EU Automarkt 2026 : Europas Automarkt kippt: E-Autos boomen, Verbrenner brechen ein – und China gewinnt Marktanteile

An overhead view of a busy toll road with many cars queuing up to pay the highway toll

E-Autos verändern Europas Neuwagenmarkt: Während Benziner und Diesel Marktanteile verlieren, wachsen chinesische Autohersteller wie BYD und Chery besonders stark.

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Der Automarkt in der Europäischen Union hat seinen Wachstumskurs im Sommer 2026 fortgesetzt. Im August wurden in den 27 EU-Staaten 708.211 neue Pkw zugelassen. Das waren 4,5 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Für die ersten acht Monate des Jahres summieren sich die Neuzulassungen auf 7,55 Millionen Fahrzeuge – ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber Januar bis August 2025. Die Zahlen stammen vom europäischen Herstellerverband ACEA und sind für das laufende Jahr noch vorläufig.

Der eigentliche Umbruch zeigt sich jedoch weniger bei der Gesamtzahl als bei den Antriebsarten. Reine batterieelektrische Autos, sogenannte Battery Electric Vehicles oder BEV, kamen zwischen Januar und August bereits auf 1,64 Millionen Neuzulassungen. Ihr Marktanteil stieg damit von 15,8 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 21,7 Prozent. Gegenüber 2025 legten die BEV-Zulassungen um 44,9 Prozent zu. Allein im August wurden 196.486 Elektroautos neu angemeldet – 62,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Besonders kräftig entwickelte sich die Elektromobilität in mehreren großen europäischen Märkten. In Frankreich lagen die BEV-Neuzulassungen in den ersten acht Monaten 74,2 Prozent über dem Vorjahreswert, in Deutschland betrug das Plus 53,1 Prozent. Dänemark meldete einen Zuwachs von 40,9 Prozent, Belgien von 13,1 Prozent. Deutschland kam bis Ende August auf mehr als 515.000 neu zugelassene batterieelektrische Pkw.

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Verbrenner verlieren in Europa: Benziner und Diesel brechen ein

Noch größer als der Aufstieg der Elektroautos ist die Verschiebung, wenn sämtliche elektrifizierten Antriebe betrachtet werden. Klassische Hybridfahrzeuge ohne externe Lademöglichkeit sind inzwischen die wichtigste Antriebsart im EU-Neuwagenmarkt. Sie erreichten von Januar bis August einen Marktanteil von 36,6 Prozent und rund 2,76 Millionen Zulassungen. Plug-in-Hybride kamen mit gut 758.000 Fahrzeugen auf zehn Prozent des Marktes.

Auf der anderen Seite setzt sich der Rückgang bei reinen Verbrennern fort. Die Zahl der neu zugelassenen Benziner fiel in den ersten acht Monaten um 18,6 Prozent auf rund 1,63 Millionen Fahrzeuge. Damit sank ihr Marktanteil von 28 auf 21,7 Prozent. Dieselmodelle verloren ebenfalls 18,6 Prozent und kamen nur noch auf einen Anteil von 7,3 Prozent. Zusammen standen Benzin- und Dieselfahrzeuge damit für 29 Prozent des EU-Neuwagenmarktes; ein Jahr zuvor waren es noch 37,5 Prozent gewesen.

Der Trend beschleunigte sich im August noch einmal: In diesem Monat brachen die Benziner-Zulassungen gegenüber dem Vorjahr um 24,6 Prozent ein, Diesel verloren 23,8 Prozent. Reuters wertet die Entwicklung entsprechend als einen Markt, dessen Wachstum zunehmend von elektrifizierten Fahrzeugen getragen wird.

Benziner und Diesel verlieren im EU-Automarkt deutlich an Boden: Ihr gemeinsamer Marktanteil ist 2026 weiter gesunken, während elektrifizierte Antriebe stark zulegen.

- © APA/HELMUT FOHRINGER

BYD, Chery und Leapmotor: Chinesische Autohersteller gewinnen Marktanteile

Parallel zum Wandel der Antriebstechnologie verändern sich die Marktanteile der Hersteller. Besonders auffällig ist der Vormarsch mehrerer chinesischer Autokonzerne. BYD kam in der EU zwischen Januar und August 2026 auf 177.752 Neuzulassungen – 163 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil stieg innerhalb eines Jahres von 0,9 auf 2,4 Prozent. Im August allein setzte BYD mehr als doppelt so viele Fahrzeuge ab wie ein Jahr zuvor.

