Automotive : BRP-Rotax testet humanoiden Roboter: Wann "Sonny" an die Linie darf
Bei BRP-Rotax soll „Sonny“ zeigen, wo die Technologie heute tatsächlich steht - und wo ihre Grenzen liegen.
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Bei BRP-Rotax in Gunskirchen ist der humanoide Roboter nicht als kurzfristiger Effizienzbringer eingezogen. Der BRP-Konzern verfüge auch über Produktionsstandorte in Best-Cost-Countries, erzählt Mario Gebetshuber, Geschäftsführer von BRP-Rotax. Als Entwicklungs- und Produktionsstandort in Österreich differenziere sich das Unternehmen müsse daher anders argumentieren: nicht primär über „Dollar per Unit“, sondern über seine Rolle als Kompetenzzentrum für Antriebssysteme und den Beitrag, den es für Technologie, Innovation und die Weiterentwicklung industrieller Prozesse leistet. In diese Logik ordnet Gebetshuber auch den humanoiden Roboter ein, der bei BRP-Rotax den Namen „Sonny“ trägt.
Schichtwechsel: Chinas humanoide Roboter greifen nach Europas Fabriken
„Unser Anspruch ist, die Technologie zu lernen“, sagt Gebetshuber. Genau darin liegt der Kern eines EU-geförderten Projekts, das BRP-Rotax gemeinsam mit der FH Oberösterreich und weiteren Unternehmenspartnern derzeit abspult. Auch der Aufbau von Trainingsdaten, das Einlernen und die technologische Weiterentwicklung sind Teil dieser Zusammenarbeit.
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Es gehe nicht darum, einen humanoiden Roboter möglichst rasch in die Serienproduktion zu stellen oder jene Bilder zu reproduzieren, die man aus Videos kennt: laufende, winkende, tanzende Maschinen, deren industrielle Alltagstauglichkeit offenbleibt. Bei BRP-Rotax soll „Sonny“ zeigen, wo die Technologie heute tatsächlich steht - und wo ihre Grenzen liegen.
China-Roboter als Experimentierplattform
Der eingesetzte Roboter ist ein Unitree G1, ein chinesisches Modell, das Gebetshuber als Experimentierplattform beschreibt. Zum Zeitpunkt des Projektstarts sei Unitree technologisch weit vorne und vor allem verfügbar gewesen. Viele Anbieter hätten zwar angekündigt, humanoide Roboter im Angebot zu haben, bei Unitree habe die Beschaffung jedoch funktioniert und die Technologie zum Lernansatz gepasst.
Humanoide Roboter: Fill prüft den nächsten großen Sprung in der Automatisierung
Die anfängliche Erwartung sei im Management hoch gewesen. Man habe angenommen, dass die Technologie schneller einsatzfähig werden könnte. Inzwischen habe man diese Einschätzung angepasst. „Da gibt es schon einen weiten Weg zu gehen“, sagt Gebetshuber. Gerade die freie Zusammenarbeit in einem menschengeprägten Umfeld sei wesentlich anspruchsvoller als eine Demonstration unter kontrollierten Bedingungen.
Humanoide Roboter: Europas letzte Chance?
Das bedeutet nicht, dass BRP-Rotax von Automatisierung erst überzeugt werden müsste. Im Werk sind bereits autonome mobile Transportsysteme unterwegs, etwa für den Transport verpackter Fertigprodukte in den Versand. Diese Fahrzeuge bewegen sich frei im Unternehmen, erhalten Aufträge, holen Waren ab und bringen sie an definierte Ziele. Auch klassische Roboterzellen und Automatisierungslösungen sind im Einsatz, etwa dort, wo Teile für Mitarbeiter zu schwer sind. Der humanoide Roboter ist also nicht der Einstieg in Robotik, sondern der Versuch, eine neue Robotik-Kategorie zu verstehen.
Erste Einsatzfelder: Materialhandling und "3d"-Jobs
Der konkrete Testfall für „Sonny“ liegt im Materialhandling. Dabei geht es um Aufgaben, die für klassische Automatisierung schwierig bleiben: Teile, die wahllos in einem Behälter liegen, müssen erkannt, gegriffen und einer Maschine zugeführt werden. Früher mussten solche Teile häufig exakt positioniert werden. Erst dann konnte ein System sie aufnehmen und weiterverarbeiten. Schwieriger wird es, wenn die Lage zufällig ist, verschiedene Teile im Behälter liegen und der Roboter sie richtig erkennen, greifen und zuführen muss.
Ein mögliches Einsatzfeld beschreibt Gebetshuber mit der aus der Industrie bekannten Formel der 3D-Arbeitsplätze: dangerous, difficult, dirty. Also Tätigkeiten, die gefährlich, schwierig oder schmutzig sind. In solchen Umfeldern könne humanoide Robotik ergänzend zu Mitarbeitern sinnvoll werden - etwa dort, wo Ergonomie, Sicherheit oder der Umgang mit bestimmten Stoffen problematisch sind.
BRP-Rotax und humanoide Roboter: Früher Kompetenzaufbau als Vorteil
BRP-Rotax sieht den frühen Kompetenzaufbau als Vorteil. Denn selbst wenn humanoide Roboter eines Tages als Standardlösung gekauft werden könnten, verschwinden die Begleitfragen nicht. Wie werden solche Systeme eingelernt? Was passiert bei sicherheitstechnischen Vorfällen? Welche Rolle spielen Datenschutz und Cybersecurity? Wie wird ein Roboter in bestehende Prozesse eingebunden? Gebetshuber sieht diese Fragen als Teil des Lernprozesses.