VW in der Cashflow-Falle: Milliardenloch, Downgrade-Risiko und Blumes Härtetest
Bei Volkswagen geht es längst nicht nur um ein schwaches Quartal, sondern um den Cashflow: Die Investitionen laufen weiter, die Einnahmen halten nicht Schritt. Für 2025 rechnet der Konzern laut eigener Linie erstmals mit einem Netto-Cashflow von null, für 2026 droht ein Minus von rund sieben Milliarden Euro – eine Lücke, die den Druck auf Kreditlinien und Liquidität erhöht. Brisant ist zudem die Rating-Perspektive: Moody’s (Baa1) und S&P (BBB+) liegen in der Erzählung bereits nur wenige Stufen über Junk. Eine Herabstufung würde Anleihen für viele Großinvestoren unattraktiv machen – und könnte die Finanzierungskosten gerade bei Volkswagen Financial Services nach oben treiben, also dort, wo ein großer Teil des weltweiten Absatzes mitfinanziert wird. Zusätzlicher Stress kommt aus dem Konzernverbund: Porsche (mehrheitlich VW) belastet mit schwachen Zahlen den Mutterkonzern. Gleichzeitig ordnet Oliver Blume seine Doppelrolle neu: Ab 1. Januar übernimmt Michael Leiters bei Porsche, Blume soll sich voll auf Volkswagen konzentrieren – auf einen Konzern im Umbau, nicht im Aufbruch.
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Sparprogramm, China-Schwäche, US-Gegenwind, Software-Chaos
Die Reaktion fällt hart aus: Stellenabbau (u. a. Porsche bis zu 5.000, Audi 10.000, in den Kernmarken Größenordnungen bis 35.000) und ein Sparmodus, der von Marketing bis Investitionen reicht. Parallel prüft VW Verkäufe von Beteiligungen und Töchtern – alles, was nicht sofort Geld verdient oder strategisch zwingend ist. Operativ kommt Gegenwind aus den Kernmärkten: China war einst der Gewinnmotor, nun liegt der Absatz laut Darstellung bei 2,9 Millionen Fahrzeugen (Mehrjahrestief), BYD und Überkapazitäten drücken; die Wirkung neuer China-Modelle soll frühestens 2027 sichtbar werden. In den USA/Nordamerika belasten Absatzrückgänge, Produktionsstopps (ID.4) und ein Strategiemix, der wieder stärker Richtung Verbrenner/Range-Extender schielt – plus Importzölle und ein erwartetes Defizit. Dazu stockt die E-Offensive: Ein Teil des Investitionsplans bleibt für Verbrenner reserviert. Und über allem liegt das Software-Thema: Nach Cariad soll die Rivian-Allianz retten, doch Sonderwünsche der Marken, Verzögerungen und verschobene Modelle treiben Kosten – ein Umbau unter Hochspannung, bei dem Blume gleichzeitig sparen, investieren und stabilisieren muss.