Volkswagen vor dem Absturz? Warum 2026 zum Schicksalsjahr für Oliver Blume wird

Blume startet nicht bei null, sondern mitten im größten Umbau der Unternehmensgeschichte. Sein Vorgänger Herbert Diess hatte den radikalen Kurs Richtung Elektromobilität vorgegeben – mit großen Visionen, aber vielen offenen Baustellen. Elektrifizierung, Software, neue Werke und neue Märkte sollten parallel funktionieren. Doch genau diese Gleichzeitigkeit wird Volkswagen nun zum Problem. In den ersten neun Monaten 2025 bricht der Konzerngewinn um mehr als 60 Prozent ein: von 8,9 auf 3,4 Milliarden Euro, die Marge fällt auf magere 2,9 Prozent. Der Cashflow rutscht ab, intern kursiert für 2026 ein drohendes Minus von rund sieben Milliarden Euro. Um das Loch zu stopfen, muss Volkswagen innerhalb kurzer Zeit zwölf Milliarden Euro aufbringen. Blume reagiert mit harten Einschnitten: 35.000 Stellen sollen allein in Deutschland bis Ende des Jahrzehnts wegfallen, Budgets werden gekürzt, Standorte und Modellreihen infrage gestellt. Doch Sparen allein reicht nicht – denn Investitionen in Elektromobilität und Software lassen sich nicht einfach stoppen, ohne die Zukunft des Konzerns zu gefährden. Blumes Dilemma: Kürzt er zu stark, verliert Volkswagen den Anschluss. Kürzt er zu wenig, droht der finanzielle Kollaps. Die Geduld von Eigentümern und Aufsichtsrat schwindet sichtbar.

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Ausverkauf, Absatzkrise und Software-Chaos

Deshalb folgt der nächste Schritt: der Verkauf von Beteiligungen. Mit dem Verkauf von Italdesign hat Volkswagen bereits begonnen, weiteres „Tafelsilber“ könnte folgen. Ganz oben auf der Liste steht Everllence, ein hochprofitabler Motorenbauer mit Milliardenbewertung. Auch Töchter wie MOIA, IAV oder der IT-Berater MHP gelten als potenzielle Verkaufskandidaten. Alles, was nicht unmittelbar Rendite bringt oder strategisch überlebenswichtig ist, steht zur Disposition. Gleichzeitig verschärfen sich die operativen Probleme. In China, einst der Gewinnmotor des Konzerns, ist der Absatz auf ein Zwölfjahrestief gefallen. Für 2025 erwartet Volkswagen dort weniger als eine Milliarde Euro Gewinn – früher kam jeder dritte Euro aus dem Reich der Mitte. In Nordamerika belasten Absatzschwäche, hohe Zölle und ein stockender E-Hochlauf die Bilanz, 2025 droht ein Milliardenverlust. Besonders heikel ist das Software-Thema. Die Hoffnung, mit Rivian Ordnung ins Chaos zu bringen, erfüllt sich bislang nicht. Zu viele Marken, zu viele Sonderwünsche, zu wenig Standardisierung. Projekte werden gestoppt oder verschoben, das Prestigeprojekt Trinity ist auf 2032 vertagt. Übergangslösungen mit der alten Software-Einheit Cariad treiben die Kosten weiter nach oben – inzwischen über sechs Milliarden Euro, ohne Erfolgsgarantie.

Für Oliver Blume wird 2026 damit zur Bewährungsprobe. Er muss liefern, wo andere gescheitert sind: Prioritäten setzen, Komplexität abbauen und Entscheidungen durchsetzen – auch gegen internen Widerstand. Gelingt das nicht, droht Volkswagen ein schleichender Bedeutungsverlust. Und für Blume selbst könnte es das Ende in Wolfsburg bedeuten. Die Zeit läuft.