Waffenhersteller Österreich : Rüstungsindustrie in Österreich: Die mächtigsten Unternehmen im Porträt

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Drohnen für das Österreichische Bundesheer: Österreichs Rüstungsindustrie im Überblick 

- © Das österreichische Bundesheer

Die europäische Rüstungsindustrie erlebt derzeit einen bedeutenden Aufschwung, getrieben durch geopolitische Spannungen und eine strategische Neuausrichtung der nationalen Verteidigungspolitik. Trotz der verfassungsmäßigen Neutralität Österreichs hat sich die Branche zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, der sowohl sicherheits- als auch industriepolitisch an Bedeutung gewinnt.​

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Österreich zählt in Europa nicht zu den klassischen Rüstungsexporteuren wie Frankreich, Deutschland oder Italien. Dennoch existieren hier mehrere hochspezialisierte Unternehmen, die in den Bereichen Militärtechnik, Luftfahrt, Panzer- und Energiesysteme sowie IT- und Softwarelösungen tätig sind. Ihre Produkte dienen sowohl dem Bundesheer, internationalen Streitkräften als auch zivilen Sicherheitsanwendungen. 

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Rüstungsindustrie in Österreich: Wie groß ist ihr Beitrag zur Wirtschaft?

Die Bedeutung der Rüstungsindustrie in der österreichischen Gesamtwirtschaft ist vergleichsweise gering, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Mit einem direkten Beitrag von etwa 3,3 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet die Branche rund 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das ist ein relativ kleiner Anteil, wenn man ihn mit anderen Industriezweigen oder den Verteidigungsausgaben anderer EU-Staaten vergleicht – dennoch spielt die Rüstungsindustrie in bestimmten Regionen und Sektoren eine zentrale wirtschaftliche Rolle.

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Im Jahr 2023 beliefen sich Österreichs Verteidigungsausgaben auf rund 2,88 Milliarden Euro, was etwa 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprach. Das österreichische BIP lag laut Statistik Austria im selben Jahr bei rund 473,2 Milliarden Euro. Damit liegt Österreich deutlich unter dem EU-Durchschnitt von etwa 1,3 Prozent, wie aus Daten von Eurostat hervorgeht. Länder wie Estland (2,7 %), Lettland (3,1 %) oder Schweden (1,8 %) investieren im Verhältnis zum BIP deutlich mehr in ihre Verteidigung.

Zum Vergleich: Laut der Weltbank lag der Anteil der Militärausgaben in Österreich im Jahr 2023 bei 0,84 Prozent des BIP – ein Wert, der über jenem von Eurostat liegt. Dieser Unterschied ergibt sich aus verschiedenen Berechnungsgrundlagen: Während Eurostat nur Ausgaben im Rahmen der staatlichen Haushaltsführung („government expenditure“) zählt, inkludiert die Weltbank auch zusätzliche militärische Ausgaben wie Pensionszahlungen für Veteranen oder militärische Forschung. Beide Methoden sind legitim, aber für den EU-weiten Vergleich wird meist die Eurostat-Zahl verwendet.

Die österreichische Bundesregierung plant, ihre Verteidigungsausgaben bis zum Jahr 2032 schrittweise auf bis zu 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuheben. Grundlage dafür ist das Regierungsprogramm „Unser Heer 2032+“, das ein Investitionsvolumen von rund 16 bis 17 Milliarden Euro für den Zeitraum 2023 bis 2032 vorsieht. Ziel ist es, die Modernisierung des Bundesheeres voranzutreiben, die militärische Infrastruktur auszubauen, moderne Ausrüstung zu beschaffen und langfristig auch die nationale Sicherheits- und Rüstungsindustrie zu stärken. Die gesetzliche Grundlage für diese Budgeterhöhung bildet die Novelle des Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetzes (LV-FinG), die im Jahr 2022 beschlossen wurde.

