Wirtschaft Deutschland–Österreich : Deutschland und Österreich: Eine milliardenschwere Wirtschaftspartnerschaft auf dem Prüfstand
Deutschlands und Österreichs Wirtschaft ist eng verflochten. Bei der Generalversammlung der Deutschen Handelskammer in Wien rückten hohe Energiekosten, Bürokratie und der wachsende Druck auf die Industrie in den Mittelpunkt.
- © DHK/Florian WieserDie wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Österreich ist eng, die konjunkturelle Lage bleibt angespannt. Bei der 71. Generalversammlung der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) am 29. Oktober im Wiener Palais Niederösterreich zeichnete Präsident Hans Dieter Pötsch ein ernüchterndes Bild. Zwar hätten sich die bilateralen Handelsbeziehungen nach den Rückgängen der Vorjahre stabilisiert, von einem nachhaltigen Aufschwung könne jedoch keine Rede sein.
Besonders kritisch sieht Pötsch die hohen Energie- und Standortkosten, den internationalen Wettbewerbsdruck und die zunehmende Regulierung. „Der Abbau ist bislang in unseren Unternehmen kaum angekommen“, kritisierte er mit Blick auf die politischen Versprechen zur Entbürokratisierung. Wie bedeutend die wirtschaftliche Partnerschaft ist, zeigen aktuelle Zahlen von Statistik Austria. 2025 exportierte Österreich Waren im Wert von 56,19 Milliarden Euro nach Deutschland, während sich die Importe auf 63,43 Milliarden Euro beliefen. Deutschland vereinte damit 29,6 Prozent der österreichischen Warenexporte und 32,2 Prozent der Importe auf sich. Besonders eng ist die Verflechtung im Maschinen- und Fahrzeugbau.
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Österreichs Exporte nach Deutschland sinken: Industrie kämpft um Wettbewerbsfähigkeit
Allerdings bleibt die Entwicklung uneinheitlich: Während die österreichischen Importe aus Deutschland 2025 um 4,3 Prozent stiegen, gingen die Exporte um ein Prozent zurück. Für die exportorientierte Industrie erhöht das den Druck, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Pötsch plädierte deshalb für moderate Lohnabschlüsse. Angesichts anhaltender Inflationsrisiken müssten die Sozialpartner neben Kaufkraftverlusten auch die gesamtwirtschaftlichen Folgen berücksichtigen. Entscheidend sei, den Unternehmen ausreichend finanziellen Spielraum für Investitionen zu erhalten.
Beim anschließenden „Hessischen Abend“ rückte die Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundesland Hessen in den Mittelpunkt. Ministerpräsident Boris Rhein betonte die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen und identifizierte insbesondere Gesundheitswirtschaft, Industrie 4.0, Automatisierung, Elektromotoren und Mobilität als Zukunftsfelder.
„Gemeinsam wollen wir neue Chancen für Unternehmen erschließen, Freiräume für unternehmerisches Handeln schaffen und Europa als wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort stärken“, erklärte Rhein.
Wirtschaftsstandort Hessen: Warum Industrie, KI und Energiekosten entscheidend werden
Hessen bringt dafür erhebliche wirtschaftliche Substanz mit. Das Bundesland erwirtschaftete 2025 ein Bruttoinlandsprodukt von rund 382 Milliarden Euro. Allerdings sank die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 0,2 Prozent. Auch der bedeutende Industrie- und Finanzstandort bleibt somit von der Konjunkturschwäche nicht verschont.
Ein wesentlicher Standortvorteil ist die internationale Verkehrsinfrastruktur: Der Frankfurter Flughafen fertigte 2025 rund zwei Millionen Tonnen Luftfracht ab und war damit erneut Europas größter Frachtflughafen.
Auch die österreichische Bundesregierung sieht Handlungsbedarf. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll verwies auf die Chancen künstlicher Intelligenz und der technologischen Transformation. Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Pernkopf unterstrich hingegen die Bedeutung einer gesicherten Energieversorgung und verwies auf den Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Windkraft.
Industriestandort Österreich: Warum Investitionen und Bürokratieabbau jetzt entscheidend sind
Die zentrale Botschaft des Treffens: Die industrielle Basis beider Länder bietet weiterhin erhebliche Kooperationspotenziale. Ob diese ausgeschöpft werden können, hängt jedoch zunehmend davon ab, ob es gelingt, Standortkosten zu senken, Investitionen anzuregen und regulatorische Hürden tatsächlich abzubauen.
Durch den Abend führte die gebürtige Hessin Beatrice Schmidt, Geschäftsführerin der FM FORUM Industriemedien. Mehr als 200 Gäste aus Wirtschaft und Politik nutzten die Veranstaltung zum grenzüberschreitenden Austausch, darunter Vertreter von Andritz, Bosch, Airbus, Merck und Gebrüder Weiss.