Covenant Marschflugkörper Sachsen : Covenant: Der neue Rüstungsakteur aus Amerika setzt auf Sachsen
Covenant will in Sachsen ab 2027 Marschflugkörper des Typs Anthem produzieren. Das US-Rüstungs-Start-up setzt auf günstigere Langstreckenwaffen in großer Stückzahl – und zielt damit auf Europas wachsenden Bedarf an Präzisionswaffen.
- © CovenantDas US-Rüstungsunternehmen Covenant will Anfang 2027 in Sachsen mit der Serienproduktion seines neuen Marschflugkörpers „Anthem“ beginnen. Die Fabrik soll zunächst auf eine Jahresproduktion von rund 1.000 Flugkörpern kommen. Bereits im darauffolgenden Jahr will das Unternehmen die Fertigung deutlich hochfahren: Die Anlage ist nach Angaben von Covenant für bis zu 5.000 Flugkörper pro Jahr ausgelegt.
Damit verfolgt das erst 2024 gegründete Unternehmen einen Ansatz, der sich deutlich von vielen traditionellen Rüstungsprogrammen unterscheidet. Statt hochkomplexe Waffen in vergleichsweise kleinen Stückzahlen zu fertigen, setzt Covenant auf niedrigere Kosten und Massenproduktion. Firmenchef und Mitgründer Michael Kaufman begründet die Strategie mit den hohen Preisen und geringen Produktionsraten vieler etablierter Langstreckenwaffen. Reuters zufolge strebt Covenant bei voller Serienfertigung einen Stückpreis im mittleren sechsstelligen Dollarbereich an.
Covenant hat nach Angaben des Unternehmens bereits Aufträge im Umfang von rund 150 Millionen Dollar verbucht. Hinter dem Start-up stehen prominente Technologieinvestoren. Mehr als 250 Millionen Dollar Kapital kamen bislang unter anderem von Andreessen Horowitz, dem von Peter Thiel mitgegründeten Founders Fund, Lux Capital, 8VC, Aleph und Lightspeed. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile mehr als 200 Menschen in den USA, Deutschland und Israel.
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Anthem: Warum dieser Marschflugkörper Europas Arsenal ergänzen soll
„Anthem“ ist ein bodengestützter Marschflugkörper, der nach Angaben Covenants eine Nutzlast von mehr als 200 Kilogramm tragen kann. Für den Start verwendet das System einen Feststoffraketenmotor. Anschließend übernimmt im Reiseflug ein mit schwerem Treibstoff betriebenes Strahltriebwerk den Antrieb. Das Unternehmen gibt an, innerhalb des vergangenen Jahres mehr als 200 Testflüge durchgeführt zu haben.
Der Ansatz zielt darauf, Streitkräften den Einsatz größerer Stückzahlen weitreichender Präzisionswaffen zu ermöglichen. Covenant positioniert Anthem dabei nicht zwingend als direkten Ersatz für Systeme wie den amerikanischen Tomahawk, sondern als günstigere Ergänzung zu teureren Langstreckenwaffen. Die Idee dahinter: In einem länger dauernden Konflikt reicht es nicht aus, lediglich über wenige besonders leistungsfähige Flugkörper zu verfügen. Entscheidend sind auch ausreichend große Vorräte und die Möglichkeit, verbrauchte Bestände schnell wieder aufzufüllen.
Ukraine-Krieg verändert Europas Bedarf an Präzisionswaffen
Genau diese Frage hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine erheblich an Bedeutung gewonnen. Der Krieg zeigt, wie große Mengen an Raketen, Marschflugkörpern, Drohnen und anderer Präzisionsmunition innerhalb kurzer Zeit verbraucht werden können. Gleichzeitig benötigen westliche Hersteller für manche komplexen Waffensysteme lange Produktionszyklen.
Covenant will deshalb auch die Lieferkette breiter aufstellen. Nach Angaben des Unternehmens wurden bewusst mehrere Anbieter für zentrale Komponenten eingeplant, um Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten zu vermeiden. Allein für die Strahltriebwerke seien langfristige Vereinbarungen über mehr als 4.000 Einheiten innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen worden.
