VW Sparprogramm und Werksschließungen : VW unter Spardruck: Rating-Alarm und Milliarden-Sparprogramm bis 2030

VW Wolfsburg

Bei der seit Jahren schwächelnden Kernmarke VW hatten sich Unternehmen und Gewerkschaft im Dezember nach langem Ringen auf ein Sanierungsprogramm geeinigt. 

- © Moritz Frankenberg / dpa / picturedesk.com

Der Autobauer Volkswagen bereitet laut einem Bericht des „Manager Magazin“ ein neues konzernweites Sparprogramm vor. Demnach sollen die Kosten bis Ende 2028 um 20 Prozent gesenkt werden. Die Ankündigung sei Mitte Jänner vor den 120 obersten Führungskräften in Wolfsburg erfolgt. Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz hätten die Pläne persönlich vorgestellt. Auch Werksschließungen könnten im Zuge der Maßnahmen zur Diskussion stehen. Eine offizielle Stellungnahme von Volkswagen lag zunächst nicht vor.

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Hintergrund des Vorhabens sind wachsende Renditesorgen. Insbesondere die anhaltende Flaute auf dem chinesischen Markt, die US-Zollpolitik sowie ein zunehmend schwieriges Wettbewerbsumfeld setzen den Konzern unter Druck. Blume wurde mit den Worten zitiert: „Wir müssen die Gewinnschwelle senken.“ Das Sparziel von 20 Prozent sei „die Ambition“ und betreffe sämtliche Marken sowie alle Kostenarten. Insgesamt entspreche dies einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro.

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Volkswagen-Sparprogramm: Milliarden-Einsparung in der Produktion bis 2030

Nach Angaben des Unternehmens sollen allein im Produktionsbereich durch die organisatorische Neuaufstellung bis 2030 Einsparungen in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro erzielt werden. Die Mitteilung erfolgte am Mittwoch am Stammsitz in Wolfsburg.

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Kern der Reform ist die stärkere Bündelung zentraler Funktionen. Die Bereiche Produktion, Technische Entwicklung und Einkauf werden künftig in einem gemeinsamen, markenübergreifenden Markengruppenvorstand zusammengeführt. Damit setzt der Konzern auf eine engere Verzahnung strategischer Entscheidungen und operativer Prozesse über die einzelnen Marken hinweg.

VW-Vorstand neu aufgestellt: Konzern setzt auf schnellere Entscheidungen

Mit der organisatorischen Neuausrichtung geht auch eine deutliche Verschlankung der Führungsstrukturen einher. Die Zahl der Vorstandsposten in den Marken der Gruppe wird spürbar reduziert. Wie zuvor die Branchenzeitung „Automobilwoche“ berichtete, sollen die Marken Skoda, Seat/Cupra sowie die Nutzfahrzeugsparte VWN künftig jeweils von nur noch vier regulären Vorständen geführt werden.

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Durch das neue Steuerungsmodell sinkt die Gesamtzahl der Vorstandsmitglieder innerhalb der Markengruppe um rund ein Drittel. Volkswagen verspricht sich davon schnellere Entscheidungswege und eine klarere strategische Ausrichtung.

VW-Pkw-Chef Thomas Schäfer, der zugleich die gesamte Massenmarkengruppe verantwortet, erklärte: „Der neue Markengruppenvorstand bringt mehr Schnelligkeit und Steuerung im Sinne des markenübergreifenden Optimums“. Das neue Modell ist bereits im Januar gestartet und soll bis zum Sommer vollständig implementiert sein.

VW-PKW-Chef Thomas Schäfer

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VW-Reformprogramm: Doppelstrukturen fallen

Die Umstrukturierung ist eingebettet in eine umfassendere Neuausrichtung des Konzerns. Europas größter Autobauer hatte bereits zuvor ein umfangreiches Sparprogramm für die renditeschwache Kernmarke VW angestoßen. Die nun beschlossene Reform der Massenmarken gilt als weiterer Baustein dieses Kurses.

Im Rahmen der Maßnahmen sollen in Deutschland bis 2030 insgesamt 35.000 Arbeitsplätze bei VW abgebaut werden. Dieses Vorhaben ist Teil der Strategie von Konzernchef Oliver Blume, die Kostenbasis nachhaltig zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern.

Mit der Neuordnung verfolgt Volkswagen das Ziel, Synergien stärker zu nutzen und Doppelstrukturen zu vermeiden. Die Bündelung zentraler Funktionen soll nicht nur Einsparungen ermöglichen, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen den Marken intensivieren. Gerade in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld setzt der Konzern damit auf Effizienzsteigerung und schnellere Reaktionsfähigkeit.

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Volkswagen Rating unter Druck: S&P setzt Ausblick auf „negativ“

Zusätzlichen Druck erhält der Konzern laut Bericht von den Finanzmärkten. Die Ratingagentur S&P habe kurz vor Weihnachten den Ausblick für Volkswagen auf „negativ“ gesetzt. Begründet wurde dies mit dem Risiko, dass der Autobauer die für sein Rating maßgeblichen Finanzkennziffern verfehlen könnte.

Um die Liquidität zu stärken, habe Finanzchef Antlitz zuletzt 6 Milliarden Euro an liquiden Mitteln beschafft. Ein Teil davon sei durch den Verkauf von Forderungen generiert worden.

Bereits zuvor hatten Blume und VW-Markenchef Thomas Schäfer ein Sparprogramm für die Kernmarke VW gestartet. Dieses zielt auf Ergebnisverbesserungen von rund 11 Milliarden Euro bis 2026 ab, um eine operative Umsatzrendite von 6,5 Prozent zu erreichen. Aufgrund von Verzögerungen wurde das ursprünglich gesetzte Zieldatum inzwischen auf 2029 verschoben.