Elektro- und Elektronikindustrie Österreich 2026 : Österreichs Elektroindustrie: Die Aufträge sind zurück, die Jobs nicht
Österreichs Elektro- und Elektronikindustrie spürt wieder Rückenwind bei den Aufträgen. Doch die Erholung bleibt fragil: Beschäftigung, Kosten und Standortdruck setzen die Schlüsselbranche weiter unter Spannung.
- © FEEI/APA-Fotoservice/Arman RasteÖsterreichs Elektro- und Elektronikindustrie scheint die schwerste Phase der jüngsten Rezession zunächst hinter sich gelassen zu haben. Nach Rückgängen in den Vorjahren entwickelten sich zentrale Kennzahlen 2025 wieder positiv. Nach Angaben des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) erreichte der Wert der abgesetzten Produktion rund 23,6 Milliarden Euro und lag damit um 2,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Gesamtumsatz stieg um 1,8 Prozent, während die Auftragseingänge sogar um 14,5 Prozent zulegten und mit rund 27 Milliarden Euro wieder in die Nähe des Niveaus von 2022 kamen.
Die Zahlen bedeuten allerdings noch keine Rückkehr zu früherer Stärke. 2024 war die Gesamtproduktion der Branche laut FEEI um 6,4 Prozent eingebrochen. Das Plus des vergangenen Jahres konnte diesen Verlust daher nur teilweise ausgleichen. Vor allem am Arbeitsmarkt bleibt die Lage angespannt: Die Zahl der Beschäftigten im Eigenpersonal sank 2025 erneut um rund zwei Prozent. Der Verband spricht von rund 72.000 Beschäftigten in der Branche.
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Industrie Österreich 2026: Mehr Aufträge, weniger Beschäftigung
Damit folgt die Elektro- und Elektronikindustrie in wesentlichen Punkten der Entwicklung der gesamten österreichischen Industrie. Statistik Austria weist für 2025 einen Anstieg des Produktionsindex der Industrie um 2,4 Prozent aus. Der Auftragseingangsindex legte um 1,9 Prozent zu, während der Beschäftigtenindex um 1,4 Prozent zurückging. Auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sank um 1,9 Prozent. Die Erholung der Produktion ging somit auch branchenübergreifend nicht mit einer entsprechenden Erholung der Beschäftigung einher.
Die jüngsten Daten des laufenden Jahres zeigen, wie fragil die Entwicklung weiterhin ist. Im Juni 2026 lag das Produktionsniveau von Industrie und Bau laut Statistik Austria exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig stieg der Auftragseingangsindex gegenüber Juni 2025 um 12,1 Prozent. Im produzierenden Bereich lag die Zahl der Beschäftigten im Mai dagegen um 1,3 Prozent unter dem Vorjahreswert.n Für Unternehmen bedeutet das: Die Auftragslage verbessert sich teilweise deutlich, doch daraus entstehen bislang nicht automatisch neue Arbeitsplätze. Zusätzlich belasten geopolitische Spannungen, schwache Absatzmärkte, Energiepreise und der internationale Wettbewerb die Investitionsentscheidungen.
Kollektivvertrag Elektroindustrie: Warum Löhne zum Standortthema werden
„Die aktuellen Zahlen sind ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung“, sagt FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun. Aus Sicht des Verbands seien nun Rahmenbedingungen notwendig, die Investitionen erleichtern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die hohe Exportorientierung verschärft den Druck: Ein großer Teil der Produktion der heimischen Elektro- und Elektronikindustrie wird auf internationalen Märkten abgesetzt.
Besonders kontrovers wurde im Frühjahr 2026 über die Lohnentwicklung diskutiert. Nach fünf Verhandlungsrunden einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften Ende Mai auf einen neuen Kollektivvertrag. Die Mindestlöhne und -gehälter steigen rückwirkend mit 1. Mai um drei Prozent. Bei den Ist-Löhnen und -Gehältern beträgt die Erhöhung 1,85 Prozent plus 22 Euro monatlich. Der FEEI beziffert die durchschnittliche Erhöhung dadurch mit 2,32 Prozent.
Die Arbeitgeberseite wertet den Abschluss angesichts einer rollierenden Inflation von 3,3 Prozent als Beitrag zur Kostendämpfung. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA setzen einen anderen Akzent: Sie verweisen auf die dreiprozentige Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestbezüge, höhere Schichtzulagen und neue Gesundheitstage für langjährig Beschäftigte. Nach Gewerkschaftsangaben kann die Ist-Erhöhung je nach Einkommen bis zu 2,7 Prozent erreichen.
Damit zeigt sich auch beim Kollektivvertrag das zentrale Spannungsfeld der Industriepolitik: Unternehmen fordern angesichts des internationalen Wettbewerbs geringere Kostensteigerungen, Arbeitnehmervertreter wollen zugleich den Kaufkraftverlust der Beschäftigten begrenzen.