Diese relativ zurückhaltende Budgetierung hat historische und verfassungsrechtliche Gründe. Die immer noch geltende Neutralität Österreichs – verankert im Neutralitätsgesetz von 1955 – limitiert nicht nur außenpolitische Entscheidungen, sondern wirkt sich auch auf die Rüstungsexporte und auf internationale Kooperationen aus. So unterliegen Waffen- und Dual-Use-Güter strengen Genehmigungsverfahren und dürfen in viele Drittstaaten nur sehr eingeschränkt exportiert werden.

Die größten Rüstungsunternehmen Österreichs: Waffenhersteller, Munition und Militärtechnologie im Überblick

Zu den wichtigsten klassischen Rüstungsunternehmen Österreichs zählen vor allem 

  • Hirtenberger Defence Systems, 
  • Steyr Arms, Glock Ges.m.b.H., 
  • Rheinmetall Waffe Munition Arges GmbH und 
  • Schiebel Elektronische Geräte GmbH. 

Diese Unternehmen sind direkt in die Entwicklung und Produktion militärischer Waffensysteme, Munition oder Einsatzmittel involviert – im Gegensatz zu Zulieferern, die etwa nur Komponenten für die Luftfahrt oder Elektronik beisteuern. Hirtenberger Defence Systems ist führend in der Herstellung von Mörsermunition und Zündsystemen. Steyr Arms produziert Sturmgewehre und Scharfschützengewehre, die weltweit von Sicherheitskräften genutzt werden. Glock ist international bekannt für seine Pistolen, die bei Polizei und Militär in über 100 Ländern im Einsatz sind. Rheinmetall Arges mit Sitz in Wiener Neustadt stellt Granatwerfer und 40mm-Munition her und ist eng in internationale Rüstungsprogramme eingebunden. Schiebel wiederum hat sich auf unbemannte Luftfahrtsysteme spezialisiert – vor allem den militärisch genutzten Camcopter S-100, der in über 20 Staaten im Einsatz ist. Gemeinsam bilden diese Unternehmen das Kernsegment der österreichischen Rüstungsindustrie.

Hirtenberger Defence Systems: Technologischer Schrittmacher der österreichischen Rüstungsindustrie

Hirtenberger Defence Systems gilt als das größte und traditionsreichste Rüstungsunternehmen Österreichs. Mit Hauptsitz im niederösterreichischen Hirtenberg und einer Unternehmensgeschichte, die bis ins Jahr 1860 zurückreicht, ist der Konzern heute ein weltweit agierender Spezialist für Munitions- und Waffentechnologie. Besonders stark ist Hirtenberger in der Entwicklung und Fertigung von Artilleriemunition, Mörsersystemen und pyrotechnischen Komponenten vertreten. In Österreich kommt dem Unternehmen dabei eine zentrale Rolle zu – sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.

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Das Unternehmen beschäftigt rund 1.800 Mitarbeitende und erzielt einen geschätzten Jahresumsatz von etwa 180 Millionen Euro. Damit ist Hirtenberger Defence Systems nicht nur der größte Rüstungsproduzent des Landes, sondern auch ein bedeutender Industriearbeitgeber in der Region südlich von Wien. Das Unternehmen gehört zur Schweizer AEQUITA-Gruppe, operiert aber eigenständig unter österreichischer Leitung und mit starker regionaler Verankerung.

Das Kerngeschäft des Unternehmens umfasst Mörsersysteme (60mm, 81mm, 120mm), Mörsergranaten, Zünder, Brandsätze sowie Komponenten für Sicherheits- und Trainingsanwendungen. Besonders bekannt ist Hirtenberger für seine hochpräzise gefertigte 120mm-Mörsermunition, die sowohl vom österreichischen Bundesheer als auch von NATO-Partnern eingesetzt wird. Neben klassischen Gefechtsköpfen entwickelt das Unternehmen zunehmend moderne, technologisch erweiterte Systeme – darunter infrarotgesteuerte oder zeitverzögerte Zünder. Auch in der Forschung zu nicht-tödlicher Munition und Urban-Combat-Szenarien ist Hirtenberger aktiv.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Unternehmens ist seine starke Exportorientierung: Rund 90 Prozent der Produktion gehen in den internationalen Markt, darunter zahlreiche NATO-Staaten, aber auch neutralitätskonforme Länder in Asien und Südamerika. Durch diese globale Ausrichtung und die Spezialisierung auf Nischenprodukte konnte sich Hirtenberger eine stabile Marktposition sichern – selbst in einem zunehmend politisierten und reglementierten Umfeld wie der europäischen Rüstungsbranche.