Sachsen, Texas, Israel: Covenant baut ein neues Rüstungsnetzwerk
Neben dem deutschen Standort baut Covenant seine Fertigung auch in den USA und Israel auf. Das Werk in Dallas im Bundesstaat Texas umfasst Reuters zufolge knapp 10.000 Quadratmeter und soll ebenfalls auf eine Kapazität von 5.000 Flugkörpern jährlich kommen. Die sächsische Anlage soll eine ähnliche Größenordnung erreichen. Ein kleinerer Standort im Norden Israels ist demnach für bis zu 2.000 Systeme pro Jahr vorgesehen. Zusammengenommen strebt Covenant damit perspektivisch eine Produktionskapazität von rund 12.000 Marschflugkörpern jährlich an.
Für Europa ist insbesondere die Lieferkette des deutschen Werks von Bedeutung. Covenant erklärt, die Fertigung in Sachsen weitgehend unabhängig von Komponenten aus den Vereinigten Staaten organisieren zu wollen. Weniger als fünf Prozent der Bauteile sollen von außerhalb Europas stammen. Damit reagiert das Unternehmen auch auf den politischen Wunsch vieler europäischer Staaten, ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Rüstungslieferanten zu reduzieren.
Der frühere Bundeswehr-General Andreas Marlow, der Covenant berät, sieht in einer europäischen Produktion von weitreichenden Flugkörpern einen wichtigen Baustein für die Abschreckungsfähigkeit Europas.
Taurus und Tomahawk: Wie Deutschland seine Langstreckenwaffen ausbaut
Deutschland und mehrere europäische Partner arbeiten bereits unabhängig von Covenant daran, die bestehende Fähigkeitslücke bei weitreichenden Präzisionswaffen zu schließen. Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Schweden und Großbritannien haben sich dafür im Rahmen des „European Long-Range Strike Approach“, kurz ELSA, zusammengeschlossen. Die Initiative soll Entwicklung, Beschaffung und industrielle Zusammenarbeit bei weitreichenden Präzisionswaffen beschleunigen. Im Februar 2026 nannten die beteiligten Verteidigungsminister unter anderem kostengünstige Systeme mit Reichweiten von mehr als 500 Kilometern als einen gemeinsamen Entwicklungsbereich.
Auch Deutschland verfolgt mehrere Wege parallel. Neben europäischen Neuentwicklungen und der Modernisierung des Taurus-Systems soll die Bundeswehr künftig über amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper verfügen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte im Juli 2026, Deutschland habe sich mit Washington grundsätzlich auf den Erwerb von Tomahawks sowie der dazugehörigen bodengestützten Typhon-Startsysteme verständigt. Die genaue Zahl der geplanten Flugkörper und Abschussgeräte ist nicht öffentlich.
Covenant muss jetzt beweisen, dass Massenproduktion funktioniert
Damit hat sich auch die Situation gegenüber den ursprünglichen amerikanischen Stationierungsplänen verändert. Noch unter US-Präsident Joe Biden war vorgesehen gewesen, ein amerikanisches Bataillon mit weitreichenden Waffensystemen in Deutschland zu stationieren. Nach der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus geriet dieses Vorhaben ins Wanken. Deutschland setzt inzwischen verstärkt darauf, entsprechende Fähigkeiten selbst zu beschaffen und parallel europäische Systeme zu entwickeln.
Für Covenant eröffnet diese Entwicklung einen großen potenziellen Markt. Ob das Start-up seine ambitionierten Ziele tatsächlich erreicht, dürfte allerdings entscheidend davon abhängen, ob die angekündigte Massenproduktion technisch und industriell funktioniert. Gerade junge Rüstungsunternehmen müssen erst beweisen, dass sich Prototypen und erfolgreiche Tests in eine zuverlässige Serienfertigung mit Tausenden Flugkörpern übertragen lassen.
Sollte Covenant die angekündigten Produktionsraten erreichen, könnte das Werk in Sachsen dennoch zu einem bedeutenden Standort für Europas wachsende Produktion weitreichender Präzisionswaffen werden. Die geplante Kapazität von bis zu 5.000 Anthem-Flugkörpern pro Jahr zeigt dabei vor allem eines: Im Wettbewerb um neue Langstreckenwaffen geht es längst nicht mehr allein um Reichweite und technische Leistungsfähigkeit, sondern zunehmend auch um Preis, verfügbare Stückzahlen und die Fähigkeit, im Ernstfall schnell nachproduzieren zu können.