Heer : Miliz-Gala 2026 in Wien: Wirtschaft und Bundesheer bauen Partnerschaft aus

Miliz Gala 2026

Landesverteidigung als gesamtstaatliche Aufgabe: In der Maria-Theresien-Kaserne in Wien hat der Milizverband Österreich am Montag zur Miliz-Gala geladen. 

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In der Maria-Theresien-Kaserne in Wien hat der Milizverband Österreich am Montag zur Miliz-Gala geladen. Im Kasino der Kaserne kamen Vertreter des Bundesheeres, der Wirtschaft und der Miliz zusammen, um über die Rolle der Miliz in der österreichischen Sicherheitsarchitektur und über die Verantwortung von Unternehmen in der Landesverteidigung zu sprechen. Durch den Abend führten Christian Bayer, Generalsekretär des Milizverband Österreich, und Armin Richter, Präsident Milizverband Österreich. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von einer Combo der Gardemusik.


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Bereits die Worte von General Rudolf Striedinger, Chef des Generalstabs, machten deutlich, dass die Debatte über die Miliz längst nicht nur eine militärische ist. Striedinger verwies auf die Notwendigkeit, die geistige Landesverteidigung in der Gesellschaft stärker zu verankern. Nur ein wehrhaftes Volk ist gewillt, sich zu verteidigen, sagte er. Die Miliz könne ihre Rolle nur dann erfüllen, wenn Bevölkerung, Politik und Wirtschaft ein gemeinsames Verständnis für Sicherheit und Verteidigungsbereitschaft entwickelten.


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Striedinger sprach auch die budgetäre Lage des Bundesheeres an. Er zeigte sich erfreut, dass es gelungen sei, eine Aufwärtsbewegung bei der Finanzierung einzuleiten. Zugleich machte er deutlich, dass die Mittel aus seiner Sicht noch nicht ausreichen. Er verwies aber darauf, dass es in Zeiten wie diesen bereits viel wert sei, wenn das Budget nicht weniger werde.

General Rudolf Striedinger, Chef des Generalstabs, machte deutlich, dass die Debatte über die Miliz längst nicht nur eine militärische ist.

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Wirtschaft als Partner der Landesverteidigung

Im Zentrum des Abends stand die Botschaft, dass Landesverteidigung nicht alleinige Aufgabe des Bundesheeres ist. Armin Richter, Präsident des Milizverband Österreich, formulierte es in seinem Vortrag klar: „Landesverteidigung ist Gemeinschaftsaufgabe.“ Sicherheit sei nicht nur Aufgabe des Bundesheeres, sondern der gesamten Republik. 
 

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Richter beschrieb die Miliz als Bindeglied zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Streitkräften. Der Milizsoldat stehe mitten im Leben und sei im Ernstfall bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig betonte Richter, dass militärische Leistungsfähigkeit nicht kurzfristig hergestellt werden könne. Fähigkeiten entstünden „nicht über Nacht“, sondern benötigten Jahre des Aufbaus, der Ausbildung und des gemeinsamen Übens.

Besonders deutlich wurde Richter bei der Frage der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Landesverteidigung und wirtschaftliche Interessen seien keine Gegensätze. Im Gegenteil: Unternehmen bräuchten Sicherheit als Grundlage für wirtschaftliche Tätigkeit, während Milizsoldaten auf die Unterstützung ihrer Arbeitgeber angewiesen seien. „Wirtschaft und Landesverteidigung sind keine Gegensätze“, lautete eine zentrale Botschaft des Abends. Die Miliz funktioniere nur dann, wenn Betriebe Freistellungen, Ausbildung und Übungen mittragen.

Miliz-Gütesiegel: Unternehmen vor den Vorhang

Ein Schwerpunkt der Gala war das Miliz-Gütesiegel. Oberstleutnant Markus Matzhold stellte das Instrument vor. Mit dem Gütesiegel werden Unternehmen ausgezeichnet, die Milizsoldaten unterstützen und die Bedeutung der Miliz aktiv mittragen. Rund 200 Siegelträger gibt es bereits. Als Beispiel wurden unter anderem die Salzburger Landeskliniken genannt.

Das Gütesiegel soll nicht nur Anerkennung sein, sondern auch ein Signal an die Wirtschaft: Milizsoldaten bringen Fähigkeiten mit, die auch im Unternehmensalltag relevant sind. Dazu zählen Führungsstärke, Belastbarkeit, Teamfähigkeit, strukturiertes Arbeiten und die Fähigkeit, in unsicheren Situationen Entscheidungen zu treffen. In der Diskussion wurde wiederholt betont, dass Unternehmen diese Kompetenzen stärker als Nutzen sehen sollten.

Auch die Frage von Ersatzdienst, Ausbildungsprämien und Bildungschecks wurde angesprochen. Der Milizverband will die Schnittstelle zwischen Bundesheer und Arbeitgebern weiter professionalisieren. Ziel ist, Unternehmen nicht nur moralisch, sondern auch organisatorisch besser einzubinden.

Hameseder fordert raschere Umsetzung

Generalmajor Erwin Hameseder, Milizbeauftragter, stellte in seinem Beitrag die Rolle der Miliz in einem größeren sicherheitspolitischen Zusammenhang dar. Sicherheit sei ein Grundbedürfnis des Menschen, vergleichbar mit Gesundheit. Angesichts der internationalen Lage müsse die Bevölkerung stärker wachgerüttelt werden.