81-mm-Mörser von Hirtenberger Defence

- © Hirtenberger Defence Systems

Die Rolle von Hirtenberger Defence Systems im nationalen Sicherheitsapparat ist ebenfalls von Bedeutung. Als einer der wichtigsten Zulieferer des österreichischen Bundesheeres trägt das Unternehmen wesentlich zur Einsatzfähigkeit der Streitkräfte bei. In Notlagen – wie etwa bei Naturkatastrophen oder großräumigen Krisen – liefern pyrotechnische Systeme und Sprengtechnik von Hirtenberger wertvolle Unterstützung für Pioniereinheiten, Kampfmittelräumer oder Katastrophenschutzkräfte.

Auch die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen in Österreich, etwa mit der Technischen Universität Wien oder dem Forschungszentrum Seibersdorf, stärkt die Innovationskraft des Unternehmens. Der Fokus liegt dabei auf Digitalisierung von Waffen- und Zielsystemen, vernetzter Gefechtsführung und der Entwicklung nachhaltigerer Treibstoffe sowie umweltschonender Produktionsmethoden.

Trotz dieser Erfolge steht Hirtenberger – wie die gesamte europäische Rüstungsindustrie – vor Herausforderungen: strenge Exportkontrollen, politische Debatten um Waffenlieferungen und volatile Absatzmärkte machen eine langfristige Planung schwierig. Dennoch bleibt das Unternehmen ein strategischer Pfeiler der österreichischen Sicherheitswirtschaft.

Insgesamt zeigt sich Hirtenberger Defence Systems als Paradebeispiel für einen mittelständischen, hochspezialisierten Rüstungshersteller, der Tradition mit moderner Technologie verbindet und eine Schlüsselrolle in der österreichischen Verteidigungsarchitektur einnimmt. In wirtschaftlicher Hinsicht trägt das Unternehmen mit seiner Exportleistung, Innovationskraft und regionalen Wertschöpfung maßgeblich zum industriellen Rückgrat der heimischen Rüstungslandschaft bei.

Steyr Arms: Traditionsreicher Waffenhersteller mit internationaler Bedeutung

Steyr Arms ist eines der traditionsreichsten Rüstungsunternehmen Österreichs und zählt zu den weltweit bekannten Herstellern moderner Handfeuerwaffen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Steyr (Oberösterreich) und geht auf die 1864 gegründete „Österreichische Waffenfabriksgesellschaft“ zurück. Bis heute steht der Name Steyr für Präzision, Innovationskraft und Waffenentwicklung auf höchstem technologischen Niveau. Die Produkte von Steyr Arms werden nicht nur vom österreichischen Bundesheer, sondern auch von zahlreichen internationalen Streitkräften, Spezialeinheiten und Polizeieinheiten verwendet.

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Im Zentrum des Produktportfolios stehen Sturmgewehre, Scharfschützengewehre, Jagdwaffen und sportliche Präzisionswaffen. Besonders bekannt ist das Sturmgewehr Steyr AUG (Armee-Universal-Gewehr), das seit den 1970er-Jahren gefertigt wird und in über 35 Ländern im Einsatz ist. Mit seinem charakteristischen bullpup-Design (bei dem das Magazin hinter dem Abzug liegt) war das AUG eines der ersten Sturmgewehre mit integrierter Zieloptik und modularem Aufbau. Es wurde international vielfach übernommen – unter anderem von Streitkräften in Australien, Irland, Luxemburg, Malaysia und Neuseeland. Auch in Österreich ist das Steyr AUG seit Jahrzehnten das Standardgewehr des Bundesheeres.