Öffentliche Beschaffung: 67 Milliarden Euro als Hebel für Europas Industrie
Ein weiteres Thema, das der FEEI stärker in den Mittelpunkt rücken will, ist die öffentliche Beschaffung. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums vergibt die öffentliche Hand in Österreich jährlich Aufträge im Umfang von rund 67 Milliarden Euro. Dieses Volumen soll nach den Plänen der Bundesregierung künftig stärker genutzt werden, um europäische Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und innovative Technologien zu fördern.
Ein Beispiel dafür ist der „Made-in-Europe-Bonus“ in der Photovoltaikförderung. Bei den ersten beiden Fördercalls 2026 gaben 48 Prozent der Antragsteller an, zumindest eine europäische Komponente wie Wechselrichter, PV-Module oder Stromspeicher einsetzen zu wollen. Insgesamt betraf das mehr als 27.000 Anträge. Besonders hoch war der Anteil bei Wechselrichtern mit rund 46 Prozent.
Die Zahlen müssen allerdings differenziert betrachtet werden: Ein Förderantrag bedeutet noch nicht automatisch, dass die angegebenen europäischen Komponenten tatsächlich verbaut wurden. Ob ein Projekt die Voraussetzungen für den Bonus erfüllt, wird von der Abwicklungsstelle erst bei der Endabrechnung überprüft.
Industriestrategie 2035: Warum Elektroindustrie zur Schlüsselbranche wird
Der Ruf nach einer strategischeren Industriepolitik ist inzwischen auch Teil der Industriestrategie 2035 der Bundesregierung. Das Wirtschaftsministerium präsentierte darin insgesamt 117 Maßnahmen. Im Juni 2026 waren nach Ministeriumsangaben mehr als 35 Prozent bereits umgesetzt oder in Umsetzung. Ein Schwerpunkt liegt auf neun als strategisch definierten Schlüsseltechnologien. Der erste Teil eines sogenannten Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes ging Mitte Juni in Begutachtung und soll unter anderem Genehmigungsverfahren für strategische Projekte im Bereich Energie- und Umwelttechnologien beschleunigen.
Gerade die Elektro- und Elektronikindustrie spielt dabei eine Schlüsselrolle. Elektronische Bauelemente machen nach FEEI-Zahlen rund 27 Prozent der abgesetzten Branchenproduktion aus. Dahinter folgen Motoren, Generatoren und Transformatoren mit gut 16 Prozent sowie Verteilungs- und Schalteinrichtungen mit rund zwölf Prozent. Viele dieser Produkte sind Voraussetzung für Energienetze, Automatisierung, Digitalisierung und industrielle Infrastruktur.
CCS in Österreich: Warum die Industrie auf Carbon Capture drängt
Auch beim Klimaschutz fordert der FEEI technologieoffenere Rahmenbedingungen. Dazu zählt die Abscheidung und geologische Speicherung von Kohlendioxid, bekannt als Carbon Capture and Storage oder CCS. Wichtig ist dabei eine rechtliche Präzisierung: Das bestehende generelle Speicherverbot ist Anfang September 2026 noch nicht einfach weggefallen. Die Bundesregierung hat sich politisch auf dessen Aufhebung verständigt, ein entsprechender Gesetzentwurf befindet sich jedoch noch in Abstimmung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer fordert, das CCS-Gesetz gemeinsam mit dem Klimagesetz und einer Novelle des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes in Begutachtung zu schicken.
CCS gilt vor allem für Branchen wie Zement, Kalk oder Stahl als mögliche Lösung für technisch schwer vermeidbare Emissionen. Gleichzeitig ist die Technologie energie- und kostenintensiv. Eine im Auftrag des Umweltministeriums erstellte Studie kommt etwa zum Ergebnis, dass die Abscheidung von rund neun Millionen Tonnen CO₂ zusätzliche Kapazitäten von etwa 1.600 Megawatt erneuerbarer Energie erfordern würde.
Elektroindustrie Österreich: Die Trendwende muss sich erst beweisen
Nach zwei Rezessionsjahren hat die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie damit zwar einen ersten Wendepunkt erreicht. Das kräftige Plus bei den Auftragseingängen und die wieder steigende Produktion sprechen für eine Stabilisierung. Die sinkende Beschäftigung und die weiterhin wechselhafte Industrieproduktion zeigen jedoch, dass der Aufschwung noch nicht gefestigt ist.
Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob aus höheren Auftragseingängen tatsächlich dauerhaft mehr Produktion und neue Investitionen entstehen. Der FEEI setzt dabei auf niedrigere Standortkosten, raschere Genehmigungen, Investitionen in kritische Infrastruktur, eine stärker europäisch ausgerichtete Beschaffung sowie mehr privates Kapital für Innovation und Digitalisierung.
Die wirtschaftlichen Daten liefern dafür erstmals seit längerer Zeit etwas Rückenwind. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, dürfte sich aber weniger an einzelnen positiven Monatswerten entscheiden als daran, ob Unternehmen wieder langfristig investieren – und ob die Stabilisierung schließlich auch den Arbeitsmarkt erreicht.