OpenClaw : Wie ein Oberösterreicher Big Tech mit seinen eigenen Waffen schlägt
OpenClaw-Startseite: Der KI-Agent läuft lokal, ist Open Source und verbindet Sprachmodell, Browser und Anwendungen zu einem autonomen System.
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Peter Steinberger eilt derzeit von einem Tech-Interview zum nächsten. In internationalen Formaten gilt er als „Mann der Stunde“. Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht auf einen Silicon-Valley-CEO, sondern auf einen Oberösterreicher, der in Wien lebt und programmiert.
Was er gebaut hat, ist innerhalb weniger Wochen explodiert. Mehr als 170.000 Entwickler weltweit haben sein Projekt auf GitHub gespeichert und verfolgen es aktiv. Ein solches Wachstum erleben selbst erfolgreiche Open-Source-Projekte selten. In der Tech-Szene spricht man von einem Ausnahmefall.
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Der Mann hinter dem Hype
Peter Steinberger ist kein klassischer KI-Guru. Er ist Software-Ingenieur. Bekannt wurde er mit PSPDFKit. Ein Werkzeug, das PDF-Funktionen in Apps und Unternehmenssoftware bringt. Kaum jemand kennt den Namen, aber Millionen Menschen nutzen Software, in der sein Code steckt.
Er hat das Unternehmen jahrelang selbst finanziert und aus eigener Kraft groß gemacht. 2021 holte er erstmals einen großen Investor an Bord. Insight Partners stieg mit rund 100 Millionen Euro ein. Später verkaufte Steinberger einen Großteil seiner Anteile und zog sich aus dem operativen Geschäft zurück. Der Exit brachte ihm finanziellen Erfolg. Aber auch einen Bruch.
Wie er selbst erzählt, ist er nach dem Kauf in ein Loch gefallen ist. Leere. Erschöpfung. Burnout. Jahrelang aufbauen, dann plötzlich loslassen. Und genau in dieser Phase explodierte die KI-Welt. Large Language Models wurden massentauglich. Menschen, die zuvor nie mit künstlicher Intelligenz gearbeitet hatten, begannen plötzlich täglich mit ihr zu interagieren.
Jahre später begann Steinberger wieder mit Codes zu experimentieren. OpenClaw war ursprünglich genau das. Ein Experiment. Ein Nebenprojekt. Eine Spielerei eines talentierten Softwarearchitekten. Im November 2025 veröffentlichte er es unter dem Namen Clawdbot auf GitHub. Öffentlich. Frei zugänglich.
Kurz darauf, im Januar 2026, begann das Projekt viral zu wachsen. Es wurde erst in Moltbot umbenannt, dann in OpenClaw. Was als kleines Entwicklerprojekt begann, wurde binnen kürzester Zeit zum Gesprächsthema der internationalen Tech-Szene.
In dutzenden Interviews, seitdem spricht Steinberger nicht von Superintelligenz. Er redet von Werkzeugen. Von Systemen, die lokal laufen. Von Kontrolle statt Abhängigkeit. Kein Silicon-Valley-Pathos. Kein Milliarden Funding. Sondern ein Entwickler aus Wien, der etwas gebaut hat, das größer geworden ist als geplant.
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Was ist Openclaw?
OpenClaw ist kein weiterer Chatbot. Es ist ein Agent. Das heißt: Er antwortet nicht nur. Er handelt. Er kann Programme öffnen. Webseiten bedienen. Dateien verschieben. E-Mails schreiben. Termine eintragen. Schnittstellen ansprechen. Automatisierungen starten. Alles von einem zentralen Befehl aus rund um die Uhr, 7 Tage die Woche.
Er verbindet Sprachmodell, Browser, lokale Software und Schnittstellen zu anderen Diensten zu einem einzigen System. Und das Entscheidende: Es läuft lokal. Auf dem eigenen Rechner. Ohne Pflicht zur Cloud. Der Code ist offen. Jeder kann ihn einsehen. Verändern. Erweitern. Eigene Module bauen. Eigene Regeln definieren. Eigene Sicherheitsmechanismen einziehen.
OpenClaw ist keine fertige App. Es ist eine Infrastruktur. Ein Baukasten für autonome Software. Und genau das erklärt den Hype. Entwickler sehen hier nicht nur ein Tool. Sie sehen eine neue Klasse von Software. Programme, die nicht mehr nur Befehle ausführen, sondern selbstständig digitale Arbeit erledigen. Nicht als Assistent im Chatfenster. Sondern als handelnder Akteur im System.
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Warum OpenClaw für die Industrie entscheidend ist
Die meisten denken bei KI an Roboter in der Fabrikhalle. An Bilderkennung. An Predictive Maintenance. Aber der größere Hebel liegt woanders.
