Daniel Pohselt : Billige PR-Masche

Kommt Ihnen die Meldung, russische Kriminelle hätten 1,2 Milliarden Passwörter und Nutzernamen bei einem Jahrhundert-Hack erbeutet, bekannt vor? Uns auch. Nur jenen PR-Agenturen offensichtlich nicht, die derzeit Kommentarangebote so genannter Security-as-a-Service-Anbieter in die Redaktionsstuben jagen, um ein Thema urbar zu machen, das in Wahrheit gar keins ist: Der Passwortklau, vor dem Sicherheitsfirmen und ihre Steigbügelhalter aus der PR-Szene warnen und für den sie schließlich balsamische Worte der Linderung („verspäteter Weckruf für Unternehmen“) für zahlungskräftige Kunden bereithalten, erscheint längst in einem reichlich schiefen Licht. Der aufgedeckte Milliarden-Hack, mit dem eine amerikanische Sicherheitsfirma für Furor sorgte, riecht nach Geschäftemacherei. Um herauszufinden, ob man als Seitenbetreiber von der Attacke betroffen sei, müsse eine Jahresgebühr von 100 Dollar an den Sicherheitsdienst entrichtet werden. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schrieb, es gebe in diesem Fall „eine ziemlich direkte Verbindung zwischen Panikmache und der Absicht, Geld zu machen“.
Warum also lassen sich Sicherheitsfirmen dazu hinreißen, noch so obskure Meldungen als billige PR zu instrumentalisieren? Weil die Branche von der Angst lebt. Der wirkliche Bedrohungszustand verhält sich disproportional dazu. Und PR-Agenturen, die ihren Stichwortgebern blind folgen, wissen es offenbar immer noch nicht besser: Blinder Klientelismus und mangelnde Distanzfähigkeit bringen die eigene Branche in Verruf. Oft nicht nur die.