Schaeffler Drohnen : Schaeffler: Der Autozulieferer sucht seine Zukunft in Kampf- und Abfangdrohnen
Produktion bei Schaeffler: Der fränkische Auto- und Industriezulieferer bringt seine Erfahrung aus Serienfertigung, Lieferketten und Qualitätsmanagement nun auch in neue Wachstumsfelder wie das Verteidigungsgeschäft ein.
- © SchaefflerDer fränkische Industrie- und Autozulieferer Schaeffler baut sein Engagement außerhalb des klassischen Automobilgeschäfts aus und geht dafür eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Drohnenhersteller Delair ein. Ziel der Kooperation ist der Aufbau einer neuen Produktionslinie in Frankreich, auf der ab November 2026 rund 100 Kampf- und Abfangdrohnen pro Tag gefertigt werden sollen. Schaeffler liefert nach eigenen Angaben Komponenten und industrielle Fertigungskompetenz, während Delair seine Erfahrung in Design, Integration und operativem Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme einbringt.
Produziert werden sollen zunächst Drohnen des Typs Damoclès sowie die neu angekündigte Abfangdrohne Aspik. Die Fertigung findet nicht in einem Schaeffler-Werk in Deutschland statt, sondern an einem Standort des französischen Partners Delair in Frankreich. Damit ist Schaeffler vor allem als industrieller Partner in die Serienfertigung eingebunden: Das Unternehmen soll helfen, die Produktion bei Delair auf größere Stückzahlen auszulegen und zu stabilisieren.
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Damoclès und Aspik: Die neuen Drohnen für Schaefflers Verteidigungsgeschäft
Die Damoclès-Drohne ist bereits von der Direction générale de l’armement, der Beschaffungsbehörde des französischen Verteidigungsministeriums, qualifiziert worden und wird laut Schaeffler vom französischen Heer genutzt. KNDS France und Delair hatten zuvor mitgeteilt, dass die Munition TéléOpérée Damoclès nach einer Qualifikationskampagne durch die DGA freigegeben wurde; die abschließenden Tests umfassten zehn erfolgreiche Schüsse nach mehreren hundert vorherigen Erprobungen ohne Wirkladung.
Für Schaeffler markiert die Partnerschaft einen weiteren Schritt in der Diversifizierung des Geschäfts. Der Konzern aus Herzogenaurach war jahrzehntelang vor allem als Hersteller von Komponenten für Fahrzeuge, Antriebe, Lagertechnik und industrielle Anwendungen bekannt. Doch das Umfeld in der Autoindustrie bleibt schwierig: In den Ergebnissen für 2025 berichtete Schaeffler von einem Konzernumsatz von 23,5 Milliarden Euro, einer nur leicht rückläufigen Entwicklung auf Pro-forma-Basis und einer Belegschaft von 110.753 Beschäftigten weltweit zum Jahresende. Zugleich nannte das Unternehmen neue Wachstumsfelder, darunter humanoide Robotik und das Verteidigungsgeschäft.
Vom Autozulieferer zum Industriepartner für die Serienproduktion
Die Neuausrichtung steht auch im Zusammenhang mit dem tiefgreifenden Wandel der Autozulieferindustrie. Klassische Komponenten für Verbrennerantriebe verlieren an Wachstumskraft, während E-Mobilität, Software, Automatisierung und neue industrielle Anwendungen an Bedeutung gewinnen. Schaeffler hatte 2024 zudem die Verschmelzung mit Vitesco Technologies abgeschlossen und sich damit breiter entlang der Wertschöpfungskette für Antriebs- und Bewegungstechnologie aufgestellt.
Delair bringt in die Partnerschaft nicht nur Drohnenkompetenz, sondern auch eigene Fertigungserfahrung ein. Das Unternehmen verweist auf Produktions- und Lagerkapazitäten in Toulouse sowie auf Fachkräfte für industrielle Lackierung, Verbundwerkstoffe, Elektronik-Lötarbeiten und mechanische Montage. Für Schaeffler ist das relevant, weil der geplante Hochlauf auf rund 100 Einheiten täglich eine industriell skalierte Fertigung erfordert – also standardisierte Prozesse, gesicherte Zulieferketten und eine Produktion, die über Kleinserien hinausgeht.
Europas Rüstungsindustrie braucht Masse – Schaeffler liefert Fertigungskompetenz
Der Schritt passt in einen größeren europäischen Trend. Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine haben Drohnen und sogenannte loitering munitions, also unbemannte Systeme, die über einem Zielgebiet kreisen und anschließend angreifen können, stark an militärischer Bedeutung gewonnen. Auch andere Unternehmen aus der Fahrzeugindustrie werden inzwischen in Verteidigungsprojekte eingebunden. So vereinbarte Renault mit Thales, künftig Toutatis-Drohnen in deutlich größeren Stückzahlen zu produzieren; Reuters berichtete im Juni 2026 von geplanten 1.000 Einheiten pro Monat ab dem kommenden Jahr.
Die Kooperation von Schaeffler und Delair zeigt damit, wie sich industrielle Kompetenzen aus der zivilen Massenfertigung zunehmend mit militärischen Anforderungen verbinden. Für die europäische Rüstungsindustrie geht es nicht nur um neue Waffensysteme, sondern vor allem um skalierbare Produktion. Genau an dieser Stelle setzt Schaefflers Rolle an: Der Konzern bringt Erfahrung aus hochautomatisierten Lieferketten, Qualitätsmanagement und Serienproduktion ein, während Delair die drohnenspezifische Entwicklung verantwortet.
Offen bleibt, wie groß das langfristige Geschäft für Schaeffler werden kann und welche Kunden die neuen Drohnen in welcher Stückzahl abnehmen werden. Gesichert ist bislang: Die neue Produktionslinie soll in Frankreich entstehen, ab November 2026 rund 100 Einheiten pro Tag liefern und zunächst Damoclès- sowie Aspik-Systeme umfassen. Für Schaeffler ist der Einstieg ein deutliches Signal, dass der Konzern seine Zukunft nicht mehr allein im automobilen Kerngeschäft sucht.