Neben dem AUG produziert Steyr Arms eine Vielzahl an hochwertigen Präzisionswaffen wie das Steyr SSG 08 oder das Scout Rifle, die vor allem bei Spezialeinheiten geschätzt werden. In der zivilen Sparte vertreibt das Unternehmen auch Jagd- und Sportwaffen, wobei der Fokus immer stärker auf internationaler Expansion und Nischenmärkten liegt. Technologische Merkmale wie Kaliber-Vielfalt, modulare Systeme, thermische Stabilität und extreme Zielgenauigkeit heben Steyr Arms deutlich von vielen Mitbewerbern im Kleinwaffensegment ab.

Steyr Arms ist nicht nur für seine Produkte, sondern auch für seine Rolle als Industrie- und Sicherheitsstandort von Bedeutung. Das Unternehmen beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist damit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in der Region Steyr. Als eines der wenigen Unternehmen in Österreich, das komplette Waffensysteme entwickelt und produziert, nimmt es eine Schlüsselstellung innerhalb der österreichischen Rüstungsindustrie ein – insbesondere im Bereich Infanteriebewaffnung.

Steyr Arms- Werk bei Steyr

- © Steyr Arms

Die Bedeutung von Steyr Arms geht jedoch über den nationalen Rahmen hinaus. Der Exportanteil liegt bei rund 90 %, was das Unternehmen zu einem der wichtigsten österreichischen Akteure auf dem internationalen Rüstungsmarkt macht. Trotz internationaler Konkurrenz durch US-amerikanische, deutsche und israelische Waffenhersteller behauptet sich Steyr Arms durch hohe Qualität, Innovationsfähigkeit und langjährige Beziehungen zu staatlichen Abnehmern.

Gleichzeitig sieht sich das Unternehmen – wie die gesamte Branche – mit politischen und regulatorischen Herausforderungen konfrontiert. Als Waffenproduzent unterliegt Steyr Arms strengen Exportkontrollen und Auflagen im Rahmen des österreichischen Neutralitätsgesetzes sowie der EU-Exportverordnung für Rüstungsgüter. Dennoch gelingt es dem Unternehmen, durch Kooperationen, Forschungspartnerschaften und technische Weiterentwicklung, seine Position als führender Kleinwaffenhersteller Österreichs zu behaupten.

Glock: Global erfolgreicher Pistolenhersteller mit Sitz in Niederösterreich

Die Glock Ges.m.b.H. mit Firmensitz in Deutsch-Wagram (Niederösterreich) ist eines der bekanntesten und zugleich verschwiegensten Rüstungsunternehmen Österreichs. International bekannt wurde Glock in den 1980er-Jahren durch die Entwicklung der Glock 17, einer Dienstpistole, die sich aufgrund ihres Kunststoffrahmens, der einfachen Bauweise und hohen Zuverlässigkeit rasch durchsetzte. Heute gehört Glock zu den führenden Herstellern von Pistolen weltweit – nicht nur im zivilen Bereich, sondern vor allem im militärischen und polizeilichen Einsatz.

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Glock produziert ausschließlich in Österreich, der Slowakei und den USA. Ein Großteil der in Österreich produzierten Waffen geht in den Export. Zu den Abnehmern zählen Polizei- und Militäreinheiten in über 100 Ländern, darunter die österreichische Exekutive, das Bundesheer, aber auch Organisationen wie das FBI oder Spezialeinheiten in Südamerika und Südostasien. Der genaue Umsatz wird vom Unternehmen nicht veröffentlicht, Schätzungen zufolge liegt er jedoch im Bereich von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr. Damit ist Glock einer der größten privaten Waffenhersteller Europas.

Im Unterschied zu vielen anderen Rüstungsunternehmen in Österreich vermeidet Glock öffentliche Auftritte. Presseanfragen bleiben häufig unbeantwortet, auch Geschäftsberichte oder soziale Verantwortungsthemen werden nicht kommuniziert. Diese Zurückhaltung hat in der Vergangenheit wiederholt Kritik ausgelöst – etwa in Zusammenhang mit der Intransparenz bei Exportgenehmigungen oder möglichen politischen Kontakten. Auch gab es vereinzelt Vorwürfe bezüglich undurchsichtiger Auslandsgeschäfte, die juristisch jedoch nicht zu einer Verurteilung führten.

