Industriestrompreis Österreich 2027 : Österreichs Industriestrompreis: Warum die Papierindustrie vor Wettbewerbsnachteilen warnt
Die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie zählt zu den energieintensiven Branchen — und fordert beim geplanten Industriestrompreis deutlich mehr Entlastung. Im Standortwettbewerb mit Deutschland werden Stromkosten zunehmend zur Schlüsselfrage für Investitionen, Produktion und Arbeitsplätze.
- © AustropapierDie hohen Stromkosten bleiben eine zentrale Herausforderung für die energieintensive Industrie in Europa. Deutschland hat bereits reagiert und einen staatlich geförderten Industriestrompreis für die Jahre 2026 bis 2028 eingeführt. Österreich will ab 2027 nachziehen. Kurz vor dem Ende der Begutachtungsfrist am 16. Oktober fordert die heimische Papier- und Zellstoffindustrie allerdings deutliche Verbesserungen am Gesetzesentwurf.
Die österreichische Bundesregierung hat für den Industriestrompreis und die verlängerte Strompreiskompensation insgesamt 750 Millionen Euro für die Jahre 2027 bis 2029 vorgesehen. Das entspricht jährlich 250 Millionen Euro. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums soll sich der Kreis der unterstützten Unternehmen von bisher rund 60 auf mehr als 500 Betriebe erweitern.
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Papierindustrie fordert viermal mehr Geld für den Industriestrompreis
Für den Branchenverband Austropapier ist das Vorhaben ein wichtiger erster Schritt, reicht aber nicht aus, um Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen europäischen Industriestandorten auszugleichen.
„Die derzeit vorgesehenen 250 Millionen Euro jährlich sind ein ermutigender erster Schritt. Um die Benachteiligung der österreichischen Unternehmen im Vergleich zum Rest der EU auszugleichen, braucht es eine Vervierfachung der Mittel“, sagt Austropapier-Präsident Martin Zahlbruckner.
Die Forderung nach einem deutlich höheren Fördervolumen begründet der Verband mit der internationalen Ausrichtung seiner Mitgliedsunternehmen. Rund 90 Prozent der österreichischen Papierproduktion werden exportiert. Entsprechend stark wirken sich unterschiedliche Energiepreise auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.
Austropapier-Präsident Martin Zahlbruckner fordert beim geplanten Industriestrompreis deutliche Nachbesserungen. Aus Sicht der Papier- und Zellstoffindustrie reichen die vorgesehenen Mittel nicht aus, um Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen europäischen Industriestandorten auszugleichen.
- © Daniel SchalerIndustriestrompreis in Deutschland: Warum Österreich unter Zugzwang gerät
Ein wesentliches Argument der österreichischen Industrie ist die Entwicklung in Deutschland. Dort wurde der Industriestrompreis am 16. April 2026 von der Europäischen Kommission genehmigt. Die entsprechende Förderrichtlinie trat am 7. Mai in Kraft.
Das Fördermodell sieht für bestimmte energieintensive Unternehmen eine Entlastung bei bis zu 50 Prozent ihres Stromverbrauchs vor. Die Unterstützung orientiert sich am Großhandelsstrompreis und einer Preisuntergrenze von fünf Cent je Kilowattstunde. Dabei handelt es sich nicht um einen pauschal garantierten Stromtarif für sämtliche Verbrauchsmengen. Laut Bundeswirtschaftsministerium können potenziell rund 9.500 Unternehmen profitieren.
Deutschland hat zudem die bestehende Strompreiskompensation ausgeweitet. Im Juli 2026 genehmigte die EU-Kommission eine Erweiterung von elf auf 31 förderfähige Sektoren. Damit sollen zusätzliche Branchen bei den indirekten CO₂-Kosten entlastet werden.
Strompreiskompensation und Industriestrompreis: Der Streit um die doppelte Entlastung
Besonders wichtig ist Austropapier die Möglichkeit, beide Förderinstrumente miteinander zu kombinieren. Während die Strompreiskompensation indirekte CO₂-Kosten aus dem europäischen Emissionshandel teilweise ausgleicht, soll der Industriestrompreis darüber hinausgehende Stromkostenbelastungen reduzieren.
Deutschland erlaubt eine Kombination der Instrumente, sofern unterschiedliche Strommengen gefördert werden. Eine doppelte Förderung derselben Strommengen ist ausgeschlossen.
Der österreichische Begutachtungsentwurf sieht nach Darstellung von Austropapier keine entsprechende Kombinationsmöglichkeit vor.
„Beide Instrumente verfolgen unterschiedliche Ziele und sollten sich daher sinnvoll ergänzen. Österreich muss die europäischen Spielräume ausschöpfen und eine Kombination nach deutschem Vorbild ermöglichen. Damit ließen sich Arbeitsplätze besser sichern, ohne dieselben Kosten doppelt zu fördern“, betont Zahlbruckner.
Investitionen in Österreich: Warum die Industrie Planungssicherheit beim Strompreis verlangt
Kritik übt der Verband auch an der vorgesehenen Budgetregelung. Sollten die beantragten Förderungen die verfügbaren Mittel übersteigen, könnten die Zuschüsse nachträglich anteilig gekürzt werden. Für Unternehmen, die langfristige Investitionen in Elektrifizierung und klimafreundliche Produktionsanlagen planen, bedeutet das zusätzliche Unsicherheit.
„Unsere Betriebe planen Investitionen in moderne Produktionsanlagen und die weitere Elektrifizierung viele Jahre im Voraus. Dafür brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und Klarheit über die tatsächliche Entlastung“, erklärt Austropapier-Geschäftsführerin Sigrid Reimer.
Die österreichische Bundesregierung knüpft ihre Fördermaßnahmen zugleich an bestimmte Gegenleistungen. So müssen Unternehmen grundsätzlich 50 Prozent der Förderung reinvestieren. Ab einer jährlichen Unterstützung von zwei Millionen Euro gelten außerdem Beschäftigungsvorgaben, die grundsätzlich den Erhalt von 90 Prozent des Personalstandes vorsehen. Ausnahmen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Austropapier-Geschäftsführerin Sigrid Reimer fordert beim Industriestrompreis verlässliche Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen. Für die Papier- und Zellstoffindustrie geht es dabei vor allem um Planungssicherheit bei Elektrifizierung, klimafreundlichen Produktionsanlagen und Stromkosten.
- © AustropapierIndustriestandort Österreich: Warum Stromkosten über Jobs und Investitionen entscheiden
Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche ist erheblich. Nach Austropapier-Angaben beschäftigt die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie an 23 Standorten rund 7.300 Menschen. Zwischen 2020 und 2025 investierten die Unternehmen etwa 1,5 Milliarden Euro in Österreich. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier sind rund 440.000 Arbeitsplätze mit dem Sektor verbunden.
Mit dem Ende der Begutachtungsfrist am 16. Oktober rückt nun die gesetzliche Ausgestaltung in den Mittelpunkt. Entscheidend wird sein, ob Österreich die Förderinstrumente ausreichend finanziell ausstattet und ähnlich flexibel wie Deutschland gestaltet.
Denn der Wettbewerb um industrielle Investitionen wird zunehmend auch über die Energiekosten entschieden. Für die österreichische Industrie geht es dabei nicht nur um kurzfristige Entlastungen, sondern um die Frage, ob künftige Produktionsanlagen, Technologien und Arbeitsplätze im Land bleiben.