BASF und CATL schmieden Allianz: Europas Batteriepläne am Abgrund
Ende Juli unterzeichnen BASF und CATL eine Rahmenvereinbarung mit globaler Reichweite: Gemeinsam wollen der Chemiekonzern aus Ludwigshafen und der chinesische Weltmarktführer neue Kathodenmaterialien entwickeln, Lieferketten absichern und die Batterieproduktion weltweit skalieren. Für BASF ist es ein Coup – der Konzern wird zum globalen Schlüssellieferanten eines Giganten, der in der Zellfertigung den Takt vorgibt. Im Fokus stehen Materialsysteme, die Automobilhersteller heute fordern: Hoch-Nickel-NMC mit weniger Kobalt, weiterentwickelte LFP-Formulierungen sowie manganreiche Kathoden für ein besseres Kosten-Leistungs-Verhältnis. Das Versprechen: höhere Energiedichte, stabilere Sicherheit, günstigere Produktion – also Reichweite, Preis und Robustheit in einem. BASF liefert Chemie-Know-how und Produktionsnetzwerk, CATL das Skalierungs- und Zellkompetenzpaket. Kurzfristig kann das in Europa wirken: kürzere Wege, bessere Versorgungssicherheit, Rückenwind für bestehende CATL-Standorte wie Thüringen – und Aufträge für BASF. Doch der strategische Preis ist hoch. Denn wer dem dominierenden Anbieter die Schlüsselkomponenten liefert, macht ihn nicht nur stärker, sondern auch unverzichtbarer. Partnerschaft klingt nach Win-win, ist aber im Batteriemarkt oft Machtpolitik: Derjenige, der Materialchemie, Zellplattform und Industrialisierung kontrolliert, setzt Standards – und definiert, wer in der Wertschöpfung oben sitzt.
Nie mehr verpassen, wie sich Europas Industrie unter chinesischem Druck verändert? Abonnieren Sie unser Daily Briefing – die wichtigsten News zu Batterie, Auto und Energie, jeden Morgen ab 7 Uhr in Ihrem Posteingang. Hier geht’s zur Anmeldung!
CATL baut Werk für Werk: Europa rüstet auf – aber als Juniorpartner im Systemkampf
CATL rüstet in Europa längst nicht mehr nur „mit“, sondern „vor“: Werk folgt Werk, nahe an den Autokunden, mit maximaler Kontrolle über Lieferketten und Technologie. Thüringen produziert, Ungarn wächst zum nächsten Gigastandort, in Spanien entstehen Joint-Venture-Kapazitäten – ein Muster, das Europas OEMs beruhigt, aber die Abhängigkeit vertieft. Gleichzeitig verschärft sich der globale Batteriekampf: CATL und BYD treiben Ladezeiten, Reichweiten und Kosten in immer schnelleren Zyklen nach vorn – und Europa schaut zu, wie Standards in Shenzhen und nicht in Stuttgart entstehen. Der Deal mit BASF wirkt dabei wie ein Brennglas auf Europas Dilemma: Man will lokale Wertschöpfung, bekommt aber oft nur lokalisierte Fertigung. Die europäische Batterieindustrie kämpft ums Überleben – und der Durchbruch lässt auf sich warten. Northvolt, einst Hoffnungsträger, scheiterte an Skalierung und Finanzierung; ACC bremste Projekte, Verkor startet kleiner als chinesische Rivalen. Selbst wenn Volkswagen mit PowerCo und der „Unified Cell“ gegensteuert, bleibt der Abstand bei Tempo und Industriereife groß. Für Deutschland ist das doppelt riskant: Absatzprobleme in China treffen die Autobauer, während Batteriekompetenz und Zellproduktion zunehmend aus China kommen. BASF-CATL kann Lieferketten stabilisieren – darf aber nicht zum Feigenblatt werden. Ohne eigene Zelltechnologie, Forschung und industrielle Skalierung droht Europa bei der Schlüsseltechnologie der E-Mobilität nicht nur zurückzufallen, sondern die Kontrolle endgültig abzugeben.