Glock-Produktion in Deutsch-Wagram 

- © Glock

Trotz der öffentlichen Zurückhaltung ist Glock ein zentraler Akteur in der österreichischen Rüstungswirtschaft. Das Unternehmen beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Region und ist maßgeblich für einen großen Teil der österreichischen Waffenexporte verantwortlich. Anders als etwa Steyr Arms oder Hirtenberger Defence Systems produziert Glock ausschließlich Kleinwaffen, vorwiegend Pistolen mit Kalibern zwischen 9 mm und .45 ACP.

In sicherheitspolitischen Debatten in Österreich spielt das Unternehmen allerdings kaum eine Rolle – nicht zuletzt, weil es durch seine wirtschaftliche Stärke, aber kommunikative Zurückhaltung wenig Angriffsfläche bietet. Dennoch bleibt Glock ein international relevanter Player mit österreichischer Herkunft, dessen Bedeutung für die heimische Rüstungsindustrie kaum überschätzt werden kann – wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch.

Airborne Technologies GmbH: Hightech aus Wiener Neustadt für Sicherheits- und Verteidigungseinsätze weltweit

Die Airborne Technologies GmbH mit Sitz in Wiener Neustadt (Niederösterreich) ist ein hochspezialisiertes Unternehmen im Bereich der luftgestützten Überwachungstechnologie. Gegründet im Jahr 2008, hat sich das Unternehmen rasch als ein führender Anbieter für modulare Überwachungslösungen auf nationaler wie internationaler Ebene etabliert. Im Zentrum stehen dabei nicht nur Drohnensysteme (UAVs), sondern vor allem der Umbau und die Aufrüstung von Flugzeugen und Hubschraubern für polizeiliche, militärische und zivile Einsätze.

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Das Unternehmen arbeitet an der Schnittstelle zwischen Luftfahrttechnik, Sensorintegration und Datenauswertung. Airborne Technologies entwickelt sogenannte „Airborne Surveillance Platforms“, also bemannte oder unbemannte Luftfahrzeuge, die mit moderner Sensorik – etwa Kameras, Infrarotsystemen, Radartechnik oder Laserscannern – ausgestattet werden. Ziel ist es, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), Streitkräfte sowie private Sicherheitsdienste mit einsatzbereiten Komplettlösungen für Überwachung, Grenzsicherung, Aufklärung und Katastrophenmanagement zu versorgen.

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ist seine Fähigkeit, individuelle Lösungen zu konfigurieren und bestehende Luftfahrzeuge mit Hightech-Systemen nachzurüsten. Statt eigene Drohnen zu bauen, konzentriert sich Airborne Technologies auf die Systemintegration – etwa durch die Entwicklung modularer Sensor Pods, die an verschiedene Luftfahrzeuge angebracht werden können. Damit ist das Unternehmen international wettbewerbsfähig und bietet kosteneffiziente Alternativen zu vollständigen Neuentwicklungen.

Die Kundenbasis ist entsprechend breit gefächert. Neben dem österreichischen Innenministerium und dem Bundesheer zählen auch Polizei- und Grenzschutzbehörden in Deutschland, Norwegen, Saudi-Arabien, Großbritannien und Malaysia zu den Abnehmern. Besonders gefragt sind die Lösungen des Unternehmens im Bereich der maritimen Überwachung, der Waldbranddetektion, des Grenzschutzes und bei Großveranstaltungen. Auch für EU-Missionen und Frontex-Einsätze wurden bereits Systeme geliefert oder Flugzeuge umgerüstet.

Airborne Technologies ist ein führender Anbieter für Drohnensysteme und den Umbau und die Aufrüstung von Flugzeugen und Hubschraubern für polizeiliche, militärische und zivile Einsätze.

