Automatisierung im Krieg : Die Roboterfront von Kyjiw: Wie die Ukraine den Krieg automatisieren will

Humanoider Roboter Phantom MK-1, der in der Ukraine für Nachschub- und Logistikaufgaben an der Front getestet wird.

Der humanoide Roboter Phantom MK-1 wurde in der Ukraine für logistische Aufgaben getestet. Er soll Versorgungsgüter in gefährdete Frontbereiche bringen – nicht als autonomer Kampfroboter eingesetzt werden.

- © Foundation

Der Krieg gegen die Ukraine hat die Entwicklung militärischer Technologien erheblich beschleunigt. Besonders deutlich zeigt sich das beim Einsatz unbemannter Systeme: Kleine Aufklärungsdrohnen beobachten gegnerische Stellungen, mit Sprengstoff bestückte Fluggeräte greifen Fahrzeuge und Infrastruktur an, während Bodenroboter Munition, Lebensmittel oder Verwundete transportieren. Nun will die Ukraine die Automatisierung ihrer Streitkräfte weiter ausbauen und dabei auch humanoide Roboter erproben.

Der ukrainische Militärtechnologie-Cluster Brave1 kündigte Anfang Juli 2026 einen Förderwettbewerb für zweibeinige Roboter an. Das Ziel sei, möglichst viele Aufgaben an der vordersten Frontlinie zu automatisieren und dadurch die Gefährdung ukrainischer Soldaten zu verringern, erklärte Brave1-Leiter Andrii Hrytseniuk bei einer Veranstaltung der Organisation. Die geplanten Systeme sollen zunächst vergleichsweise einfache Tätigkeiten beherrschen und später schrittweise mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet werden.

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Roboter statt Soldaten: Was an der Front schon getestet wird

Im Mittelpunkt stehen Aufgaben, bei denen Menschen bislang einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind. Dazu gehören der Transport von Nachschub, die Versorgung vorgeschobener Stellungen, Aufklärungseinsätze oder Arbeiten in verminten und stark beschossenen Gebieten. Langfristig könnten Roboter nach den Vorstellungen ukrainischer Entwickler auch dabei helfen, Stellungen zeitweise zu sichern. Von einem unmittelbar bevorstehenden flächendeckenden Einsatz bewaffneter humanoider Kampfmaschinen kann allerdings keine Rede sein.

Als wichtiges Beispiel gilt der in den USA entwickelte humanoide Roboter Phantom MK-1 des Start-ups Foundation. Zwei Exemplare wurden im Februar 2026 zu Erprobungszwecken in die Ukraine gebracht. Die etwa menschengroßen Maschinen wurden dort jedoch nach Angaben des Unternehmens nicht als selbstständig kämpfende Soldaten eingesetzt. Der Versuch konzentrierte sich vielmehr auf eine logistische Aufgabe: Die Roboter sollten Versorgungsgüter aufnehmen und in einen gefährdeten Bereich transportieren, damit Menschen diesen Weg nicht zurücklegen müssen.

Phantom MK-1: Warum der Robotersoldat noch am Gelände scheitert

Der Phantom MK-1 ist ungefähr 1,75 Meter groß und wiegt rund 80 Kilogramm. Die Plattform wurde so konstruiert, dass sie sich in einer grundsätzlich für Menschen geschaffenen Umgebung bewegen und vorhandene Werkzeuge oder Ausrüstung nutzen kann. In Demonstrationen zeigte Foundation auch, dass der Roboter ferngesteuert werden und verschiedene Waffen halten kann. Daraus folgt jedoch nicht, dass er bereits zuverlässig an Gefechten teilnehmen oder Waffen autonom einsetzen könnte.

