Mercedes Militärfahrzeuge : Mercedes-G-Klasse: Vom teuren Statussymbol zum Einsatzfahrzeug an der Nato-Grenze
Mercedes-G-Klasse: Vom Luxusauto zum Einsatzfahrzeug an der Nato-Grenze
- © Mercedes BenzLitauen treibt die Modernisierung seiner Streitkräfte weiter voran und setzt dabei erneut auf Militärtechnik aus Deutschland. Die litauische Armee soll in den kommenden Jahren Geländewagen der Mercedes-Benz G-Klasse sowie Militärlastwagen der Baureihen Unimog, Zetros und Arocs erhalten. Der Rahmen der Beschaffung liegt nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums bei rund einer Milliarde Euro. Die Fahrzeuge sollen zwischen 2026 und 2032 geliefert werden.
Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von der litauischen Verteidigungsressourcenagentur mit UAB „Veho Lietuva“, dem lokalen Vertreter von Mercedes-Benz Group AG und Daimler Truck. Die neue Fahrzeugflotte soll vor allem die logistischen Fähigkeiten der litauischen Streitkräfte stärken: Truppen, Waffen, Ausrüstung und Nachschub sollen schneller und zuverlässiger bewegt werden können. Das Ministerium bezeichnet die Beschaffung als eine der größten Investitionen in die Logistik der litauischen Armee.
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EU-Verteidigung: SAFE-Programm finanziert Litauens Militärdeal
Die Finanzierung soll teilweise über das EU-Programm SAFE erfolgen. Dieses Instrument stellt Darlehen von bis zu 150 Milliarden Euro bereit, damit EU-Staaten ihre Verteidigungsinvestitionen – insbesondere durch gemeinsame Beschaffung – deutlich erhöhen können. Nach Angaben aus Vilnius sind die Zahlungen über mehrere Jahre gestaffelt. Für 2027 sollen sie 100 Millionen Euro nicht überschreiten; im laufenden Jahr sind zunächst Zahlungen von etwa drei Millionen Euro vorgesehen, wobei die endgültige Summe von den tatsächlich produzierten Fahrzeugen abhängt.
Der Vertrag verpflichtet Litauen nicht dazu, die maximal vorgesehene Zahl an Fahrzeugen vollständig abzunehmen. Die litauische Regierung begründet den breiten Vertragsrahmen mit Flexibilität: Bei zusätzlichem Bedarf könnten weitere Fahrzeuge schneller beschafft werden, ohne neue Verträge abschließen zu müssen. Zugleich verweist das Verteidigungsministerium darauf, dass die Wahl der Hersteller die Kompatibilität mit bereits genutzten Fahrzeugen verbessern und Kosten für Betrieb, Ausbildung und Wartung senken soll.
Nato-Ostflanke: Litauen rüstet Armee gegen Russland-Bedrohung auf
Die Beschaffung ist Teil eines deutlich größeren Aufrüstungsprogramms. Litauen baut bis 2030 eine nationale Division auf und investiert nicht nur in Kampfkraft, sondern auch in Transport, Versorgung und Durchhaltefähigkeit. Für 2026 hat das Parlament in Vilnius einen Verteidigungshaushalt von rund 4,79 Milliarden Euro beziehungsweise 5,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beschlossen – nach Ministeriumsangaben der höchste Verteidigungsetat seit Wiedererlangung der Unabhängigkeit.
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Der sicherheitspolitische Hintergrund ist eindeutig: Litauen grenzt im Westen an die russische Exklave Kaliningrad und im Osten an Belarus, den engsten militärischen Verbündeten Russlands. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird die Bedrohung in Vilnius als unmittelbar wahrgenommen. Die Regierung sieht deshalb den Ausbau der eigenen Streitkräfte und die dauerhafte Präsenz verbündeter Nato-Truppen als zentrale Säulen der Abschreckung.
Daimler Truck: Unimog, Zetros und Arocs stärken Militärlogistik
Für Mercedes-Benz und Daimler Truck ist der Auftrag aus Litauen wirtschaftlich und strategisch bedeutsam. Die G-Klasse, die künftig von litauischen Soldaten genutzt werden soll, gehört zu den traditionsreichsten Geländewagen der Marke. Das Modell wird seit 1979 bei Magna in Graz gefertigt; im Jahr 2023 wurde dort bereits das 500.000. Fahrzeug produziert. Ursprünglich als besonders robustes Geländefahrzeug entwickelt, hat sich die G-Klasse im zivilen Markt längst zu einem hochpreisigen Premiummodell entwickelt. Dass Litauen sie nun erneut für militärische Zwecke beschafft, unterstreicht die Doppelrolle des Fahrzeugs: Es ist Luxusmodell und Einsatzfahrzeug zugleich.
Auch für Daimler Truck fügt sich der Großauftrag in ein wachsendes Geschäftsfeld ein. Die bestellten Baureihen Zetros, Arocs und Unimog gehören zum Portfolio von Mercedes-Benz Special Trucks, das Fahrzeuge für besonders anspruchsvolle Einsatzbedingungen anbietet. Unimog und Zetros sind auf Geländegängigkeit und robuste Transportaufgaben ausgelegt, während der Arocs vor allem für schwere Lasten und anspruchsvolle Einsätze konzipiert ist. Für den Konzern bedeutet der Auftrag planbare Produktion über mehrere Jahre und eine stärkere Präsenz im europäischen Verteidigungsmarkt. Zugleich zeigt der Deal, dass militärische Logistik in Europa wieder stärker an Bedeutung gewinnt – und dass deutsche Hersteller dabei eine wichtige Rolle spielen.