- © Airborne Technologies

Airborne Technologies beschäftigt rund 50 bis 100 Mitarbeiter:innen und wächst kontinuierlich – sowohl in der Zahl der Projekte als auch hinsichtlich internationaler Präsenz. Die Kombination aus technischer Innovationskraft, Agilität und einem klaren Fokus auf einsatzorientierte Systeme verschafft dem Unternehmen eine besondere Stellung in der österreichischen Rüstungs- und Sicherheitsindustrie.

Trotz seiner engen Anbindung an sicherheitsrelevante Anwendungen bleibt Airborne Technologies rechtlich klar im zivil-militärischen Dual-Use-Bereich. Das bedeutet, dass viele der angebotenen Systeme sowohl für Polizeiarbeit als auch für militärische Aufklärung genutzt werden können. Entsprechend unterliegen die Produkte der Exportkontrolle und müssen bei Ausfuhren in Drittstaaten genehmigt werden – ein Aspekt, der die Tätigkeit des Unternehmens regelmäßig in politische und ethische Debatten rückt, vor allem bei Verkäufen an Staaten mit fragwürdiger Menschenrechtslage.

Insgesamt lässt sich feststellen: Airborne Technologies steht für hochgradig spezialisierte Technologie „Made in Austria“, die in sicherheits- und verteidigungspolitisch sensiblen Bereichen weltweit eingesetzt wird. Das Unternehmen zeigt, wie eine mittelständische Struktur mit innovativen Nischenprodukten internationale Märkte erschließen kann – und stellt damit ein prägnantes Beispiel für die moderne Sicherheits- und Rüstungstechnologie Österreichs dar.

Rheinmetall Waffe Munition Arges GmbH: Hochspezialisierte Munitionsproduktion in Österreich

Die Rheinmetall Waffe Munition Arges GmbH mit Sitz in Schwandorf bei Wiener Neustadt ist die österreichische Tochtergesellschaft der deutschen Rheinmetall AG, einem der führenden Rüstungskonzerne Europas. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung und Produktion von Granatmunition, insbesondere im 40-Millimeter-Kaliber, spezialisiert und zählt damit zu den wenigen Hightech-Herstellern militärischer Einsatzmunition in Österreich.

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Arges wurde bereits 1912 gegründet, seit 2009 gehört das Unternehmen vollständig zur Rheinmetall-Gruppe. Der Standort in Österreich ist innerhalb des Konzerns auf präzisionsmechanische Munition fokussiert. Dazu zählen 40-mm-Granaten für automatische Granatwerfer und Handwaffen, Sprengkörper für Übungs- und Gefechtszwecke sowie pyrotechnische Komponenten. Ein zentrales Produktsegment sind programmierbare 40-mm-Hochexplosiv-Granaten, die mit Luftzündung und Zielverfolgung ausgestattet sind. Diese Munitionsarten werden von zahlreichen NATO-Staaten genutzt und entsprechen aktuellen Anforderungen an moderne Gefechtsführung und Urban Warfare.

Die Rheinmetall Arges GmbH betreibt am Standort umfangreiche Entwicklungs-, Produktions- und Testkapazitäten. Die Produktion erfolgt nach höchsten internationalen Sicherheits- und Qualitätsstandards. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Standardisierung nach NATO-Richtlinien, wodurch die Produkte weltweit kompatibel und einsatzfähig sind. Das Unternehmen verfügt über eigene Schieß- und Testeinrichtungen, was die Entwicklung neuer Munitionsarten und die Durchführung intensiver Qualitätstests unter realistischen Bedingungen ermöglicht.

Artilleriemunition von Rheinmetall 

- © Rheinmetall

Als Teil des Rheinmetall-Konzerns ist Arges strategisch stark eingebunden in internationale Rüstungsprojekte. Die in Österreich gefertigte Munition wird in einer Vielzahl von Systemen eingesetzt, unter anderem im Rheinmetall-GMW (Granatmaschinenwaffe) oder in Fahrzeugplattformen wie dem GTK Boxer oder dem Lynx KF41, der auch für das ungarische Heer gefertigt wird.