Foundation selbst räumt ein, dass zwischen einer kontrollierten Vorführung und einem robusten Fronteinsatz erhebliche Unterschiede bestehen. Zu den größten Problemen gehören die begrenzte Energieversorgung, die Widerstandsfähigkeit gegen Wasser, Staub, Erschütterungen und Splitter sowie die Zuverlässigkeit der Hände. Gerade das sichere Greifen, Bedienen und Manipulieren unterschiedlicher Gegenstände gilt weiterhin als eine der schwierigsten Aufgaben der humanoiden Robotik.

Hinzu kommt das Gelände. Zweibeinige Roboter können theoretisch Treppen steigen, Türen öffnen oder in Gebäuden arbeiten, in denen Fahrzeuge mit Rädern oder Ketten an Grenzen stoßen. Schlamm, Schützengräben, Trümmer, Krater und lose Untergründe stellen jedoch extreme Anforderungen an Gleichgewicht und Steuerung. Ein vergleichsweise einfacher Bodenroboter auf Rädern oder Ketten ist für viele militärische Transportaufgaben deshalb derzeit billiger, stabiler und leichter zu warten.

Airbikes im Ukraine-Krieg: Kyjiws nächste Wette auf Militärtechnik

Neben humanoiden Systemen prüft Brave1 auch ungewöhnliche Fluggeräte. Hrytseniuk zufolge befinden sich sogenannte Airbikes und fliegende Buggys in der Entwicklung. Denkbar wäre, damit einzelne Personen oder kleine Einheiten rasch zu transportieren. Unbemannte oder teilautonome Versionen könnten nach dem Absetzen eines Soldaten selbstständig zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehren.

Als technisches Beispiel wird häufig das Volonaut Airbike des polnischen Entwicklers Tomasz Patan genannt. Das einsitzige Fluggerät verwendet Strahlturbinen und besteht zu großen Teilen aus leichten Verbundmaterialien. Ein Flugcomputer stabilisiert die Maschine. Frühere Präsentationen nannten eine technisch mögliche Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Für das inzwischen angebotene Modell gibt der Hersteller allerdings eine auf 102 Kilometer pro Stunde begrenzte Höchstgeschwindigkeit, ein Leergewicht von rund 30 Kilogramm und eine maximale Flugzeit von lediglich zehn Minuten an.

Das Volonaut Airbike gilt als Beispiel für neue Fluggeräte, die im Ukraine-Krieg für schnelle Transporte geprüft werden. Die geringe Flugzeit und der fehlende Schutz zeigen aber, wie weit der Weg zum realen Fronteinsatz noch ist.

- © Youtube

Fliegende Buggys: Warum die Technik für die Front noch zu kurz fliegt

Damit wird zugleich eine zentrale Schwäche solcher Konzepte deutlich: Die geringe Reichweite lässt nur ein enges Einsatzfenster zu. Zudem wären Pilot und Fluggerät während des Fluges weitgehend ungeschützt. Lärm, Hitzeabstrahlung und die begrenzte Nutzlast könnten eine unbemerkte Annäherung an umkämpfte Gebiete zusätzlich erschweren. Ob sich ein Airbike unter realen Gefechtsbedingungen bewährt, ist deshalb bislang offen.

Auch der schwedisch-italienische Hersteller Jetson entwickelt mit dem Jetson One ein einsitziges elektrisches Senkrechtstartflugzeug. Es wird von acht Elektromotoren angetrieben, über einen Joystick gesteuert und erreicht nach Herstellerangaben eine softwareseitig begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 102 Kilometern pro Stunde. Die Flugzeit liegt bei ungefähr 20 Minuten. Jetson beschreibt das Gerät allerdings als persönliches Freizeit- und Ultraleichtflugzeug, nicht als militärisches Transportsystem. Bestellungen werden derzeit für Lieferungen im Jahr 2028 angenommen.

Der Jetson One ist ein einsitziges elektrisches Senkrechtstartflugzeug. Für den Ukraine-Krieg zeigt es, welche Fluggeräte technisch möglich sind – als militärisches Transportsystem ist es bislang aber nicht ausgelegt.

- © Jetson

Autonome Waffen: Wer entscheidet künftig über Leben und Tod?

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