Delta Electronics : Neue Robotik-Ära: Diese Technologie lässt Roboter erstmals miteinander kommunizieren

Delta Electronics

Michael Mayer-Rosa ist Senior Director Industrial Automation EMEA und Global Head of Intelligent Robotics System (IRS) beim taiwanesischen Leistungselektronik- und Automatisierungs-Konzern Delta Electronics.

- © Delta Electronics

Die Industrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Automatisierung, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge verändern nicht nur einzelne Prozesse, sondern ganze Produktionssysteme. Auf der Hannover Messe 2025 hat Delta Electronics mit dem Einstieg in den Cobot-Markt und einer strategischen Partnerschaft mit Nvidia ein deutliches Signal gesetzt. Ziel ist es, Robotik, Simulation und reale Fertigung enger miteinander zu verzahnen – und damit den nächsten Schritt in Richtung vollständig digitalisierter Produktion zu gehen.

Lesetipp: Humanoide Roboter aus Österreich feiern spektakulären Industrieeinsatz

Im Interview erklärt Michael Mayer-Rosa, wie digitale Zwillinge bereits heute in globalen Produktionsstätten eingesetzt werden, warum selbst kleinste Abweichungen in der Fertigung künftig kein Problem mehr darstellen und welche Rolle vernetzte Roboter in der Fabrik der Zukunft spielen. Zudem gibt er Einblicke, wie Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen können und warum Benutzerfreundlichkeit gerade für den Mittelstand entscheidend ist. Klar wird: Die nächste Evolutionsstufe der Industrie hat längst begonnen.

Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!

Cobot-Offensive: Nvidia-Deal hebt Robotik auf völlig neue Plattform

Auf der Hannover Messe 2025 haben Sie den Einstieg in den Cobot-Markt verkündet. Was hat sich seitdem getan?

Michael Mayer-Rosa: Ein besonderes Highlight, das wir auf der SPS präsentiert haben, ist unsere neue Kooperation mit Nvidia. Gemeinsam integrieren wir unsere Cobot-Familie mit Nvidia-Technologien, insbesondere für die Anwendung im Bereich Interiors. Diese Partnerschaft hebt Robotik auf eine neue Plattformbasis. Sie ermöglicht uns, digitale Fertigung weiter voranzutreiben und den digitalen Zwilling als Kern unserer Produktionsphilosophie zu etablieren.

Lesetipp: Künstliche Intelligenz: Milliardenmarkt humanoider Roboter vor dem großen Durchbruch

Der digitale Zwilling ist ein spannendes Thema. Wieso setzen Sie auf dieses Konzept?

Mayer-Rosa: Digitale Fertigung ist nicht nur ein Trend, sondern eine Notwendigkeit. In unseren eigenen Globalen Produktionsstätten setzen wir dieses Konzept bereits ein. Wir sind in der Lage, alle Prozessdaten in Echtzeit zu erfassen, zu analysieren und zu nutzen. So können wir beispielsweise geringfügige Abweichungen bei Bauteilen identifizieren und diese Informationen nutzen, um die Teile in der Produktion optimal zu verbauen. Das Ziel ist, die Qualität zu maximieren und gleichzeitig Ressourcen zu sparen. Der digitale Zwilling spielt dabei eine zentrale Rolle, da er alle diese Prozesse abbildet und optimiert.

Die nächste Generation möchte nicht mehr in der Fertigung arbeiten, sondern Technologien entwickeln und steuern.

Roboter-Kooperation: Verblüffender Fortschritt verändert die Produktion grundlegend

Wie schätzen Sie die Zukunft der Branche ein?

Mayer-Rosa: Die Automatisierung wird weiter zunehmen, denn sie ist der Schlüssel, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die nächste Generation möchte nicht mehr in der Fertigung arbeiten, sondern Technologien entwickeln und steuern. Daher konzentrieren wir uns darauf, Systeme zu schaffen, die einfach zu bedienen sind und gleichzeitig die Produktion vollständig automatisieren können. Wir gehen sogar einen Schritt weiter und entwickeln Lösungen, bei denen Roboter direkt mit anderen Robotern interagieren können. Das gilt unabhängig vom Typ – ob SCARA, Cobot oder humanoide Roboter.

Lesetipp: Tesla-Roboter statt Autos: Musk setzt alles auf riskantes KI-Imperium

Wie setzen Sie das konkret um?