Die Zahl der Mitarbeitenden liegt im mittleren dreistelligen Bereich. Aufgrund der Hochsicherheitsanforderungen und der komplexen Fertigungstechnologie beschäftigt das Unternehmen vorwiegend qualifiziertes Fachpersonal im technischen und sicherheitsspezifischen Bereich. Auch in der Forschung arbeitet Arges eng mit anderen Rheinmetall-Standorten und europäischen Partnerinstitutionen zusammen.

Trotz seiner klaren Rolle in der Rüstungsproduktion agiert Arges – wie viele Unternehmen der Branche – öffentlich zurückhaltend. In der österreichischen Sicherheitswirtschaft ist die Firma jedoch ein wichtiger Pfeiler, da sie den Zugang zu NATO-kompatibler Munitionstechnologie sichert und technologische Wertschöpfung im Inland ermöglicht. Damit gehört Rheinmetall Arges zu den wenigen klassischen Rüstungsproduzenten mit industrieller Tiefe in Österreich.

Schiebel Elektronische Geräte GmbH: Hightech aus Wien für militärische Aufklärung weltweit

Die Schiebel Elektronische Geräte GmbH mit Sitz in Wien ist eines der international bekanntesten Hightech-Unternehmen Österreichs im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme (UAS). Seit der Gründung im Jahr 1951 hat sich das Unternehmen vom Hersteller von Minensuchgeräten zu einem weltweit gefragten Anbieter militärisch nutzbarer Drohnentechnologie entwickelt. Der bekannteste Exportschlager ist der Camcopter® S-100, ein unbemannter Helikopter, der für Aufklärung, Überwachung und Zielverfolgung eingesetzt wird – sowohl in militärischen als auch zivilen Kontexten.

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Der Camcopter S-100 kann mit modernster Sensorik, Radar, Infrarot- und Videoüberwachungssystemen ausgestattet werden und operiert autonom, ohne Start- und Landebahn. Er ist besonders für See- und Küsteneinsätze geeignet und wird weltweit von Marineeinheiten, Grenzschutzbehörden, Spezialeinheiten und Katastrophenschutzorganisationen eingesetzt. Länder wie Australien, Deutschland, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Indien gehören zu den Nutzern des Systems.

Schiebel beschäftigt rund 200 Mitarbeiter:innen und fertigt nicht nur in Wien, sondern auch in einem eigenen Test- und Trainingszentrum in Wiener Neustadt, wo auch Flugtests und Ausbildung stattfinden. Die hohe Eigenfertigungstiefe sowie die Unabhängigkeit von Konzernen erlauben dem Unternehmen eine flexible Produktentwicklung und rasche Reaktion auf neue sicherheitspolitische Anforderungen. Neben dem militärischen Hauptprodukt bietet Schiebel auch weiterhin Detektionssysteme zur Minensuche an – sowohl für humanitäre als auch für militärische Zwecke.

Unbemannte Luftfahrtsysteme von Schiebel 

- © Schiebel

Der Beitrag von Schiebel zur österreichischen Rüstungsindustrie ist sowohl wirtschaftlich als auch strategisch bedeutsam. Als einer der wenigen heimischen Hersteller mit vollständig inländischer Entwicklung und Produktion im Bereich UAS ist das Unternehmen ein Schlüsselakteur in einem sicherheitsrelevanten Hochtechnologiefeld. Die Produkte unterliegen der Exportkontrolle und dürfen nur mit Genehmigung der österreichischen Behörden in Drittstaaten geliefert werden – was in der Vergangenheit wiederholt zu politischen Diskussionen über Rüstungsexporte geführt hat, insbesondere bei Lieferungen an Länder mit fragwürdiger Menschenrechtslage.