Hameseder sprach auch politische Reformen an, darunter Wehrersatzdienst und Wehrpflichtverlängerung. Es gebe im Regierungsprogramm einen klaren Auftrag, sagte er, nun brauche es eine rasche Umsetzung. Die Unsicherheit sei wesentlich gestiegen, daher sei es „allzu berechtigt“, wenn die Bevölkerung über den Status der Vorhaben informiert werde.

Deutlich wurde Hameseder bei der Frage des Personalbedarfs. Das Bundesheer benötige Quantität und Qualität. Es brauche Strukturen, die rasch mobil gemacht werden können, im Ernstfall innerhalb weniger Tage und in geschlossenen Verbänden. Ein Festhalten am Status quo sei aus seiner Sicht kein Weg. „Die Zeit des Zauderns ist vorbei“, sagte Hameseder.

Er verwies auf das Modell „Österreich plus“, das von der Wehrdienstkommission erarbeitet wurde. Dieses sei kein Wunschzettel, sondern fachlich beurteilt worden. Hameseder kritisierte, dass man Modelle nicht beliebig vermischen könne, nur weil einzelne Elemente politisch besser passten. Hameseder: „Ein Rosinenpicken zwischen den empfohlenen Modellen der Wehrdienstkommission ist aus fachlichen Gründen abzulehnen“. 

Auch gegenüber der Wirtschaft warb er um Unterstützung: Milizsoldaten seien für jedes Unternehmen ein Gewinn und eine „perfekte Antwort auf Bedrohungen der Zeit“, so Hameseder.

Armin Richter, Präsident Milizverband Österreich und Generalmajor Erwin Hameseder, Milizbeauftragter (re): Sicherheit sei ein "Grundbedürfnis des Menschen"

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Round Table: Miliz als Standort- und Führungsthema

In der anschließenden Round-Table-Diskussion, moderiert von Jürgen Zacharias von Militär Aktuell, diskutierten Peter Koren von der Industriellenvereinigung, Lukas Leitner von Cayenne und Lukas Kränkl von Gebrüder Pixel über das Verhältnis von Miliz und Wirtschaft.

Peter Koren, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, ordnete die Debatte in die aktuelle wirtschaftliche Lage ein. Er verwies auf sinkende Investitionen, hohe Lohnstückkosten, Energiekosten und Bürokratie. Es sei aber nicht Aufgabe der Wirtschaft, nur zu jammern, sondern zu handeln. Gerade in einer Phase, in der weltweit aufgerüstet werde, brauche es politischen Mut und industrielle Kooperationen. Koren nannte die industrielle Kooperation im Rahmen der Leonardo-Beschaffung als Beispiel und sagte, das müsse man anerkennen. Umgekehrt müsse auch die Wirtschaft Ja sagen, „wenn das Bundesheer unsere Leute braucht“.

Koren kritisierte zugleich, dass die Politik die Unternehmen zu lange im Unklaren lasse. Das Thema sei zu wichtig, um es allein „Spin-Doktoren in den Kabinetten“ zu überlassen. Aus Sicht der Industrie biete die Miliz aber auch Chancen.

Lukas Leitner von Cayenne sprach aus der Perspektive eines Unternehmensvertreters und Milizoffiziers. Er betonte, dass der Mehrwert der Miliz klarer ausgesprochen werden müsse. Acht Monate Ausbildung seien für die Wirtschaft „überhaupt kein Problem“, wenn der Nutzen sichtbar sei. Wer Miliz sage, müsse aber auch Übung, Ausrüstung und Einsatzfähigkeit mitdenken. 

Lukas Kränkl von Gebrüder Pixel brachte die digitale Perspektive ein. Sein Unternehmen arbeitet unter anderem an Corporate Design, KI-Anwendungen und digitalen Hilfestellungen für Soldaten. Genannt wurden etwa Systeme, mit denen Milizsoldaten Ausbildungselemente flexibler absolvieren oder taktische Zeichen und militärische Karten rasch nachschlagen können. 

Ein Abend zwischen Anerkennung und Reformdruck

Die Miliz-Gala zeigte ein Spannungsfeld, das für die kommenden Jahre prägend sein dürfte: Einerseits erfährt die Miliz politisch, militärisch und wirtschaftlich wachsende Anerkennung. Andererseits ist der Reformdruck hoch. Es geht um Personal, Ausbildung, Mobilmachung, Arbeitgeberunterstützung und um die Frage, wie Österreich seine Verteidigungsfähigkeit in einer veränderten geopolitischen Lage stärkt. An diesem Abend wurde betont, dass die Miliz nicht isoliert betrachtet werden könne. Sie steht im Dreieck Familie, Beruf und Bundesheer. Hameseder beschrieb Milizsoldaten als „Bürger in Uniform“, die sich bewusst für diesen Dienst entschieden hätten. Dieses Dreieck könne nur funktionieren, wenn Arbeitgeber, Politik und Bundesheer klare Rahmenbedingungen schaffen.

Armin Richter abschließend: Landesverteidigung sei kein Ressortthema, sondern eine gesamtstaatliche Aufgabe. Der Gedanke von Perikles, es sei nicht Aufgabe, die Zukunft vorherzusagen, sondern gut vorbereitet zu sein, gelte heute mehr denn je. 

Die Anwesenden waren sich einig: Die Wehrdienstkommission hat entsprechend ihrem Auftrag mit dem Modell Österreich Plus 8+2 eine klare Empfehlung ausgesprochen - die Politik habe die dafür nötigen Entscheidungen möglichst unverzüglich zu treffen, um eine rasche Umsetzung zu ermöglichen.

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