Mayer-Rosa: Ein gutes Beispiel ist unsere Qualitätskontrolle. Wenn bei der Inspektion ein Bauteil eine kleine Abweichung zeigt, wird diese Abweichung digital erfasst und das Teil trotzdem weiterverarbeitet. Unsere Systeme wissen dann, wie sie diese Abweichung in der Fertigung ausgleichen können, sodass das Endprodukt trotzdem den höchsten Standards entspricht. Wir reduzieren dadurch Ausschuss und steigern die Effizienz erheblich. 

Delta Electronics hat seine kollaborativen Roboter der D-Bot-Serie mit den Entwicklungs- und Simulations-Plattformen Omniverse und Isaac Sim von Nvidia verknüpft.

- © Delta Electronics

Einfache Robotik: Warum komplexe Systeme jetzt neu gedacht werden

Welche Rolle spielt die Benutzerfreundlichkeit Ihrer Systeme dabei?

Mayer-Rosa: Benutzerfreundlichkeit ist essenziell, vor allem für KMUs, die häufig nicht über spezielles Robotik wissen verfügen. Mit der Omniverse-Integration bieten wir eine Plattform, die Prozesse in der digitalen Welt simulieren und in die reale Welt übertragen kann – und umgekehrt. Das ist für viele Unternehmen ein großer Vorteil, da sie so ihre Produktion optimieren können, ohne vor Ort sein zu müssen. Wichtig ist uns dabei, die Kunden nicht mit zu vielen Funktionen zu überfordern. Stattdessen setzen wir auf eine schrittweise Einführung, bei der sie die Technologie in ihrem Tempo kennenlernen können.

Lesetipp: Humanoide Roboter: Schaeffler startet industrielle Revolution mit neuem Partner

Delta will zunehmend eine wichtige Rolle auf dem Deutschen Markt für Industrieautomation spielen. Welche Strategie verfolgen Sie?

Mayer-Rosa: Deutschland ist ein Schlüsselmarkt für uns, und wir haben unsere Produktentwicklung speziell auf die regionalen Anforderungen ausgerichtet. Ein Beispiel dafür ist unsere neue PLC-Steuerung, die wir auf der SPS vorgestellt haben. Sie wurde mit besonderem Fokus auf Sicherheitsstandards entwickelt, da diese in Europa entscheidend sind. Auch unsere Robotiklösungen wurden speziell für den Mittelstand entwickelt, um die Anforderungen an Flexibilität, Einfachheit, Effizienz und Sicherheit zu erfüllen.

Delta ist ein Familienunternehmen, und für die Gründerfamilie ist das Thema grün nicht nur ein Marketinginstrument, sondern eine Überzeugung.

Europa-Offensive: Zukunftsstrategie bringt neue Robotik- und KI-Innovationen

Wie spiegelt sich der Nachhaltigkeitsanspruch in Ihren Produkten wider?

Mayer-Rosa: Nachhaltigkeit ist tief in unserer DNA verankert. Delta ist ein Familienunternehmen, und für die Gründerfamilie ist das Thema grün nicht nur ein Marketinginstrument, sondern eine Überzeugung. Unsere Gebäudeautomation zielt beispielsweise darauf ab, Energieeffizienz zu maximieren. In den USA haben wir ein Gebäude gebaut, das mehr Energie produziert, als es verbraucht. Diese Philosophie setzen wir auch in unseren Produkten um, wie bei unseren Umrichtern, die bis zu 98 Prozent der Energie effizient nutzen. Das gilt auch für unsere Robotik, wo wir den Energieverbrauch so gering wie möglich halten.

Lesetipp: Die Sims: ABB und NVIDIA nutzen KI zur Simulation von Robotik

Was können wir in Zukunft von Delta in Europa erwarten?

Mayer-Rosa: Es wird noch viel passieren. Im Bereich Robotik werden wir neue Modelle und Funktionen vorstellen, die auch ein KI Basiertes Vision System im ECO-System beinhaltet. Auch in der Digitalisierung und bei Industrieautomationsprodukten wie Servoantrieben und HMI-Displays wird es Neuerungen geben. Wir arbeiten daran, unsere Lösungen noch besser auf die Bedürfnisse des europäischen Marktes abzustimmen und werden auch auf der Hannover Messe im kommenden Jahr einige spannende Innovationen präsentieren.

Automatisierung im Wandel: Roboter kommunizieren zunehmend eigenständig miteinander

- © Delta Electronics

Sie wollen mehr zum Thema?