Trotz dieser Herausforderungen zeigt Schiebel, wie österreichische Unternehmen mit technologischer Spezialisierung auch auf internationalen Verteidigungsmärkten bestehen können. Die Kombination aus Innovation, industrieller Eigenständigkeit und sicherheitspolitischem Nutzen macht das Unternehmen zu einem zentralen Bestandteil der österreichischen Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie. In einer Zeit zunehmender Aufrüstung und wachsender sicherheitspolitischer Spannungen wird Schiebel daher als wichtiger Technologiepartner und Rüstungsexporteur mit strategischem Potenzial gesehen – sowohl in Europa als auch darüber hinaus.

📌 Infobox: Die Rüstungsindustrie in Österreich – Zahlen, Bedeutung und Einfluss

🔧 Branche im Überblick:

Österreichs Rüstungsindustrie besteht aus rund 150 aktiven Unternehmen, darunter Waffenhersteller, Munitionsproduzenten und Hightech-Spezialisten. Die Branche ist stark exportorientiert und technologisch breit aufgestellt – von Kleinwaffen über Mörsersysteme bis hin zu unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen).

💶 Wirtschaftlicher Beitrag:

Die Rüstungsindustrie erwirtschaftet jährlich etwa 3,3 Milliarden Euro Umsatz und trägt damit rund 0,6 % zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Damit ist sie ein wirtschaftlich kleiner, aber stabil wachsender Industriezweig mit hoher Exportquote und Innovationskraft.

🏭 Wichtige Standorte:

Zentren der Rüstungsindustrie liegen in Niederösterreich (z. B. Glock, Hirtenberger, Schiebel, Airborne Technologies), Oberösterreich (Steyr Arms), der Steiermark sowie im Raum Wien.

⚙️ Führende Unternehmen:

  • Glock GmbH (Pistolen)
  • Steyr Arms (Sturm- und Scharfschützengewehre)
  • Hirtenberger Defence Systems (Mörsermunition)
  • Schiebel GmbH (Drohnen)
  • Rheinmetall Arges (Granatmunition)
  • Airborne Technologies (luftgestützte Überwachungssysteme)

🛡️ Beitrag zur Sicherheit:

Die Unternehmen beliefern nicht nur das österreichische Bundesheer und die Exekutive, sondern auch NATO-Staaten, Frontex-Missionen und internationale Partner. Sie leisten damit einen Beitrag zur inneren und äußeren Sicherheit Österreichs und Europas.

📈 Perspektive:

Mit dem Regierungsprogramm „Unser Heer 2032+“ sollen die Verteidigungsausgaben deutlich steigen. Das eröffnet neue Chancen für Forschung, Produktion und Export – bei gleichzeitig hoher politischer Sensibilität und strikter Exportkontrolle.

Video: Europas Industrie im Umbruch: Rüstung statt Automobil?

Im Zuge des technologischen Wandels zeichnen sich in der europäischen Industrie neue Prioritäten ab. Während die klassische Autoindustrie unter rückläufiger Nachfrage und strukturellem Wandel leidet, verzeichnet der Verteidigungssektor deutliches Wachstum. Rüstungsunternehmen profitieren von steigenden Budgets und nutzen zunehmend das technologische Know-how, die Fertigungskapazitäten und das Fachpersonal traditioneller Zulieferbetriebe.

Immer mehr Akteure aus der zivilen Industrie – darunter auch bekannte Unternehmerfamilien wie Porsche-Piëch – richten ihr Interesse auf den Verteidigungsmarkt. Die Gründe sind vielfältig: stabile öffentliche Aufträge, geopolitische Unsicherheiten und ein wachsender Bedarf an Hochtechnologie im militärischen Bereich.

Diese Entwicklung markiert eine strategische Verschiebung innerhalb der Industrie – leise, aber tiefgreifend. Was früher als reine Zivilsparte galt, öffnet sich zunehmend sicherheitsrelevanten Anwendungen. Gerade für mittelständische Zulieferbetriebe, die jahrelang auf die Automobilbranche fokussiert waren, eröffnet sich nun ein alternativer Markt mit langfristiger Perspektive.

Warum Europas Industrie zunehmend auf Rüstung statt auf Verbrenner setzt – und welche Chancen und Risiken dieser Kurswechsel mit sich bringt.