Knill Gruppe : Christian Knill: Warum Europas Energiewende an den Stromnetzen hängt

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Maschinenbauunternehmer Christian Knill: Eine Fertigung in Europa, aus der heraus die ganze Welt beliefert wird, reicht nach seiner Einschätzung immer weniger aus. 

- © Matthias Heschl

Vor wenigen Jahren stand in Europa vor allem der Ausbau neuer Erzeugungskapazitäten im Mittelpunkt. Windkraftanlagen, Photovoltaikparks und dezentrale Einspeiser galten als Symbole der Energiewende. Erst mit Verzögerung sei stärker in den Blick geraten, dass der erzeugte Strom auch transportiert werden müsse, sagt Christian Knill, CEO der Knill Energy Holding. Die Netze seien damit zum Rückgrat der modernen Gesellschaft geworden. Denn je mehr Industrie, Mobilität, Gebäudetechnik und digitale Anwendungen auf Strom umgestellt werden, desto stärker wächst der Druck auf Leitungen, Umspannwerke und die gesamte Netzinfrastruktur.
Für Knill ist diese Entwicklung unmittelbar spürbar. Die steirische Gruppe ist in mehreren Infrastruktursparten tätig – von Hoch- und Höchstspannungsleitungen über Bahnelektrifizierung bis zu Anlagen für Batterieproduktion, Glasfaserkabel und Spezialkabel für Rechenzentren. 
 

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Knill beschreibt die Produkte als sicherheitsrelevant: Sie müssen Leiterseile halten, Hitze, Sturm und Eis aushalten und im Hintergrund jene Stabilität sichern, die im Alltag kaum sichtbar ist.
Der Ausbau der Stromerzeugung hat die Netze vielerorts an die Belastungsgrenze gebracht. Die wachsende Zahl volatiler Einspeiser aus Wind und Sonne verändert die Netzführung. Zugleich verschieben Elektromobilität, Klimatisierung, industrielle Elektrifizierung und Rechenzentren die Lastprofile. Netzfrequenz und Stabilität werden zu zentralen Größen eines Systems, in dem Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Knill verweist auf Prognosen der Internationalen Energieagentur, wonach der weltweite Stromverbrauch deutlich steigen werde. Der größte Teil zusätzlicher Nachfrage werde nicht in Europa entstehen, sondern in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Aufrüstung statt Neubau

Die Antwort auf diesen Bedarf sind Investitionen in Stromautobahnen. Technisch geht es um Leiterseile, die höhere Strommengen übertragen können, um Gleichstromleitungen für Transporte über große Distanzen und um neue Mastkonzepte. In Europa steht dabei häufig weniger der komplette Neubau im Vordergrund als die Modernisierung bestehender Trassen. Leitungen werden aufgerüstet, wo Genehmigungen für neue Korridore schwer durchsetzbar sind. Gerade in Österreich und vielen anderen europäischen Ländern bleiben Verfahrensdauern ein zentrales Hemmnis. Bei Stromleitungen, so Knill, habe es bisher häufig 15 bis 20 Jahre gedauert, bis Genehmigungen vorlagen, danach kämen oft weitere Einsprüche hinzu.

Diese Langsamkeit wirkt unmittelbar auf die industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Während Europa über Klimaziele und Elektrifizierung spricht, muss die notwendige Infrastruktur erst gebaut oder erneuert werden. Bleibt der Netzausbau zurück, wird Strom auch regional schwerer verfügbar. Ob Energieinfrastruktur in öffentlicher oder privater Hand liegen soll, beantwortet Knill differenziert. Überregionale Hoch- und Höchstspannungsnetze seien wegen ihrer Versorgungsfunktion gut in öffentlicher Hand aufgehoben. Auf Verteil- und Mittelspannungsebene könne private Beteiligung sinnvoll sein.

Der globale Standortwettbewerb

Die Infrastrukturmärkte verändern auch die Aufstellung der Zulieferer. Eine Fertigung in Europa, aus der heraus die ganze Welt beliefert wird, reicht nach Knills Einschätzung immer weniger aus. Viele Länder erwarteten lokale Investitionen, bevor Aufträge vergeben würden. Das betrifft nicht nur Vertrieb oder Montage, sondern zunehmend auch Produktion. Wer in Indien, den USA oder im Nahen Osten wachsen will, muss vor Ort präsent sein. Gleichzeitig darf Produktion nicht vom Engineering abgekoppelt werden. Fertigung, Technik und Entwicklung gehören eng zusammen – auch wenn das Headquarters weiterhin in Österreich bleibt.

Europa steht damit zwischen zwei Kraftzentren. Die USA profitieren im Stromsektor von einem starken Investitionsboom, stabilen Rahmenbedingungen und aktiver Unterstützung für Industrieansiedlungen. China wiederum verfügt über Vorteile bei Rohstoffen, Kosten und Subventionen. Bei Stahl und Aluminium sieht Knill Kostenvorteile gegenüber Europa, zugleich habe sich China längst vom Billigfertigungsstandort zum Hochtechnologiestandort entwickelt. Moderne Maschinen, Robotik und Automatisierung seien dort Standard. Europa könne sich daher nicht darauf verlassen, dass technologische Kompetenz allein genügt.