Covenant Anthem Marschflugkörper : Covenant: Der junge US-Rüster, der Leipzig zur Raketenfabrik machen will

Covenant Anthem Drohne vor schwarzem Hintergrund

Covenant will in Leipzig den Marschflugkörper Anthem montieren. Für den jungen US-Rüster könnte Sachsen zum Schlüsselstandort werden – wenn die Serienfertigung ab 2027 hält, was das Unternehmen verspricht.

- © Covenant

Knapp vier Wochen nach Bekanntwerden seiner ambitionierten Produktionspläne hat das US-amerikanische Rüstungsunternehmen Covenant am 5. Oktober 2026 seine erste europäische Produktionsstätte im Leipziger Norden eröffnet. In einer bestehenden, mehr als 10.000 Quadratmeter großen Gewerbehalle soll künftig der Marschflugkörper Anthem montiert werden. Bei der Eröffnung waren unter anderem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Johannes Steiniger, anwesend.

Damit nimmt ein Rüstungsprojekt konkrete Gestalt an, das Covenant erst Anfang September öffentlich vorgestellt hatte. Das 2024 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Washington will Leipzig zum weltweit größten eigenen Produktionsstandort ausbauen. Nach Unternehmensangaben sind Investitionen von rund 250 Millionen Euro vorgesehen. Langfristig sollen mehrere Hundert Arbeitsplätze entstehen.

Die Serienfertigung soll im ersten Quartal 2027 beginnen. Covenant plant für das erste Produktionsjahr rund 1.000 Marschflugkörper, für 2028 bereits eine Jahresproduktion von 5.000 Exemplaren. Die tatsächliche industrielle Leistungsfähigkeit muss das Unternehmen allerdings erst unter Beweis stellen.

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Bundeswehr plant neue Marschflugkörper für den Masseneinsatz

Die Eröffnung fällt in eine Phase, in der die Bundeswehr ihre Planungen für weitreichende Präzisionswaffen konkretisiert. Am 9. Oktober bestätigte Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding bei einer Veranstaltung des Förderkreises des Deutschen Heeres, dass die Entscheidung zur Beschaffung sogenannter Low Cost Cruise Missiles getroffen worden sei.

Die neuen Waffen sollen Ziele in Entfernungen von etwa 1.500 Kilometern bekämpfen können. Anders als bei besonders aufwendigen und teuren Marschflugkörpern steht dabei auch der Einsatz größerer Stückzahlen im Mittelpunkt. Durch massierte Angriffe sollen gegnerische Luftverteidigungssysteme überlastet werden können.

Nach Angaben Freudings betrachtet die Bundeswehr derzeit zwei bereits am Markt verfügbare Systeme. Beide müssten jedoch noch für den militärischen Einsatz qualifiziert werden. Erste Lieferungen ab 2027 hält der Heeresinspekteur grundsätzlich für möglich.

Generalleutnant Christian Freuding: Der Heeresinspekteur bestätigte, dass die Bundeswehr neue Low Cost Cruise Missiles beschaffen will – mögliche Hersteller nannte er nicht.

- © Bundeswehr

Anthem von Covenant: Ein möglicher Kandidat für Deutschlands neue Langstreckenwaffen

Welche Hersteller infrage kommen, ließ Freuding offen. Covenant könnte mit Anthem aufgrund seines Produktkonzepts und des angekündigten Produktionsbeginns ein Kandidat sein. Eine Auswahlentscheidung zugunsten des Unternehmens oder ein verbindlicher Beschaffungsvertrag mit der Bundeswehr sind bisher jedoch nicht öffentlich bestätigt.

Nach Angaben des Unternehmens verfügt Covenant bereits über Aufträge im Gesamtwert von rund 150 Millionen US-Dollar. Zudem sollen europäische NATO-Staaten zu den Kunden zählen. Welche Länder tatsächlich bestellt haben und welche Stückzahlen vereinbart wurden, ist öffentlich nicht bekannt.

Technisch setzt Covenant auf ein modulares Waffensystem, das sich möglichst kostengünstig in großen Mengen herstellen lassen soll. Anthem startet bodengestützt mit einem Feststoffraketenmotor und nutzt anschließend ein Strahltriebwerk. Nach Unternehmensangaben kann der Flugkörper eine Nutzlast von mehr als 200 Kilogramm transportieren.

