Auftragsforschung : Massive Zunahme der Anfragen

Heinz Seyringer Zumtobel
© Helene Waldner

Anfragen vor dem ersten Mai? Haben bei Heinz Seyringer die besseren Karten. Denn dann sind die Budgets des Lichtlösungsanbieters Zumtobel vielleicht noch nicht verplant. Das Geschäftsjahr der Vorarlberger endet Ende April – bis dahin wäre es also gut, bei den Vielforschern im Westen mit Projektideen vorstellig zu werden. Die sich Seyringer, zuständig für Forschungskooperationen, grundsätzlich gern anhört. Die Qualität der Anfragen habe „zugenommen“, beobachtet er. Aber auch die Zahl der Anfragen nahm zuletzt „massiv zu“, sagt der Zumtobel-Mann.

In schwachen Monaten habe er „zehn bis zwanzig Blindanfragen“ zu prüfen. In Stoßzeiten, etwa dann, wenn Förderprogramme auf Schiene gebracht werden, seien es mehr als doppelt so viele. Ganz geheuer ist ihm das nicht: Aufgrund der explosionsartigen Entwicklung müsse er spannende Projekte immer öfter wegschieben. „Wir müssen öfter einmal absagen und betrifft das einen langjährigen Partner, ist das natürlich besonders bitter“, sagt Seyringer.

Drittmittelbeschaffung

Seit der Verpflichtung der Hochschulen, mit Drittmitteln stärker den Haushalt zu entlasten, ist der Innovierlaune der heimischen Auftragsforschungsinstitute scheinbar keine Grenze mehr gesetzt. „Jede Uni ist bestrebt, gut dazustehen“, freut sich Zumtobel-Spezialist Heinz Seyringer. Zugleich wird mit immer härteren Bandagen um Projektpartnerschaften mit finanzierungsfreudigen Industriebetrieben gerittert. Man würde von Auftragsforschern „mit jeder Art von Projekten“ überhäuft, heißt es bei einem großen Fertigungsbetrieb. Und ortet auch hier dasselbe Problem: Spannende Zukunftsprojekte hätten wegen der herangetragenen Projektfülle „immer schlechtere Karten, in den engeren Kreis zu kommen“.

Aggressiveres Umwerben

Ursachen für die Schwemme an Projektanfragen gibt es mehrere. Die Tendenz, sich als Institut an die Industrie anzubiedern, damit ein bisserl Geld hereinkommt, wird häufig genannt. „Noch sind wir aber nicht dort, wo sich Unis als billige Ingenieurbüros prostituieren müssen“, meint ein Experte. Dass mit den Fachhochschulen deutlich aggressivere Industriepartner das Feld betreten, ist aber Fakt. Martin Kozek, Professor am Institut für Mechanik und Mechatronik der TU Wien, beobachtet, wie außeruniversitäre Institute reindrängen und alles daran legen, „Kooperationen mit Industriepartnern aufzubauen“. Gerald Schatz, Geschäftsführer des Linz Center of Mechatronics, indessen glaubt weniger, dass die wachsende Konkurrenz in der steigenden Zahl der Forschungsinstitute begründet liegt. Das Problem sei die Vielzahl der Förderschienen, „die sich mitunter gegenseitig kannibalisieren“, meint Schatz.

Er ortet „widersprüchliche Randbedingungen“ im umfassenden Regelwerk einzelner Programme. Andere bezweifeln das. Ronald Naderer, Chef des Linzer Roboterbauers FerRobotics, beobachtet eher, dass ein zusätzlicher Wettbewerb durch die Internationalisierungsoffensive vieler Institute in Gang kommt. „Die Unis platzieren ihre Themen zusehends international“, so Naderer. Mit Erfolg. Selbst bei KMU kommen längst nicht mehr nur heimische Institute zum Zug.

Priorisieren der Projekte

Für die Vielforscher der Industrie hat die Situation Gutes und Schlechtes. Einerseits „können die Abende lang werden“, wenn die Zahl der Projektanfragen steigt“, nimmt es Zumtobel-Experte Heinz Seyringer mit Humor. Schwieriger ist das Priorisieren der Projekte. Umgekehrt nehmen sich zumindest renommierte Institute den neuen Wettbewerb noch nicht wirklich zu Herzen. Dank guter Netzwerke haben sie trotz Konkurrenz eine gute Auslastung. Auch, weil FH-Forschung dann doch nicht immer in denselben Topf passe wie universitäre Forschung – eher im Gegenteil. Und: Die Luft für schwächere Anbieter werde „ganz oben ziemlich dünn“, so ein Forscher.

Daniel Pohselt