zeit zu erklären, was sie machen. Danach müssen sie sich fünf Minuten lang den Fragen der Jury - fünf Experten aus den aws-Geschäftsbereichen - stellen.

Ziel von "Pitch your Idea" ist, Start-ups zu den richtigen Stellen im aws zu lotsen und ihnen falsche Wege zu ersparen. Die Gründer erhalten Tipps und eine erste Einschätzung, welche Art von Förderung infrage kommen könnte. Eine Förderzusage gibt es aber nicht. Dazu sind weitere Gespräche und ein Förderantrag notwendig. Das aws prüft dann, ob die Pläne Hand und Fuß haben, also ob etwa wirtschaftliche Erfahrung und technische Kompetenz vorhanden sind.

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Zurück zu SignD von Bernhard Reiterer: "Wir sehen da natürlich Marktpotenzial", meint die aws-Seedfinancing-Expertin Elvira Kainersdorfer nach dem Pitch. Mit einem Zuschuss könnte die Förderbank den Markteintritt unterstützen und für einen ersten Anschub sorgen. Im Förderprogramm aws PreSeed werden technologisch anspruchsvolle High-Tech-Unternehmen in der Vorgründungsphase finanziert.

Reiterer hat mit SignD vor, ein Identifikationssytem für digitale Identitäten aufzubauen, damit übers Internet Bankkonten eröffnet oder Versicherungsverträge abgeschlossen werden können. Der Jury gefiel die Idee, räumte aber ein, dass die Umsatzziele etwas ambitioniert seien. "Ideal wäre es, wenn es auf dem Markt einen ersten Anwendungsfall gibt", sagte Viktor Pasquali, der für das aws Business Angels vermittelt.

Business Angels sind Investoren und private Geldgeber, die Start-ups und Jungunternehmern mit Expertise unter die Arme greifen. Das aws steigt über den Gründerfonds aber auch selbst bei Start-ups ein oder stellt Garantien und Förderkredite mit niedrigen Zinsen zur Verfügung.

Bei SignD reicht die Demoversion noch nicht für einen erp-Gründungskleinkredit. Das geht erst, wenn die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells am Markt bewiesen ist. Reiterer schätzt, dass er 600.000 Euro braucht, um aus dem Prototypen eine echte Anwendung zu machen.

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Neben Reiterer stellten beim ersten aws-Pitch noch neun weitere Start-ups ihre Geschäftspläne und Ideen vor. Lukas Schopp nutzte seine fünf Minuten, um SloopTools zu erklären. Er hat eine Art Appstore für Software in Industrieanlagen aufgebaut. Im September gab es die ersten Umsätze, nachdem im Mai der Start mit 20 Scada-Modulen erfolgt war. Nächstes Jahr will Schopp Mitarbeiter einstellen und in Marketing und Vertrieb investieren.

"Mir erscheint dieses Projekt schon relativ ausgereift", kommentierte aws-Krediteexpertin Erika Köszegi-Lagally, ein Gründerkleinkredit mit 0,5 Prozent Fixzinssatz sei denkbar. Fremdkapital dürfte ganz im Sinne des Gründers sein. "Bisher ist alles aus Eigenkapital gekommen", erzählt Schopp. Externe Investoren will er in der Aufbauphase noch nicht an Bord holen: "Noch ist die Firmenbewertung nicht dort, wo wir glauben hinzukommen."

Business-Angel-Vermittler Pasquali legte aber trotzdem nahe, sich Investoren nicht zu verschließen. Es gebe im aws-Netzwerk Business Angels, die nur in B2B-Projekte gehen und selbst aus der Industrie kommen. "Das wäre schon spannend".

Die nächste Ausgabe von "Pitch your Idea" findet in knapp einem Monat, am 23. Oktober, statt. (APA/red)