Tesla, Grünheide und das Ende der Erfolgsstory

Grünheide sollte Teslas Brückenkopf für Europa werden. Bis zu 40.000 Arbeitsplätze, eine der größten Batteriefabriken der Welt, 375.000 Fahrzeuge pro Jahr. Doch die Realität sieht heute deutlich nüchterner aus. Die Belegschaft schrumpfte von rund 12.400 Beschäftigten im Jahr 2024 auf etwa 10.700 im Jahr 2026 – ein Rückgang von 14 Prozent. Der Grund liegt nicht im Werk selbst, sondern im Markt. Quer durch Europa brechen Teslas Verkaufszahlen ein. In Deutschland halbierten sich die Zulassungen binnen eines Jahres, in Frankreich gingen sie um mehr als ein Drittel zurück, europaweit um fast 28 Prozent. Insgesamt verkaufte Tesla 2025 nur noch rund 235.000 Fahrzeuge auf dem Kontinent. Damit liegt der Absatz unter der aktuellen Produktionskapazität von Grünheide. Das Werk ist größer ausgelegt, als der Markt Teslas derzeit hergibt. Gleichzeitig wächst der europäische Elektroautomarkt insgesamt kräftig. Die Nachfrage steigt – nur eben nicht mehr nach Tesla. Das macht Grünheide zum Risiko: Eine Fabrik, die auf Volumen ausgelegt ist, braucht Nachfrage. Bleibt sie aus, wird jede Schicht, jede Linie, jeder Arbeitsplatz zur Rechenaufgabe. Aus der Zukunftsfabrik ist ein Unsicherheitsfaktor geworden.

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Vom Technologieführer zum Nachzügler

Noch gravierender ist Teslas strategische Lage. Lange galt der Konzern als Taktgeber der Elektromobilität. Doch die Modellpalette ist überaltert. Model S und X spielen kaum noch eine Rolle, Model 3 und Y stammen konzeptionell aus der Zeit vor der Pandemie. Neue Volumenmodelle fehlen. Währenddessen haben europäische Hersteller aufgeholt – und überholt. Volkswagen führt inzwischen die E-Zulassungen an, auch BMW, Audi und Skoda wachsen stark. Sie bringen neue Plattformen, neue Modelle und neue Preispunkte. Tesla hingegen besetzt weder das günstige Einstiegssegment noch kann es seine technologische Überlegenheit in Europa ausspielen. Hinzu kommt der Faktor Elon Musk. Seine politischen Statements und Polarisierung beschädigen Teslas Image ausgerechnet in jenen Milieus, die Elektromobilität in Europa tragen. Zusammengenommen entsteht ein strukturelles Problem: schwache Nachfrage, fehlende Produkte, ein beschädigtes Markenbild. Für Grünheide heißt das: Die Zukunft des Werks entscheidet sich nicht an Visionen – sondern an der Frage, ob Tesla in Europa wieder Käufer findet. Andernfalls droht das Ende einer Erfolgsstory, die einst so hoffnungsvoll begann.