Sicherheitstechnik und Zutrittsysteme im Check : Die Zukunft der Sicherheitstechnik

Sicherheitstechnik in der Industrie ist längst nicht mehr nur eine Frage einzelner Maßnahmen
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Wenn man Jürgen Karlsböck fragt, dann kommen Industrieunternehmen in Sachen Security ohne strategische Partnerschaften nicht mehr aus. Karlsböck ist Sicherheitsexperte und Head of Portfolio and Sales Enablement Security bei Siemens Österreich und berät Unternehmen beim Aufbau eines effektiven Sicherheitssystems. „Ich traue es ja vielen Kunden zu, dass sie sich unterschiedliche Anlagen von unterschiedlichsten Herstellern einbauen lassen“, sagt Karlsböck im Gespräch mit dem INDUSTRIEMAGAZIN. „Die Herausforderung ist, was passiert in vier, fünf, Jahren, wenn die einzelnen Technologien im Hintergrund auseinanderlaufen?“
Siemens als Systemintegrator
Siemens versteht sich dabei als eine Art Systemintegrator. „Wir sind nicht derjenige, der alles selbst hat“, so Karlsböck „Wir stellen für unsere Kunden die optimale Lösung zusammen, bieten Serviceverträge und Updates“. Siemens hält hierfür ein sechsköpfiges Software-Team bereit, dass sich ausschließlich um die Integrationen und das Customizing kümmert. Karlsböck kommt es vor allem auch darauf an Gesamtlösungen anzubieten: „Wir sorgen beispielsweise dafür, dass nur Mitarbeitende Zugang zu Baufahrzeugen haben und diese in Betrieb setzen können, wenn sie eine gültige Unterweisung und Befähigung haben. Dazu kombinieren wir Zutrittskontrolle mit E-Learning-Systemen.“ Zur Konzeption der Sicherheitskonzepte gibt es Workshops, wie man sie auch bei Cybersecurity-Beratern kennt. „ Es kommt dann stark darauf an, wie weit der Kunde schon ist. Wie sieht es mit dem Wissen und der Awareness aus, gibt es bereits ein Big Picture?“
Treiber für die Unternehmen sich intensiv mit der Sicherheitstechnik zu beschäftigen sind laut Karlsböck vor allem auch regulatorische Vorgaben. „Normen sind Sekundarrecht in Österreich, das heißt, solange nichts passiert, interessiert die Norm keinen. Aber sobald was passiert, wird dann ganz genau hingeschaut. Und dann ist ja auch die Führungsebene haftbar.“ Was sind die Trends in der Sicherheitstechnik? „Dazu gehören sicher Mobile Access und auch batterielose Zylinder“

EVVA mit hybridem Ansatz
Batterielose Zylinder hat das österreichische Familien-Unternehmen EVVA (noch) nicht im Angebot. Dennoch ist der Schließanlagen-Spezialist gut im Geschäft – auch dank seiner mechanischen Systeme. Star des Portfolios ist das magnetcodierte MCS. Es ist bereits seit vielen Jahren auf dem Markt und gilt weiterhin als absolut fälschungssicher. „Wir haben bisher noch nie von unbefugten Schlüsselkopien gehört“, versichert Johann Notbauer, Leiter des Konzernbereichs Marktinnovation.
Natürlich bietet EVVA mittlerweile auch elektronische Systeme an, wie etwa AirKey, das auf Handys als Schlüsselersatz setzt. Der große Vorteil hier: Die Zutrittsberechtigung kann direkt in eine App geschickt und auf demselben Weg wieder entzogen werden
Vor allem der eigentlich für Smartphones entwickelte Bluetooth-Low-Energy-Standard (BLE) hat diese Entwicklung vorangetrieben. Sie spiegelt zudem den Wandel des Marktes wider: „Vor zehn Jahren waren die Unternehmen noch nicht bereit, ihren Mitarbeitern nur für einen Schlüssel ein Smartphone zu geben. Mittlerweile haben wir Kunden, wie einen Energieversorger in Deutschland, er ausschließlich auf Handys setzt.“
Das bereits seit einiger Zeit erhältliche System hat sich auch unter schwierigen Bedingungen bewährt. „In Schweden arbeitet ein Wartungsunternehmen für Dämme mit AirKey – die Arbeitsplätze sind weit über das Land verstreut und extremen Wetterbedingungen ausgesetzt“, berichtet Notbauer. Doch das System scheint dem zu trotzen: „Der Kunde ist schon seit mehreren Jahren sehr zufrieden mit der Lösung“, freut sich Notbauer.
Kombisysteme sind günstig und ausfallsicher
EVVA verfolgt aber weiterhin einen hybriden Ansatz: „Prinzipiell empfehlen wir für den Außenhautschutz immer eine online-elektronische Absicherung. Im Objekt selbst reicht oft eine Mechanik.“ Auch eine Kombination beider Technologien ist möglich: „Wir haben Schlüssel, die Mechanik- und Elektronik-Zylinder sperren. Gerade in diesen wirtschaftlich herausfordernden Zeiten können wir so bessere Durchschnittpreise realisieren“, so Notbauer. Die Kombisysteme fungieren zudem als Notfallsystem. Selbst wenn die Elektronik ausfällt, bleibt der Zugang weiterhin gewährleistet.