Im Büro. In der Angebotslegung. In der Lieferantenkommunikation. In der Disposition. In der Dokumentation. Im Reporting. Im Qualitätsmanagement.
OpenClaw greift nicht in die Produktion ein. Er greift in die Wissensarbeit ein.
Er kann Angebote vorbereiten, Daten aus ERP-Systemen ziehen, E-Mails formulieren, Liefertermine abgleichen, Berichte generieren. Nicht als Vorschlag. Sondern als ausgeführte Handlung.
Der nächste Produktivitätssprung kommt nicht aus der Maschine. Er kommt vom Laptop.
Vergleichbar mit der Einführung von ERP-Systemen. Oder CAD. Damals ging es darum, Prozesse zu digitalisieren. Jetzt geht es darum, sie autonom ausführen zu lassen.
Wer autonome Agenten einsetzt, beschleunigt Abläufe drastisch. Wer sie ignoriert, bleibt bei manuellen Zwischenschritten hängen. Der Wettbewerbsvorteil entsteht nicht in zehn Jahren. Sondern jetzt.
Das Eldorado der KI-Agenten
OpenClaw trifft auf einen Markt im Goldrausch. 2026 ist das Jahr der KI-Agenten. Programme, die nicht nur schreiben, sondern handeln. Die Tech-Giganten liefern sich derzeit ein Wettrennen um den besten KI-Helfer.
Google rüstet seinen Assistenten Gemini auf. Apple hat eine milliardenschwere KI-Partnerschaft mit Google angekündigt, um Siri technologisch wieder auf Augenhöhe zu bringen. Microsoft integriert Copilot immer tiefer in Windows. OpenAI und Anthropic arbeiten an Agents, die eigenständig Browser und Anwendungen steuern können.
Und dann kommt ein einzelner Entwickler aus Wien. OpenClaw ist offen. Kein Konzernprodukt. Es läuft mit unterschiedlichen Modellen. Es lässt sich flexibel anpassen. Es zwingt niemanden in ein Ökosystem.
Während die Großen versuchen, ihre Agenten in bestehende Plattformen einzubauen, baut Steinberger ein Werkzeug, das unabhängig funktioniert. Dass er mit den großen Techriesen mithalten kann, ist kein Zufall.
Seit dem Durchbruch großer Sprachmodelle hat sich Softwareentwicklung radikal beschleunigt. Was früher Monate dauerte, schafft ein erfahrener Entwickler heute in Tagen. KI ist nicht nur Produkt. Sie ist Entwicklungswerkzeug. Und plötzlich kann ein einzelner Entwickler etwas bauen, das mit Milliardenprojekten konkurriert.
Die Schattenseite von KI-Agents
Bei aller Begeisterung: Was KI-Agents wie OpenClaw so mächtig macht, macht es auch riskant. Wer will, kann der Software weitreichende Rechte geben. Zugriff auf den Browser. Auf lokale Dateien. Auf gespeicherte Logins. Auf sensible Unternehmensdaten.
Ein Agent, der handeln kann, kann auch Fehler machen. Oder missbraucht werden. Die Debatte um KI-Agenten und Sicherheitsbedenken läuft längst. Große Tech-Konzerne planen, solche Systeme tief in ihre Betriebssysteme zu integrieren. Dauerhafte Analyse. Permanente Kontextauswertung. Ein Assistent, der alles sieht, um besser helfen zu können.
OpenClaw ist Open Source. Der Code ist einsehbar. Er läuft lokal. Die Daten bleiben auf dem eigenen Rechner, wenn man es so will. Keine verpflichtende Cloud. Keine Black Box im Hintergrund. Das ist kein Freibrief. Auch ein lokaler Agent braucht klare Regeln und Sicherheitsmechanismen.
Aber die Kontrolle liegt beim Nutzer. Die eigentliche Frage lautet also nicht nur, was KI-Agenten können. Sondern wem man sie anvertraut.
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Mehr als ein Hype
OpenClaw ist mehr als ein virales Open-Source-Projekt. Es zeigt, wie schnell sich Software gerade verändert. Programme sind nicht länger nur Werkzeuge, die auf Befehle warten. Sie übernehmen eigenständig digitale Aufgaben. Sie handeln.
Und das nicht irgendwann. Sondern jetzt. Mit Auswirkungen auf Produktivität, Arbeitsplätze, Kostenstrukturen, Wettbewerbsfähigkeit – und auf die Art, wie Industrie plant, einkauft, dokumentiert und entscheidet.
Es ist auch ein Signal für Europa. Dass Innovation nicht aus dem Silicon Valley kommen muss. Dass ein einzelner Entwickler mit einer klaren Idee Big-Tech herausfordern kann.
Ob OpenClaw am Ende Standard wird oder nur ein früher Vorbote einer neuen Generation von Agenten war, ist offen.