Österreich

APG und Wirtschaftskammer fordern raschen Ausbau der Stromnetze

Die Schwankungen in Österreichs Stromnetzen steigen jedes Jahr an - und mit ihnen die Kosten für die Stabilisierung. Der Ausbau der Netze sei billiger und besser für den Standort, so der Netzbetreiber APG und die Wirtschaftskammer.

Der Übertragungsnetzbetreiber APG und die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) pochen nach den 2017 gehäuft aufgetretenen Stresssituationen im Stromnetz auf einen möglichst raschen Ausbau dieser Infrastruktur. Dazu erhoffen sie sich für den Ausbau der Salzburg-Leitung rasch grünes Licht vom Bundesverwaltungsgericht (BvWG), bei dem die Causa schon 24 Monate liegt, nach 38 Monaten erster Instanz davor.

"Wir benötigen die Leitung ganz dringend, um kritische Situationen in Österreich zu verhindern", betonte APG-Chefin Ulrike Baumgartner-Gabitzer am Donnerstag vor Journalisten. In Westösterreich stehe viel Strom aus Pumpspeicherkraftwerken zur Verfügung, der zum Ausgleich des in Ostösterreich nicht permanent vorhandenen Stroms aus Windkraft dienen könne.

Beim noch fehlenden Salzburger 380-kV-Stück handle es sich um das "bestgeprüfte Projekt in Österreich", und es sollte akzeptiert werden, dass sehr genau und kompetent arbeitende Gutachter im Verfahren involviert gewesen seien, appellierte die APG-Vorstandschefin, das Thema aus dem Salzburger Landtagswahlkampf herauszuhalten. Damit bezog sie sich auf Forderungen nach Ausweisung exakt jener Areale als Naturschutzgebiete, wo die Stromleitung durchführen soll.

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Dass die neue Bundesregierung in ihrem Programm raschere Genehmigungsverfahren ermöglichen wolle, begrüße man für künftige Projekte, denn derzeit fehle Planungssicherheit und eine überörtliche Raumplanung, so Baumgartner-Gabitzer. Im Sinne einer Verfahrensökonomie sollte es auch einen "Einsendeschluss" für Einwendungen geben; derzeit seien Anträge oft "überschießend", die Behörde müsse darauf aber immer antworten, um im Verfahren nur ja keine Fehler zu machen.

Voriges Jahr musste die Verbund-Tochter APG durch immer mehr volatilen Ökostrom und teils ungünstige Witterung (speziell im Jänner, aber auch im Juni) zur Sicherung der Versorgung an 301 Tagen stabilisierend eingreifen, so oft wie nie zuvor. Auch die Kosten für dieses Redispatch waren 2017 so hoch wie nie zuvor. In Summe fielen dafür 300 Mio. Euro an, davon mussten nach dem Verursacherprinzip 100 Mio. Euro von "österreichischen Zahlern" getragen werden, der Wirtschaft und Konsumenten.

Die Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit bestanden vor allem in Zuschaltungen thermischer Kraftwerkskapazität. Diese Anlagen, großteils Gaskraftwerke, könnten laut APG-Chefin noch viele Jahre, womöglich auch ein Jahrzehnt lang, zur Netzstabilisierung notwendig sein - dabei fordern die Übertragungsnetzbetreiber die Leistung an. Die kann aber dann auch aus "Umweltschleudern" kommen, etwa wie 2017 von einem slowenischen Braunkohlekraftwerk.

"Wir brauchen mittelfristig alle Gaskraftwerke. Gas ist eine Brückentechnologie, um die Volatilität ausgleichen zu können. Die Gaskraftwerke dürfen daher nicht vom Netz gehen", forderte Baumgartner-Gabitzer.

Wenn der Verbund aber sagen würde, man könne sich das steirische Gaskraftwerk Mellach nicht mehr leisten, "dann kann ich nix machen", meinte die APG-Chefin auf eine entsprechende Frage. Man wolle in diesen Fragen immer ein Vetorecht, bekomme es aber nicht. Ein Fortschritt sei schon, dass nun laut Gesetz eine entsprechende geplante Stilllegung zwölf Monate vorher angezeigt werden müsse.

Redispatch viel teurer als Netzausbau

Redispatch sei aber viel teurer als ein Netzausbau, dessen Notwendigkeit sich im Vorjahr einmal mehr erwiesen habe, verwies die Managerin auf die noch immer beim Bundesverwaltungsgericht liegende Causa "Ausbau der 380-kV-Salzburg-Leitung". Man unterstütze den Plan der neuen Regierung, dass bis 2030 - bilanziert übers ganze Jahr - der gesamte heimische Strom aus erneuerbaren Quellen stammen soll, das sei aber "nur machbar mit leistungsfähigen, stabilen und sicheren Netzen".

Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung Umwelt- und Energiepolitik in der WKÖ, plädierte ebenfalls für einen raschen Genehmigungsbescheid durch das BvWG, den sonst könnte es zu Verzögerungen beim Bau dieser Leitung kommen. Die noch fehlende Verbindung von Salzburg nach Kaprun könnte - bei raschem grünen Licht - 2023 fertig sein, sagt die APG-Chefin. (apa/red)

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