Containerschifffahrt durch Rote Meer : Maersk fährt als einzige Reederei wieder durch den Suezkanal

Gestapelte Seecontainer der dänischen Reederei Maersk im Umschlagbahnhof der Deutschen Bahn im Nürnberger Hafen.
© Ardan Fuessmann - stock.adobe.com

Am 15. Januar 2026 hat A.P. Møller-Maersk offiziell bekannt gegeben, dass der intern genannte MECL-Service, der den Mittleren Osten und Indien mit der US-Ostküste verbindet, wieder regelmäßig über den Suezkanal und das Rote Meer geführt wird. 

Diese Entscheidung markiere den „ersten strukturellen Schritt“ hin zu einer Rückkehr zur Trans-Suez-Route, nachdem zuvor wegen Sicherheitsrisiken fast alle Dienste über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet worden waren, so Maersk. Grundlage dieser Entscheidung sei eine „verbesserte Stabilität“ in der Region, die einen planbaren und geordneten Transit wieder möglich mache.

Erste planmäßige Fahrten und vorbereitende Testtransits

Als Auftakt dafür startete die Cornelia Maersk am 15. Januar 2026 westwärts ab Jebel Ali auf der klassischen Trans-Suez-Route. Bereits zuvor hatte die Maersk Detroit am 10. Januar von North Charleston kommend den Ostkurs aufgenommen und den Weg durch das Rote Meer genutzt. 

Maersk verweist in einer Mitteilung darauf, dass in den Wochen zuvor mehrere Testfahrten erfolgreich absolviert worden waren: Die Maersk Sebarok sowie die Maersk Denver hatten den Rotmeer- und Bab-el-Mandeb-Korridor ohne Störungen durchquert. 

Dabei zeigten Schiffsverfolgungsdaten allerdings, dass die Denver sein Automatisches Identifikationssystem (AIS) vorübergehend abgeschaltet hatte, während es vor Salalah im Oman auf Reede lag; das Signal setzte erst wieder ein, nachdem das Schiff die Meerenge Bab al-Mandab passiert und Gewässer vor Sudan erreicht hatte - ein Hinweis auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen während des Transitverlaufs.

Diese positiven Tests hätten eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Wiederaufnahme der regulären Route geliefert. Branchenbeobachter interpretierten diese Testfahrten bisher allerdings als isolierte Ereignisse: Sie zeigten zwar, dass Transit möglich, aber noch nicht, dass der Korridor dauerhaft sicher und zuverlässig für reguläre Dienste sei.

Kontinuierliche Risikobewertung und mögliche Rückumleitung

Trotz der Rückkehr bleibt Maersk vorsichtig. Das Unternehmen betont, dass die Sicherheit von Besatzung, Schiff und Ladung weiterhin oberste Priorität besitzt und die Routenplanung daher fortlaufend neu bewertet wird. In einer offiziellen Erklärung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass jederzeit eine Rückverlagerung über das Kap der Guten Hoffnung erfolgen kann, sollte sich die Lage im Roten Meer erneut verschlechtern. 

Obwohl einzelne Transitfahrten erfolgreich waren, weist die Branchenplattform Trans.info darauf hin, dass dieser Erfolg nicht automatisch als vollständige Normalisierung zu verstehen sei. Viele Reedereien sehen das Kap weiterhin als sicherere und besser planbare Alternative, was zeigt, dass die Risiken insgesamt noch nicht vollständig ausgeräumt sind.

Keine der 14 zurückgeführten Schiffe gehört zur Allianz mit Hapag-Lloyd

Ein zusätzlicher Punkt, der in internationalen Medienberichten hervorgehoben wurde, betrifft die Flottenstruktur: Maersk hat am selben Tag angekündigt, dass das Unternehmen 14 Schiffe zurück in Richtung Rotes Meer entsendet, um den Dienstbetrieb zu stabilisieren. Reuters und andere Wirtschaftsdienste berichten jedoch, dass keines dieser 14 Schiffe Teil eines Allianz- oder Kooperationsnetzwerks mit Hapag-Lloyd ist. Dies bedeutet, dass Maersk diesen Schritt unabhängig von Partnern vollzieht und Hapag-Lloyd nicht an dieser Rückführung beteiligt ist.

Der deutsche Carrier hat bisher keine konkrete Ankündigung für eine Wiederaufnahme der Route durch das Rote Meer gemacht. Hapag-Lloyd beobachtet die Sicherheitslage weiterhin, hält aber vorerst am Umweg über das Kap fest. Diese unterschiedliche Einschätzung der Lage zeigt, wie volatil die Situation nach wie vor ist: Während Maersk die Risiken als kalkulierbar einstuft und sich schrittweise zurückorientiert, bleibt der Rest der Branche vorsichtig.