Noch höhere Wachstumsraten weist Chery auf. Zu dem Konzern zählt die ACEA unter anderem die Marken Jaecoo, Jetour und Omoda. Die Zahl der Neuzulassungen sprang in den ersten acht Monaten von gut 33.000 auf mehr als 116.000 Fahrzeuge. Das entspricht einem Plus von rund 251 Prozent. Chery erhöhte seinen EU-Marktanteil dadurch von 0,5 auf 1,5 Prozent. SAIC Motor, zu dessen wichtigsten europäischen Marken MG gehört, steigerte seinen Anteil von 1,9 auf 2,2 Prozent.

Auch Leapmotor expandiert rasch. Die ACEA weist für Januar bis August rund 62.500 Fahrzeuge aus – mehr als fünfmal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil erhöhte sich von 0,2 auf 0,8 Prozent. Eine Besonderheit: Der internationale Vertrieb erfolgt über Leapmotor International, ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem Stellantis nach Angaben der ACEA 51 Prozent und Leapmotor 49 Prozent hält.

Addiert man Geely, BYD, SAIC, Chery und Leapmotor auf Basis der ACEA-Zahlen, kommen diese fünf Herstellergruppen in den ersten acht Monaten auf rund 725.000 Neuzulassungen beziehungsweise 9,6 Prozent des EU-Marktes. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lag ihr gemeinsamer Anteil bei rechnerisch 6,2 Prozent. Geely blieb dabei mit 2,7 Prozent Marktanteil stabil; in der ACEA-Definition umfasst die Gruppe unter anderem Volvo Cars, Polestar, Smart, Lotus, Lynk & Co und Zeekr.

BYD wächst in Europa rasant: Die Neuzulassungen des chinesischen Autobauers stiegen in der EU von Januar bis August 2026 um 163 Prozent, der Marktanteil kletterte auf 2,4 Prozent.

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Volkswagen, BMW und Mercedes: Deutsche Autobauer verlieren Marktanteile

Für die europäischen Branchenführer ergibt sich ein differenziertes Bild. Der Volkswagen-Konzern bleibt mit Abstand die größte Herstellergruppe in der EU. Von Januar bis August wurden knapp zwei Millionen Fahrzeuge des Konzerns zugelassen, 1,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Weil der Gesamtmarkt stärker wuchs, sank der Marktanteil dennoch von 27,5 auf 26,5 Prozent. Im August gingen die Konzernzulassungen um 3,2 Prozent zurück. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Porsche aus: Die Sportwagenmarke verlor im August 8,3 Prozent und in den ersten acht Monaten 13,2 Prozent.

BMW steigerte seine EU-Zulassungen seit Jahresbeginn um 4,8 Prozent auf rund 524.000 Fahrzeuge, der Marktanteil gab aber geringfügig von 7,0 auf 6,9 Prozent nach. Mercedes-Benz kam auf etwa 373.000 Neuzulassungen und damit auf ein Plus von 3,5 Prozent; der Marktanteil sank leicht von 5,0 auf 4,9 Prozent. Im August entwickelte sich Mercedes allerdings deutlich stärker und legte um 7,2 Prozent zu.

BMW wächst im EU-Automarkt weiter, verliert jedoch leicht an Marktanteil: Von Januar bis August 2026 stiegen die Neuzulassungen um 4,8 Prozent auf rund 524.000 Fahrzeuge.

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EU-Zölle auf chinesische Elektroautos: Warum BYD & Co. trotzdem wachsen

Der wachsende Wettbewerbsdruck aus China trifft Europa dabei in einer Phase handelspolitischer Spannungen. Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU zusätzliche Ausgleichszölle auf bestimmte in China produzierte batterieelektrische Fahrzeuge. Die von der Europäischen Kommission festgesetzten Sätze reichen grundsätzlich von 7,8 bis 35,3 Prozent; für BYD wurden 17 Prozent, für Geely 18,8 Prozent und für SAIC 35,3 Prozent festgelegt. Die Maßnahmen basieren auf einer Antisubventionsuntersuchung der EU. Anfang 2026 bestätigte die Kommission, dass diese Regelung weiterhin in Kraft ist, während parallel auch über alternative Preisverpflichtungen einzelner Hersteller verhandelt wird.

Trotz dieser Handelsbarrieren zeigen die aktuellen Zulassungszahlen, wie schnell sich Europas Automarkt verändert. Das Wachstum kommt immer stärker von elektrifizierten Antrieben, während klassische Benzin- und Dieselmodelle an Bedeutung verlieren. Zugleich wird der Wettbewerb breiter: Chinesische Konzerne erreichen inzwischen Stückzahlen und Marktanteile, die sie für die etablierten europäischen Hersteller zu dauerhaft relevanten Konkurrenten machen. Die kommenden Monate dürften deshalb nicht nur darüber entscheiden, wie schnell die Elektrifizierung weitergeht, sondern auch darüber, wie sich die Marktanteile zwischen europäischen und neuen internationalen Anbietern verschieben.

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