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Zutritts- und Überwachungslösungen im Check
CFS Flats (IDLoop)
IDLoop ist ein noch junges Start-up aus Jena, das einen kontaktlosen Fingerabdrucksensor entwickelt hat. Das System nutzt strukturiertes blaues Licht zur 3D-Rekonstruktion von Fingerabdrücken: Ein bekanntes Muster wird auf die Oberflächenstruktur des Fingers projiziert und dadurch verformt. Ein spezieller Algorithmus generiert aus der resultierenden 3D-Punktwolke mit einer Tiefengenauigkeit von 10 Mikrometern ein mit heutigen Fingerabdruckdatenbanken kompatibles 2D-Bild. Eine externe Rechenleistung ist für die Verarbeitung nicht erforderlich. Der kontaktlose Scan schützt Benutzer vor Keimen und hinterlässt keine Fingerabdrücke auf dem Scanner-Glas. IDLoop verspricht zudem eine zuverlässige Erkennung unabhängig von Bewegung, Hautfarbe und Hautfeuchtigkeit.
BU: Ein spezieller Algorithmus generiert aus der resultierenden 3D-Punktwolke mit einer Tiefengenauigkeit von 10 Mikrometern ein mit heutigen Fingerabdruckdatenbanken kompatibles 2D-Bild.

eCLIQ (Assa Abloy)
Das elektronische Schlüsselsystem eCLIQ kommt ohne Batterie aus. Dafür sorgt ein spezieller Schlüssel genannt Spark, der mit den bisher genutzten, batterieunterstützen Schlüssen kompatibel ist. Spark erzeugt den für die Authentifizierung erforderlichen Strom durch einen integrierten Generator beim Einstecken in den Zylinder. Ein großer Vorteil des Systems ist seine Kompatibilität mit über 60 verschiedenen Zylinderformen, wodurch es auch für Anwendungen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen oder besonderen Designansprüchen geeignet ist. Da das System keinen festen Stromanschluss benötigt, kann es auch in abgelegenen Bereichen eingesetzt werden.

Xesar (EVVA)
Klassische Schließsysteme sind eine der Kernkompetenzen von EVVA. Dazu gehört das magnetgestützte MCS-System, das als nahezu fälschungssicher gilt. Neben mechanischen Lösungen bietet EVVA auch elektronische Schließsysteme an. Das vielfältigste System heißt Xesar: Dank der MQTT-Schnittstelle kann es nahtlos in bestehende Alarm-, Zeiterfassungs- oder Personalverwaltungssysteme integriert werden. Smartphones erhalten Berechtigungen per SMS, während andere Zutrittsmedien über eine Kodierstation oder einen Online-Wandleser programmiert werden. Ein virtuelles Netzwerk ermöglicht zudem eine vollständige Kontrolle über alle im Umlauf befindlichen Zutrittsmedien.

Panomera S (Dallmeier)
Das Kamerasystem Panomera S von Dallmeier kombiniert mehrere Objektive und Sensoren mit unterschiedlichen Brennweiten in einer optischen Einheit. Dadurch entsteht ein Bild mit gleichbleibend hoher Auflösung über den gesamten Aufnahmebereich. Die Systeme verfügen über leistungsstarke Edge-Analysefähigkeiten mit acht Quad-Core-Prozessoren, die eine direkte Verarbeitung und Analyse der Videodaten ermöglichen. Speziell entwickelte Modelle wie die Panomera S4 Perimeter können einen langen Überwachungsbereich entlang von Zäunen, Gebäuden oder Straßen abdecken. Zudem lassen sich Panomera-Systeme in Video-Management-Lösungen anderer Hersteller integrieren, was ihre Flexibilität erhöht.

SecurityBotic Agent Anymal (Securiton)
Er wirkt wie aus der Zukunft: Der SecurityBotic Agent Anymal ist ein vierbeiniger Roboter, der für Patrouillengänge auf Werksgeländen eingesetzt werden kann. Ausgestattet mit Zoom- und Wärmebildkameras, einem Ultraschallmikrofon, einem leistungsstarken LED-Strahler und Lidar-Technologie, soll er in der Lage sein, Anomalien zu erkennen und an die Sicherheitszentrale zu melden. Dank KI und einer speziellen Beinkonstruktion ist der Roboter auch für schwieriges Gelände geeignet. Ähnlich wie ein Mähroboter kann der SecurityBotic Agent bei niedrigem Akkustand automatisch eine Ladestation aufsuchen. Für explosionsgefährdete Bereiche gibt es zudem eine spezielle Version, den Anymal X, der nach ATEX & IECEx Zone 1 IIB zertifiziert ist.

Drohnenüberwachung (ArrowTec)
Für Perimeter ab etwa 1.400 Metern Länge bietet ArrowTec eine Komplettlösung für Drohnenüberwachung. Das Unternehmen übernimmt Planung, Installation und Betrieb der Überwachungsdrohnen, die personelle Streifengänge ersetzen sollen. Der Betrieb erfolgt vollautomatisch von einer Leitstelle aus und ist rund um die Uhr aktiv. Dank KI-Unterstützung erkennen die Drohnen Eindringlinge sowie Brandherde selbstständig. Spezielle Sensoren, darunter Laserdistanzmesser und Wärmebildkameras, ermöglichen Einsätze auch bei schlechter Sicht.
