Rohstoffpreise : Lenzing: Zurück im Gewinn, aber Sorgen wegen Russland

Auch der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing muss sich Sorgen aufgrund des Russland-Ukraine-Kriegs machen – wenn auch nur indirekt. Die geopolitischen Risiken müssten verstärkt im Auge behalten werden, heißt es im Ausblick.
Lenzing sei zwar geschäftlich nicht unmittelbar von der militärischen Auseinandersetzung betroffen, indirekt erhöhe sich aber - wie für die gesamte Industrie - die Gefahr weiter steigender Energie- und Rohstoffkosten sowie negativer Effekte auf die Kapitalmärkte. Eine Abschwächung der Preisdynamik sei auf kurze Sicht nicht zu erwarten, heißt es aus dem Unternehmen.
Kostenanstiege bei Energie, Rohstoffen und Logistik hat Lenzing auch bisher schon zu spüren bekommen. Dennoch konnte das Unternehmen seine Ergebnisse im abgelaufenen Jahr deutlich verbessert. Der Jahresüberschuss betrug 127,7 Mio. Euro, nach einem Fehlbetrag von 10,6 Mio. Euro im Jahr davor. Das Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) stieg um 89 Prozent auf 362,9 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) versechsfachte sich auf 200,6 Mio. Euro. Für 2022 peilt Lenzing ein deutlich höheres EBITDA an.
Die Umsatzerlöse kletterten um 34 Prozent auf 2,195 Mrd. Euro, gab das Unternehmen mit zuletzt fast 7.960 Mitarbeitern am Donnerstag bekannt. Profitiert habe man vom Fokus auf holzbasierte Spezialfasern und dem überwiegend positiven Umfeld. Positiv ausgewirkt habe sich der anhaltende Preisaufschlag von holzbasierten Spezialfasern im Vergleich zu Standardfasern wie Baumwolle und Polyester.
Der zunehmende Optimismus in der Textil- und Bekleidungsindustrie durch den Impffortschritt und die anhaltende Erholung im Einzelhandel hätten vor allem zu Beginn des Berichtsjahres für einen starken Anstieg der Nachfrage und Preise am globalen Fasermarkt gesorgt, erklärte Lenzing.
Im Baumwollmarkt zeichne sich in der laufenden Erntesaison 2021/22 ein leichter Anstieg der Lagermengen ab. Die dynamischen Rohstoffmärkte und die globalen Lieferkettenprobleme dürften die Preise auch 2022 maßgeblich beeinflussen. Faserzellstoff verteuerte sich 2021 in der Spitze um über 50 Prozent.
Strategisch bleibe Lenzing trotz der Herausforderungen der Pandemie auf Kurs. Mit dem vor wenigen Tagen erfolgten Produktionsstart des neuen Lyocellwerks in Thailand stärke man die führende Position als Anbieter umweltverträglicher Spezialfasern weiter. Mit einer Nennkapazität von 100.000 Tonnen pro Jahr sei das die weltweit größte Anlage ihrer Art. In Brasilien stehe unmittelbar die Fertigstellung eines Zellstoffwerks bevor. Die Investitionen (CAPEX) erhöhte Lenzing im Vorjahr um 26 Prozent auf 844,3 Mio. Euro, die Hälfte davon wurde über den Cashflow aus der Betriebstätigkeit finanziert. (apa/red)