Tesla Verkaufszahlen 2025 : Tesla-Roboter statt Autos: Musk setzt alles auf riskantes KI-Imperium

NEW YORK, USA, 2. OCTOBER 2022: Silhouette of business magnate and investor Elon Musk, Tesla Company logo in background

Vom Autobauer zum Tech-Pionier? Tesla setzt auf Robotik und KI – doch der Erfolg ist ungewiss.

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Am Ende des Jahres 2025 stand für Elon Musk ein selbst erklärter Meilenstein an. „Ich denke“, sagte der Tesla-Chef am 23. Juli vor Investoren, „dass wir bis Ende des Jahres wahrscheinlich in der Hälfte der Bevölkerung der USA autonome Fahrdienste haben werden.“ Gemeint waren Teslas Robotaxis, die demnach rund 173 Millionen Menschen erreichen müssten. Tatsächlich nutzbar ist das Angebot jedoch für niemanden – nicht ein einziger US-Bürger kann aktuell einen fahrerlosen Tesla regulär buchen.

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Stattdessen existiert lediglich eine kleine Testflotte in Austin, Texas – Fahrzeuge mit Sicherheitsfahrern auf dem Beifahrersitz. Eine weitere, noch kleinere Gruppe fährt seit Mitte Januar ohne Fahrer, wird aber offenbar weiterhin durch Begleitfahrzeuge überwacht. Laut Musk sei dies inzwischen nicht mehr nötig. Doch von einem Durchbruch ist Tesla weit entfernt. Ein Meilenstein? Eher ein Märchen – erneut.

Der Rückschlag kam schnell: Nur ein halbes Jahr nach Musks vollmundiger Ankündigung. Selbst für einen CEO, der Investoren regelmäßig mit unrealistischen Versprechen vertröstet, ist das ein bemerkenswerter Absturz. Bereits vor acht Jahren hatte Musk angekündigt, autonom von Los Angeles nach New York zu reisen – ein Ziel, das bis heute nicht erreicht wurde.

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Tesla-Schock: Absatz bricht ein – Gewinn halbiert sich dramatisch

Neben visionären Ankündigungen sorgten vor allem die jüngsten Geschäftszahlen für Ernüchterung: 1,636 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge im Jahr 2025 bedeuten einen Rückgang von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders das vierte Quartal fiel mit einem Minus von 16 Prozent ins Gewicht. Das Autogeschäft, das 73 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, verzeichnete ein Minus von zehn Prozent – und liegt damit unter dem Niveau von 2022.

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Einziger Lichtblick: Das Geschäft mit Stromspeichern legte 2025 um 27 Prozent zu. Dennoch fiel der Jahresgewinn um satte 46 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar – weniger als 2021. Für ein Unternehmen, das einst mit zweistelligen Wachstumsraten beeindruckte, ist das ein massiver Einschnitt.

Und Musks Vision, bis 2030 jährlich 20 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen? Angesichts der aktuellen Zahlen kaum vorstellbar. Um das Ziel zu erreichen, müsste Tesla die Verkaufszahlen jährlich um 70 Prozent steigern – aktuell schrumpfen sie.

Tesla-Aus für Model S und X: Musk setzt auf Roboter statt Premiumautos

Eine weitere Zäsur: Musk kündigte an, die Modelle S und X bald einzustellen. In der Fabrik in Fremont sollen stattdessen humanoide Optimus-Roboter produziert werden. Die ikonische Modellreihe mit der Buchstabenfolge S3XY gehört damit der Vergangenheit an. Gleichzeitig zeigen sich regionale Schwächen deutlich. In Europa sanken die Verkaufszahlen 2025 um 38 Prozent, in Deutschland sogar um 48 Prozent. In China, dem wichtigsten E-Automarkt, legte der Gesamtmarkt um 28 Prozent zu – Tesla hingegen verzeichnete einen Rückgang von fünf Prozent. Und auch im Heimatmarkt USA bröckelt das Geschäft. Der Markt ist gesättigt, Förderungen laufen aus, und die Konkurrenz durch traditionelle Hersteller wächst.

Produktion des Tesla X

- © Tesla

Riskante Flucht nach vorn: Musk träumt vom KI-Imperium statt Autos

Musks Antwort auf die Schwäche im Kerngeschäft: die Flucht nach vorn – in Richtung Künstliche Intelligenz und Robotik. „Tesla ist kein Automobilhersteller mit einem abgelenkten CEO, es ist der einzige öffentliche Zugangspunkt zu einem vertikal integrierten KI-Imperium“, schwärmt Charlie Garcia von R360. Chips, Rechenzentren, Robotik, Satelliten – das Narrativ einer kommenden Tech-Dominanz zieht Anleger an.
Doch das autonome Fahren bleibt eine Zukunftsvision. Teslas Systeme haben Fortschritte gemacht, doch sie benötigen weiterhin menschliche Überwachung. Während Waymo bereits Millionen fahrerloser Fahrten abgewickelt hat, bietet Tesla bislang keinen vollautonomen Robotaxi-Service.

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Das angekündigte „Cybercab“ soll die Wende bringen – ein Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale, günstig und skalierbar. Doch der Start der Produktion im April 2026 scheint ambitioniert. Es ist unklar, ob Teslas Software reif genug ist, um autonomes Fahren tatsächlich umzusetzen.

Autonomie gegen Monatsgebühr: Teslas Abo-Modell sorgt für Kritik

Künftig soll Teslas „Full Self Driving“ (FSD) nicht mehr als Einmalkauf, sondern im Abo-Modell angeboten werden. Kritiker sehen darin auch ein juristisches Kalkül – wiederkehrende Zahlungen lassen sich leichter an veränderte Funktionalitäten anpassen. Denn bisherige Kunden wurden jahrelang mit der Aussicht auf vollständige Autonomie geworben – eine Versprechung, die Tesla bislang nicht einlösen konnte.

Die erhoffte Lizenzierung der FSD-Software an andere Hersteller ist bislang ausgeblieben. Kein großer Autobauer nutzt Teslas Technologie – viele setzen stattdessen auf Nvidia, Qualcomm oder MobilEye. Besonders Nvidia etabliert sich zunehmend als ernsthafte Konkurrenz mit einem offenen, modularen Ansatz, der für OEMs attraktiver ist als Teslas geschlossene Plattform.

Tesla setzt auf Robotik – doch die Konkurrenz schläft nicht

Doch Tesla denkt weiter. Der humanoide Roboter Optimus wird von Musk als das „wichtigste Produkt der Unternehmensgeschichte“ bezeichnet. Ein Milliardenmarkt – theoretisch. In der Praxis sehen viele Beobachter die Technologie noch Jahre von der Marktreife entfernt. Und auch hier wächst die Konkurrenz: Hyundai treibt mit Boston Dynamics eigene Projekte voran, Nvidia investiert ebenfalls massiv in Robotik.

Tesla Optimus: Noch Jahre von der Marktreife entfernt

- © tesla

Zwischen Hoffnung und Risiko: Tesla droht Realitätstest

Tesla steht an einem Scheideweg. Der Übergang vom reinen Autobauer zum KI-getriebenen Technologiekonzern ist im Gange – doch noch bleibt der Beweis aus, dass die neuen Geschäftsmodelle tragfähig sind. Robotaxis, Cybercab, Optimus – all das sind Projekte mit Potenzial, aber auch mit enormem Risiko. Sollte sich zeigen, dass die Visionen nicht zu realen Umsätzen führen, könnte Tesla in eine ernste Krise geraten. Die Erwartungen an Tesla sind hoch – doch irgendwann muss auch die Realität liefern.