Tesla Grünheide Produktion : Tesla Grünheide: Sonderschichten sollen Europas wichtigste Gigafactory auf Kurs bringen

Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg

Teslas Gigafactory in Grünheide soll ab Oktober deutlich mehr Model Y produzieren. Drei verpflichtende Sonderschichten sollen den Weg zum Ziel von 7.500 Fahrzeugen pro Woche absichern.

- © Tesla

In Teslas einzigem europäischen Autowerk beginnt eine entscheidende Phase des Produktionshochlaufs. Ab Mitte Oktober sollen in Grünheide bei Berlin 7.500 Fahrzeuge pro Woche vom Band laufen. Zuletzt lag die Produktion nach Angaben aus dem Werk noch bei weniger als 6.500 Autos. Um schneller an die selbst gesetzte Zielmarke heranzukommen, setzt Tesla im September auf verpflichtende Mehrarbeit.

Für den 18., 19. und 25. September sind drei zusätzliche Schichten angesetzt. Betroffen sind Beschäftigte der gesamten Fahrzeugfertigung einschließlich der dazugehörigen Unterstützungsbereiche. Die Schichtgruppen Blau, Rot und Silber müssen jeweils einmal zusätzlich antreten. Nicht Teil der Regelung sind unter anderem die Bereiche Drive Unit, Battery und Cell.

Damit verschärft Tesla wenige Wochen vor dem geplanten nächsten Produktionsschritt das Tempo. Die zusätzlichen Schichten allein dürften allerdings nicht ausreichen, um das Oktoberziel bereits vorzeitig zu erreichen. Nach Angaben aus der Fabrik entstehen derzeit ungefähr 450 Fahrzeuge pro Schicht. Selbst in einer Woche mit zwei zusätzlichen Schichten wäre damit eine Produktion von ungefähr 7.100 bis 7.300 Fahrzeugen erreichbar.

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Gigafactory Berlin: Wie Tesla den nächsten Produktionssprung schaffen will

Der Produktionssprung ist Teil eines bereits im Frühjahr angekündigten Expansionsplans. Im Juni hatte Tesla bestätigt, die Fertigung ab Oktober auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche erhöhen und dafür weitere 1.000 Mitarbeiter einstellen zu wollen. Zuvor war für den Sommer bereits eine erste Steigerung von rund 5.000 auf etwa 6.200 Fahrzeuge je Woche vorgesehen worden. Für diesen Schritt wurden ebenfalls rund 1.000 zusätzliche Beschäftigte eingestellt.

Werkleiter André Thierig hatte auf einer Betriebsversammlung erläutert, dass dafür auch die sogenannte Taktzeit der Produktion deutlich sinken müsse. Statt ungefähr 80 Sekunden soll ein Fahrzeug wesentliche Produktionsstationen schließlich im 45-Sekunden-Takt durchlaufen. Der schnellere Takt ist nach Angaben aus dem Werk inzwischen weitgehend umgesetzt. Dennoch erreicht die Fabrik die angestrebte Stückzahl noch nicht kontinuierlich.

Teslas Gigafactory in Grünheide soll ab Oktober 7.500 Fahrzeuge pro Woche produzieren. Drei verpflichtende Sonderschichten sollen helfen, den Produktionshochlauf am einzigen europäischen Tesla-Werk abzusichern.

- © Tobias Arhelger - stock.adobe.com

Tesla-Produktion: Der 45-Sekunden-Takt wird zur Bewährungsprobe

Beschäftigte berichten von zahlreichen Veränderungen in den Produktionsbereichen. Prozesse wurden umgebaut, Stationen automatisiert und Arbeitsabläufe neu organisiert. Nicht jede Umstellung funktioniere sofort wie vorgesehen. Gerät eine Produktionslinie hinter den geplanten Ablauf zurück, steigt entsprechend der Druck, den Rückstand wieder aufzuholen.

Dass die zusätzlichen Produktionsziele innerhalb der Belegschaft diskutiert werden, zeigte sich bereits im Juni. Gewerkschaftlich organisierte Betriebsräte verwiesen damals darauf, dass einer geplanten Produktionssteigerung um etwa 50 Prozent ein deutlich geringerer prozentualer Personalzuwachs gegenüberstehe. Die Werksleitung argumentiert dagegen, dass nicht allein mehr Personal, sondern insbesondere effizientere Abläufe und eine Neuverteilung von Arbeitsschritten die höhere Leistung ermöglichen sollen.

Tesla Grünheide: Warum die Sonderschichten intern für Diskussionen sorgen

Für zusätzliche Arbeit sieht Tesla grundsätzlich einen Zuschlag von 35 Prozent vor. Eine Ausnahme gilt allerdings für Beschäftigte, deren Flexzeitkonto im negativen Bereich liegt. Ihre zusätzliche Arbeitszeit wird zunächst zum Ausgleich vorhandener Minusstunden verwendet. Einen Zuschlag erhalten diese Mitarbeiter für die entsprechenden Stunden nicht.

