Umweltanalytik : Kalibriergase in der Umweltanalytik: Präzision für Emissionsmessung und Industrie-Compliance

Kalibriergase Messer AG

Die höchste Anforderungen gelten für Gasgemische, die für den Betrieb von empfindlichen Analysegeräten in der Qualitätssicherung, der Sicherheitstechnologie und der Emissions- oder Umweltüberwachung verwendet werden.

- © Mareike Tocha/ Messer

Stickoxide, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid: Viele luftgetragene Schadstoffe entziehen sich dem menschlichen Auge, nicht aber der Messtechnik. Emissionsmessungen sind in zahlreichen Industriebereichen gesetzlich vorgeschrieben und gehören zum Alltag. Sie dienen der Überwachung technischer Prozesse ebenso wie der Einhaltung von Grenzwerten gemäß Luftqualitätsrichtlinie (EU 2024/2881). Dabei fließen sie in Nachhaltigkeitsberichte ein oder unterstützen Zertifizierungsprozesse. 

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Voraussetzung für belastbare Messergebnisse ist die regelmäßige Kalibrierung der eingesetzten Sensoren. Kalibriergase sind dabei das zentrale Medium, um die Genauigkeit sicherzustellen, im stationären Messsystem ebenso wie im mobilen Prüfgerät.

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Umweltanalytik in der Industrie: Emission und Immission verstehen

Während Emissionen den Ausstoß von Schadstoffen an der Quelle beschreiben, erfasst die Immissionsmessung deren Einwirkung auf die Umwelt, nachdem sie sich in der Umgebungsluft ausgebreitet hat. Beide Formen der Umweltanalytik sind für Industrieunternehmen von praktischer Bedeutung, entweder zur Eigenüberwachung, zur Einhaltung von Emissionsauflagen oder für Berichterstattungen, etwa im Rahmen von ESG-Vorgaben. 

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In der Energie-, Chemie- oder Abfallwirtschaft müssen Betreiber kontinuierlich Emissionsdaten erfassen und dokumentieren. Verkehrstechnische Anwendungen betreffen sowohl Fahrzeughersteller als auch Prüforganisationen. Je nach Branche variieren die gemessenen Stoffe: CO₂, NOₓ, SO₂, flüchtige organische Verbindungen (VOCs) oder Methan sind gängige Zielkomponenten. Für jede dieser Komponenten gelten spezifizierte Messverfahren, in vielen Fällen mit gesetzlich definierten Genauigkeitsanforderungen.

Kalibriergase: Grundlage jeder Emissionsmessung

Kalibriergase sind exakt definierte Gasgemische, die Analysegeräte justieren und deren Messergebnisse absichern. In der Praxis unterscheidet man zwischen Kalibriergasen, Prüfgasen und Betriebsgasen. Während Prüfgase der Funktionskontrolle dienen und Betriebsgase bestimmte Analyseverfahren ermöglichen (etwa der UV-Fluoreszenz), sind Kalibriergase für die Messwertverifikation unerlässlich. Je nach Anforderung kommen unterschiedliche Konzentrationsbereiche zum Einsatz: Bei Immissionsmessungen im ppb-Bereich, bei Emissionen meist im ppm-Bereich. Hersteller wie Messer Austria bieten hierfür spezialisierte Produktlinien.

Wie Kalibriergase hergestellt und normgerecht abgesichert werden

Die Qualität eines Kalibriergasgemisches bestimmt maßgeblich die Verlässlichkeit der Messergebnisse. Für anspruchsvolle Anwendungen wird die gravimetrische Herstellung nach EN ISO 6142-1 verwendet. Dabei werden die Komponenten exakt eingewogen und auf Masseeinheiten rückgeführt. Die ISO/IEC 17025 regelt zusätzlich die Anforderungen an Kalibrierlabore hinsichtlich Rückverfolgbarkeit und Messunsicherheit. In der EU ist der Einsatz entsprechend zertifizierter Kalibriergase in bestimmten Anwendungsfeldern verpflichtend. Messer Austria betreibt dafür auch eigene akkreditierte Labore.

Kalibriergase sind exakt definierte Gasgemische, die Analysegeräte justieren und deren Messergebnisse absichern.

- © Messer AG

Einsatz von Kalibriergasen in der Industrie

In thermischen Kraftwerken werden Kalibriergase eingesetzt, um kontinuierliche Emissionsmesssysteme (CEMS) zu prüfen, etwa zur Erfassung von NOₓ- oder CO-Werten. In der chemischen Industrie sichern sie die Überwachung flüchtiger Stoffe in Prozessabgasen. 

Für Fahrzeuge kommen standardisierte Kalibriergasgemische, z. B. AU-Kalibriergase oder CO₂-Kalibriergas, sowohl bei der Typgenehmigung als auch bei wiederkehrenden Abgastests zum Einsatz. 

Die Anforderungen an diese Gase unterscheiden sich je nach Messbereich: Während Emissionsmessungen meist ppm-Konzentrationen betreffen, liegen Immissionsmessungen in städtischen Luftmessstationen häufig im Bereich von wenigen ppb. Für den mobilen Einsatz gelten zusätzliche Anforderungen an Stabilität und Handhabung.

Rechtlicher Rahmen für Kalibriergase und Prüfgase in der Industrie

Grundlage für den Einsatz von Kalibriergasen in der Umweltanalytik sind verschiedene Normen und Richtlinien. Neben der EN ISO 6142-1 und der ISO/IEC 17025 spielen auch nationale Vorschriften – etwa aus der österreichischen Luftreinhalteverordnung – eine Rolle. 

Die EU-Luftqualitätsrichtlinie 2024/2881 verpflichtet die Mitgliedsstaaten zur regelmäßigen Erhebung von Luftschadstoffdaten nach festgelegten Messverfahren. Entsprechend sind auch die Anforderungen an Kalibriergase normativ geregelt: Sie müssen rückführbar, homogen, stabil und dokumentiert sein. Nur so ist eine Vergleichbarkeit über Standorte und Länder hinweg gewährleistet.

Rolle der Kalibriergase in Umweltstrategie und ESG-Berichtspflichten

Emissionsdaten sind nicht nur Messwerte, sondern Entscheidungsgrundlage. Für Unternehmen, die Umweltziele verfolgen oder im Rahmen von ESG-Kriterien berichten müssen, sind sie elementar. Kalibriergase sichern die technische Qualität dieser Daten ab – etwa im Emissionshandel, bei Genehmigungsverfahren oder in der Nachhaltigkeitskommunikation. Je präziser die Datenbasis, desto tragfähiger die Maßnahmen. In dieser Funktion sind Kalibriergase ein fester Bestandteil industrieller Umweltstrategien.

Kalibriergase als präzises Rückgrat industrieller Umweltanalytik

Kalibriergase ermöglichen verlässliche Emissions- und Immissionsmessungen, beispielsweise bei der Energieerzeugung, Chemieproduktion oder Mobilität. Ihre präzise Zusammensetzung und normgerechte Herstellung sind Voraussetzung für technische Genauigkeit und regulatorische Compliance. In der industriellen Umweltanalytik bilden sie damit eine unverzichtbare, wenn auch häufig übersehene Grundlage.