Anthem: Der günstige Marschflugkörper, der seine Serienreife erst beweisen muss

Die Reichweite wird in Medienberichten mit mehr als 1.000 Kilometern angegeben. Präzise Leistungsdaten und Angaben zur Treffgenauigkeit veröffentlicht Covenant nicht. Auch die mehr als 200 vom Unternehmen genannten Testflüge stellen noch keinen unabhängig nachgewiesenen Abschluss der militärischen Qualifizierung dar.

Im Gespräch mit dem Fachmedium Defence Network erklärte Mitgründer Michael Kaufman am 11. Oktober, der Preis liege im mittleren sechsstelligen Bereich. Gegenüber etablierten Marschflugkörpern, die mehrere Millionen Dollar kosten können, wäre das ein erheblicher Unterschied. Ob diese Kalkulation auch bei einer tatsächlichen Großserienfertigung aufgeht, bleibt abzuwarten.

Covenants Europa-Wette: Warum die Lieferkette über den Erfolg von Anthem entscheidet

Eine wesentliche Rolle spielt die geplante regionale Beschaffung von Komponenten. Covenant strebt an, mehr als 95 Prozent der Bauteile für die europäische Anthem-Version aus Europa zu beziehen.

Im Interview mit Defence Network erläuterte Kaufman, dass das in Leipzig montierte System bis auf den Gefechtskopf vollständig sein soll. Sprengstoff werde am Standort nicht verarbeitet. Über die konkrete Bestückung entscheide der jeweilige staatliche Kunde.

Das Unternehmen verweist außerdem auf mehrere Zulieferer für wichtige Komponenten, um Produktionsengpässe zu vermeiden. Die weitgehend europäische Lieferkette könnte die Abhängigkeit von US-amerikanischen Exporten reduzieren. Unklar bleibt allerdings, welche europäischen Unternehmen tatsächlich beteiligt sind und in welchem Umfang Technologie- und Nutzungsrechte beim US-amerikanischen Hersteller verbleiben.

Covenant in Leipzig: Werkseröffnung, offene Genehmigungen und politische Kritik

Trotz der offiziellen Werkseröffnung sind noch nicht alle Voraussetzungen für den angekündigten Produktionsbeginn erfüllt. Wie Handelsblatt und regionale Medien berichteten, stand Anfang Oktober die erforderliche behördliche Genehmigung zur Umnutzung der bisherigen Lagerhalle aus.

Die Leipziger Stadtverwaltung hatte Ende September im Stadtrat erklärt, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein entsprechender Antrag vorgelegen habe. Ob die notwendigen Genehmigungen inzwischen erteilt wurden, ist öffentlich nicht verifiziert.

Auch politisch ist die Ansiedlung umstritten. Während Vertreter der sächsischen Landesregierung die Investition und den Aufbau zusätzlicher Rüstungskapazitäten begrüßen, äußern lokale Parteien und Friedensinitiativen Kritik an der Waffenproduktion.

Das Neue Rathaus in Leipzig: Die Stadtverwaltung spielt eine zentrale Rolle bei den noch offenen Genehmigungen für Covenants geplante Marschflugkörper-Produktion im Leipziger Norden.

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Covenant vor dem Härtetest: Wird Leipzig wirklich Europas neuer Standort für Langstreckenwaffen?

Covenant bewegt sich in einem europäischen Markt, der durch steigende Verteidigungsausgaben und den Bedarf an weitreichenden Präzisionswaffen geprägt ist. Neben der europäischen ELSA-Initiative und der Modernisierung bestehender Systeme verfolgt Deutschland auch die geplante Beschaffung amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper.

Für Covenant eröffnen sich dadurch erhebliche Marktchancen. Die Leipziger Werkseröffnung und die nahezu zeitgleiche Beschaffungsankündigung der Bundeswehr zeigen, wie eng industrielle Investitionen und neue militärische Anforderungen inzwischen zusammenrücken.

Noch ist allerdings offen, ob Anthem zu den künftig eingesetzten Systemen der Bundeswehr gehören wird. Für den jungen Hersteller beginnt nun die entscheidende Phase: Er muss zeigen, dass sich seine Technologie zuverlässig, wirtschaftlich und in den angekündigten Stückzahlen produzieren lässt. Erst dann wird sich beurteilen lassen, welche Bedeutung der neue Standort Leipzig tatsächlich für Europas Langstreckenwaffenproduktion gewinnen kann.

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