Logistik : Green Logistics: Da geht mehr!

Nicht nur steigendes ökologisches Bewusstsein, sondern auch „lediglich“ wirtschaftliche Faktoren zwingen die Akteure im Bereich Beschaffung und Logistik dazu, mehr Akzente in Richtung Nachhaltigkeit zu setzen.

Allein mit dem Verweis darauf, ein papierloser Betrieb zu sein, lockt man heutzutage wohl keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Besser ist es da schon, sich etwa durch die hauseigene Photovoltaikanlage am Firmendach zudem energieautark zu präsentieren, noch besser ist es, Überschüsse zu produzieren und diese ins allgemeine Netz einzuspeisen.

So lobenswert und wichtig derartige Maßnahmen sind, es bleiben „Peanuts“, betrachtet man die ambitionierten Ziele, die sich Regierungen weltweit in puncto Umweltschutz und CO2-Reduktion gesetzt haben. Einen Großteil davon hat die Industrie zu schultern.

Es gibt keinerlei verbindliche Richtlinien, was denn nun genau unter Green Logistics zu verstehen sei. Entsprechend vielfältig bis unstrukturiert präsentiert sich die Branche. Vielen fehlt einfach noch der Plan, der Grundstein für eine nachhaltige Unternehmensstrategie ist quasi noch nicht gelegt.

Andere glänzen als Optimierer. Für sie sind Umweltschutz und Verantwortung für nachfolgende Generationen keine leeren Phrasen. Was die konkrete Umsetzung dieser Zielvorgaben betrifft, setzen sie allerdings auf altbewährte und deshalb zumeist auch leicht angestaubte betriebswirtschaftliche Kunstgriffe. Sprich, sie favorisieren Maßnahmen, die wenig kosten, rasch umsetzbar sind und dabei eine möglichst breite (Außen-)Wirkung entfalten. Aktuell noch relativ überschaubar präsentiert sich die Gruppe jener Unternehmen, die verstanden haben, was nachhaltiges Wirtschaften bedeutet. Sie begreifen Green Logistics als integralen Bestandteil der Unternehmenskultur, in deren Rahmen neue Produkte, Abläufe und Strukturen zu entwickeln und Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden zu gewinnen sind.

Schmuddelkind Transport?

Doch von Anfang an. Wie sehen die Anforderungen aus, die rund um eine grüne Logistik gestellt werden? Ganz oben auf der Prioritätenliste steht emissionsarmes bzw. mittelfristig emissionsloses, also klimaneutrales Wirtschaften. Der Schuldige, warum das im Bereich der Logistik mit dem Umweltschutz noch immer nicht ganz so klappt, ist rasch gefunden. Es geht natürlich um den Transport, dem Schmuddelkind der Supply Chain. Egal ob Lkw, Schiff oder Flug- zeug, gemeinsam ist allen eine eindeutige Zuordnung, nämlich Treibhausgaserzeuger Nummer eins zu sein.

Knapp zwei Drittel des Energieaufwands von Logistikunternehmen entfallen auf den Transport. Kein Wunder also, dass in diesem Bereich derzeit am intensivsten geforscht wird. Elektro-Pkw und -Lkw mit Null-Emission, Hybrid-Oberleitungen für Fern-Lkw sowie Power-to-Gas- bzw. Power-to-Liquid-Techniken. In den Unternehmen angekommen sind diese Innovationen allerdings nicht. Der Grund dafür: Die in einem massiven Verdrängungswettbewerb stehende Branche arbeitet derzeit vor allem daran, noch schnellere und noch kostengünstigere Lieferungen als die Konkurrenz anbieten zu können. Investiert wird daher nur bedingt in einen neuen Fuhrpark, sondern eher in eine noch ausgefeiltere Distributionssoftware.

Ökologischer dank Digitalisierung

Natürlich ist die Zukunft der grünen Logistik ganz unmittelbar mit der Digitalisierung, IoT und der Industrie 4.0 verknüpft. Besonders die Auswertung von Big Data, vor allem zur besseren Routenplanung und zum effizienteren Tracking, steht ganz oben auf der Wunschliste von Unternehmen. Schließlich kann so die Supply Chain genauer kalkuliert und dokumentiert werden.

Neben ökologischen sind es handfeste ökonomische Gründe, die für die Digitalisierung sprechen. Fertigungsanlagen, die ohne menschliches Zutun ihre Rohstoffe selbst nachbestellen, sobald sich das Lager zu leeren droht, oder selbstfahrende Roboter, die auf Basis von Sensorik und RFID das Tagesgeschäft erledigen, entlasten in erster Linie die Budgets von Unternehmen, schließlich gelten Mitarbeiter nach wie vor als der größte betriebliche Kostenfaktor. Dass die Arbeitswelt dadurch auch effizienter, umweltfreundlicher und emissionsloser werden soll, ist ein durchaus positiver Zusatzeffekt.

Warum die großen technologischen Durchbrüche aber dennoch auf sich warten lassen, ist leicht erklärt. Es sind die damit verbundenen Kosten, die selbst einem Weltkonzern wie Amazon zu schaffen machen. Seit fast fünf Jahren geistert die Ankündigung von Jeff Bezos, kleine und besonders eilige Bestellungen auf kurzen Distanzen mit automatischen Drohnen zustellen zu wollen, durch die Medien. Abgehoben hat bislang keine einzige. „Prime Air“ sollte die KEP-Dienste geradezu revolutionieren, mittlerweile macht der Online-Händler, ganz Old School, mit dem Kauf einer Kinokette Schlagzeilen.

Das Geld fehlt

Mangelnde Investitionsanreize und Rechtsunsicherheit sowie fehlende Förderversprechen seitens der Politik seien, so hört man aus der Branche, Gründe dafür, warum sich Österreich in puncto Green Logistics vergleichsweise bescheiden schlägt. Der durch klein- und mittelständische Unternehmen geprägten Logistik- und Transportwirtschaft fehlen schlicht und ergreifend die finanziellen Mittel, um aktiv zu werden. Zweifelsohne würden selbstfahrende LKW mit Hybridantrieb (auf Oberleitungen), möglicherweise sogar im Konvoi via Datentransfer aneinander gefädelt, die Umwelt entlasten und nebenbei auch noch die massiven Personalprobleme der Branche lösen – dazu müsse man sich Platooning & Co aber erst einmal leisten können. Selbiges gilt für die Intralogistik. Es mangelt nicht an für KMU geeigneten fahrerlosen Transportsystemen und -fahrzeugen, mit denen sich auch kleine Werks- und Logistikhallen problemlos bespielen lassen, es mangelt an der potenten Käuferschaft.

Fazit: Grüne Logistik und damit verbunden umweltfreundliche Geschäftsmodelle können sich unter diesen Voraussetzungen nur zaghaft entwickeln, Corporate Social Responsibility wird nicht gelebt. Was bleibt, reicht bestenfalls für einen optimierten Umgang mit dem Bestehenden.