Die Vereinbarung über die Sonderschichten wurde mit dem Betriebsrat getroffen. Dessen Zusammensetzung hatte sich bei der Wahl im März verändert. Die Liste um Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz erreichte dabei 41 Prozent der Stimmen, die IG Metall kam auf 31 Prozent.

Die Mehrarbeit fällt in eine Phase, in der Tesla seine Beschäftigtenzahl in Grünheide wieder deutlich erhöht. Ende 2025 arbeiteten nach Angaben aus dem Geschäftsbericht einschließlich Leiharbeitskräften rund 11.000 Menschen am Standort. Allein für den zweistufigen Ausbau der Fahrzeugfertigung wurden beziehungsweise werden rund 2.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt. Hinzu kommen geplante Stellen in der Batteriezellproduktion.

Tesla-Werk Brandenburg: Warum 54 Prozent Auslastung nicht die ganze Geschichte erzählen

Die Dimension des geplanten Hochlaufs zeigt sich besonders beim Blick auf das vergangene Jahr. 2025 wurden in Grünheide rund 202.000 Fahrzeuge produziert – etwa 9.000 weniger als 2024. Die Kapazitätsauslastung lag nach Angaben der deutschen Tesla-Gesellschaft bei lediglich 54 Prozent.

Finanziell entwickelte sich der Standort dennoch positiv: Der Jahresüberschuss der Tesla Manufacturing Brandenburg SE stieg von 56,8 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 77,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sank der Umsatz von rund 7,7 auf 7,1 Milliarden Euro. Als Gründe für die niedrigere Produktionsmenge wurden unter anderem die Umstellung des Model Y und die Integration neuer Fahrzeugvarianten genannt.

Für Tesla ist Grünheide weit mehr als ein Werk für den deutschen Markt. Nach Angaben aus dem Unternehmensbericht werden mittlerweile mehr als 30 Märkte von Brandenburg aus beliefert. Das dort gefertigte Model Y geht damit in zahlreiche europäische und weitere Exportmärkte.

Das in Grünheide gefertigte Tesla Model Y wird aus Brandenburg in mehr als 30 Märkte geliefert. Nun soll die Produktion in der Gigafactory Berlin auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche steigen.

- © Tesla

Tesla und der E-Auto-Markt: Deutschland wächst, Europa bleibt umkämpft

Auch der deutsche Elektroautomarkt liefert derzeit Rückenwind. Im August 2026 wurden bundesweit 68.930 reine Elektroautos neu zugelassen – 75,1 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Ihr Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen erreichte 32,4 Prozent. Tesla selbst verzeichnete im August in Deutschland 3.034 Neuzulassungen und damit 110,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von Januar bis August stiegen die Tesla-Neuzulassungen nach KBA-Daten auf 32.258 Fahrzeuge.

Europaweit ist das Bild jedoch weniger einheitlich: Während Tesla zuletzt beispielsweise in Frankreich und Dänemark deutliche Zuwächse verbuchte, gingen die Zulassungen in mehreren anderen europäischen Märkten zurück. Der Produktionshochlauf in Grünheide findet deshalb in einem weiterhin stark umkämpften Markt statt.

Tesla Batteriezellen: Grünheide wird zur zweiten großen Standortwette

Parallel zur Fahrzeugproduktion baut Tesla Grünheide auch als Batteriestandort aus. Im Mai kündigte der Konzern zusätzliche Investitionen von rund 250 Millionen Dollar für die Batteriezellfertigung an. Die geplante Kapazität soll dadurch von ursprünglich acht auf 18 Gigawattstunden pro Jahr steigen. Dafür sollen mehr als 1.500 weitere Beschäftigte benötigt werden. Insgesamt bezifferte Tesla das Investitionsvolumen für diesen Bereich zuletzt auf annähernd 1,45 Milliarden Dollar.

Damit verfolgt der Konzern in Brandenburg gleichzeitig mehrere Großprojekte: höhere Stückzahlen in der Fahrzeugfertigung, zusätzliche Arbeitsplätze und den Ausbau der Batterieproduktion. Kurz- und mittelfristig hatte Tesla insgesamt bis zu 3.500 zusätzliche Stellen für Fahrzeug- und Batteriefertigung angekündigt.

Bevor die nächste Ausbaustufe erreicht wird, steht für Teile der bestehenden Mannschaft jedoch zunächst Mehrarbeit an.

Nur wenige Tage vor der ersten verpflichtenden Sonderschicht lädt Tesla die Beschäftigten und deren Familien zu den „Giga Summer Games“ ein. Geplant sind unter anderem Beachvolleyball, Kletterwand, Hüpfburgen, Musik und eine Disco am Abend. Mehr als 10.000 Besucher werden erwartet. Werksführungen soll es allerdings nicht geben – die Produktionsbereiche bleiben für Gäste geschlossen.

Danach beginnt der Endspurt für das ehrgeizige Produktionsziel. Für die Werksleitung dürfte der Oktober zum Praxistest werden: Dann muss sich zeigen, ob schnellere Taktzeiten, neue Beschäftigte, Automatisierung und zusätzliche Schichten tatsächlich ausreichen, um Grünheide dauerhaft auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche zu bringen.

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