Volkswagen I China I Automarkt : Volkswagen erlebt in China 2026 ein überraschendes Comeback

Werk Nanjing China Volkswagen

Die Werke von Volkswagen in China spielen eine Schlüsselrolle im Kampf um Marktanteile auf dem wichtigsten Automarkt der Welt.

- © Volkswagen

Der chinesische Automarkt erlebt 2026 bisher einen überraschend schwierigen Jahresauftakt. Während Volkswagen im schwachen Inlandsgeschäft zeitweise wieder an die Spitze der Verkaufsranglisten rutschte, gerieten Elektroauto-Spezialisten wie BYD unter Druck. Zugleich zeigt sich: Ohne den kräftigen Exportboom sähe die Bilanz der Branche deutlich schlechter aus. Marktbeobachter sprechen deshalb von einem abrupten Stimmungswechsel auf dem größten Automarkt der Welt.

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Ein wesentlicher Grund für die Verwerfungen ist die veränderte Steuerpolitik für sogenannte New Energy Vehicles (NEVs), also reine Elektroautos und Plug-in-Hybride. Für 2024 und 2025 galt noch eine vollständige Befreiung von der Kaufsteuer bis zu einem Höchstbetrag von 30.000 Yuan pro Fahrzeug. Seit dem 1. Januar 2026 wird die Kaufsteuer nur noch zur Hälfte erlassen; die Entlastung ist nun auf maximal 15.000 Yuan je Fahrzeug begrenzt. Damit verteuerten sich viele Modelle zu Jahresbeginn spürbar – und ein Teil der Nachfrage war bereits Ende 2025 vorgezogen worden.

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Weniger Kaufanreiz in China und mehr Konkurrenz für Europa

Für viele chinesische Käufer ist der Bruch seit Jahresbeginn ganz konkret spürbar. Wer den Autokauf noch Ende 2025 abschloss, konnte bei einem Elektro- oder Plug-in-Hybridmodell deutlich stärker von der Steuerbegünstigung profitieren als heute. Seit dem 1. Januar 2026 wird die Kaufsteuer nur noch zur Hälfte erlassen, die Entlastung ist zudem auf 15.000 Yuan begrenzt. Genau dieser Einschnitt half, Käufe vorzuziehen – und erklärt mit, warum Showrooms und Händler im ersten Quartal plötzlich deutlich härteren Rabattschlachten ausgesetzt waren.

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Der Einbruch im Inland erhöht zugleich den Druck auf die Auslandsmärkte. Wenn chinesische Hersteller ihre schwächere Nachfrage zu Hause über Exporte ausgleichen, verschärft das den Wettbewerb in Europa weiter – nicht nur bei Elektroautos, sondern zunehmend auch bei Plug-in-Hybriden und preisaggressiven Volumenmodellen. Für deutsche Hersteller wird Chinas Schwäche damit nicht zur Entlastung, sondern zum nächsten Wettbewerbsimpuls auf den eigenen Märkten. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus den stark gestiegenen Exportzahlen chinesischer Hersteller im ersten Quartal 2026.

VW-Werk in Urumqi, China

- © Stephan Scheuer / dpa / picturedesk.com

Chinas Automarkt bricht weiter ein und der Exportboom wird zur Rettung

Die Folgen zeigen sich im Heimatmarkt deutlich. Nach Angaben von Reuters fielen die inländischen Autoverkäufe im März bereits den sechsten Monat in Folge; allein im März lagen sie 15,2 Prozent unter dem Vorjahr. Gleichzeitig litten auch Verkäufe von Elektroautos und Plug-in-Hybriden unter der schwächeren Nachfrage. Händler berichten über wachsende Lagerbestände, während der Preisdruck im Markt hoch bleibt. Xpeng-Chef He Xiaopeng warnte bereits, der Wettbewerb werde „Noch blutiger und brutaler“.

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Dass die Branche trotzdem nicht noch stärker abrutscht, liegt vor allem am Auslandsgeschäft. Im ersten Quartal exportierte China nach aktuellen Branchendaten rund 2,226 Millionen Fahrzeuge, ein Plus von 56,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Darunter waren 954.000 NEVs, deren Ausfuhren sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelten. Im März allein stiegen die Autoexporte laut Reuters um 73,7 Prozent auf fast 700.000 Fahrzeuge. Damit wird der Export immer stärker zum eigentlichen Wachstumsmotor der chinesischen Autoindustrie.

Volkswagen rückt vor, BYD verliert

Im Inland führte die Nachfrageschwäche zunächst zu einer ungewöhnlichen Verschiebung in den Verkaufsranglisten. Volkswagen gewann in den ersten Monaten 2026 zeitweise wieder die Spitzenposition im chinesischen Pkw-Markt, während BYD auf Rang vier zurückfiel. Reuters führt diesen Wechsel ausdrücklich auf den Rückgang der NEV-Nachfrage nach dem Auslaufen der vollen Steuerbegünstigung zurück. Allerdings spricht vieles dafür, dass dieser Effekt nicht dauerhaft sein muss: Im März lag der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Gesamtmarkt laut Branchenbeobachtern bereits wieder höher als zu Jahresbeginn.

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Besonders unter Beobachtung steht BYD. Der Konzern verzeichnete im März den siebten monatlichen Absatzrückgang in Folge; im ersten Quartal lagen die Verkäufe laut Reuters rund 30 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig wächst die Bedeutung des Auslandsgeschäfts rapide: Im ersten Quartal entfielen bereits 320.673 Fahrzeuge beziehungsweise 45,8 Prozent des Absatzes auf Märkte außerhalb Chinas. BYD selbst rechnet damit, dass Übersee mittelfristig etwa die Hälfte des Geschäfts ausmachen könnte.

Auch Geely profitiert von der neuen Marktphase. Branchenranglisten für den Frühjahrsauftakt zeigen den Konzern in China klar verbessert, was vor allem an seiner breiteren Aufstellung über Verbrenner, Hybride und Elektroautos hinweg liegt. Gerade diese Mischung erwies sich in einem Markt als Vorteil, in dem die Kaufanreize für E-Autos reduziert wurden und viele Kunden wieder stärker auf Preis und Modellvielfalt achten.

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- © Johannes Neudecker / dpa / picturedesk.com

China bleibt für Mercedes und Porsche ein immer schwierigeres Pflaster

Für deutsche Hersteller bleibt die Lage in China insgesamt schwierig. Mercedes-Benz meldete für das erste Quartal 2026 einen Absatzrückgang von 27 Prozent in China und sprach von einem „transition year“. Porsche lieferte in China nur noch 7.519 Fahrzeuge aus, 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen begründete dies mit dem „persistently challenging market environment in China“ und seiner Strategie wertorientierter Verkäufe. Der chinesische Markt bleibt damit für deutsche Premiumhersteller wichtig, verliert aber weiter an Stabilität und Verlässlichkeit.

Unter dem Strich zeigt sich ein gespaltenes Bild: Im Inland kühlt der Markt nach dem Ende der vollen Steuerbefreiung spürbar ab, während chinesische Hersteller im Ausland immer offensiver wachsen. Für die Branche bedeutet das eine neue Phase der Konsolidierung. Wer in China 2026 bestehen will, braucht nicht nur wettbewerbsfähige Elektroautos, sondern auch Preismacht, Exportstärke und ein Portfolio, das Nachfrageschwankungen besser abfedern kann. Genau daran dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden, welche Hersteller aus dem Preiskrieg gestärkt hervorgehen – und welche weiter unter Druck geraten.

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